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34 Millionen Stangen Bier weniger getrunken

Wegen Corona haben die Schweizer Brauereien im Braujahr 2019/20 4,8 Prozent weniger Bier abgesetzt. Auch die nächsten Monate sehen für die Branche nicht rosig aus.

von mos

Trotz Mehrverkäufen im Detailhandel belastet Corona die Brauer. (Symbolbild Eliane Beerhalter/SBV/zvg)

Lockdown, geschlossene Restaurants, Sportanlässe und Open-Airs abgesagt: Corona wurde auch für die Schweizer Bierbrauer zur Durststrecke. Das zeigt sich in den Zahlen zum Braujahr 2019/20, die der Schweizer Brauerei-Verband (SBV) am Dienstag in einer Onlinemedienkonferenz vorstellte. Zwischen dem 1. Oktober 2019 und dem 30. September 2020 wurden in der Schweiz 34 Millionen Stangen Bier weniger getrunken als in der Vorjahresperiode, der Bierabsatz ging insgesamt um 2,2 Prozent zurück auf 4’636’905 Hektoliter Bier. Der Inlandausstoss aller Schweizer Brauereien sank sogar um 4,8 Prozent auf 3’510’726 hl (Vorjahr: 3’686’184 hl).

Wieder mehr Bier importiert

Regelrecht eingebrochen ist der Bierabsatz in der Gastronomie. Er sank um 23,1 Prozent auf einen Gesamtanteil von rund 30 Prozent. «Dieser Rückgang trifft namentlich Brauereien mit einem hohen Gastronomieanteil empfindlich», sagte SBV-Direktor Marcel Kreber. Mehr Bier verkauft wurde hingegen im Detailhandel (+7,6 Prozent), dessen Marktanteil damit auf 70 Prozent stieg.

Von den Mehrverkäufen in den Läden profitierten auch (günstigere) ausländische Importbiere, wie Kreber ausführte. So nahm der Import von ausländischem Bier zum ersten Mal seit sechs Jahren wieder zu, um 6,9 Prozent auf 1’126’179 hl (Vorjahr: 1’053’908 hl). Der Anteil der Bierimporte am Gesamtmarkt beträgt so neu 24,3 Prozent (Vorjahr: 22,2 Prozent).

«Einen zweiten Marathon würden wir kaum prestieren»

Nach einem «durchaus passablen» Start ins Braujahr habe der Lockdown die Branche im ungünstigsten Moment getroffen, sagte Kreber. April bis Juni seien  beim Bier die wichtigsten Monate. «Was man in diesen Monaten nicht absetzt, holt man nicht mehr auf.» Zwar sei im August sogar mehr Bier getrunken worden als im Vorjahresmonat, bereits im Oktober gab es aber wieder ein zweistelliges Minus, so Kreber.

Auch für November und Dezember sehe es unter anderem wegen den abgesagten Firmenessen nicht rosig aus. «Wir haben die Hälfte eines Marathonlaufs hinter uns und hoffen, dass alle Brauereien genügend Ressourcen haben, um den Winter zu überstehen», sagte Kreber. «Einen zweiten Marathon würden wir kaum prestieren.»

Dass es im nächsten Jahr zu einem grossen Nachholeffekt beim Bierkonsum kommt, etwa wegen der auf 2021 verschobenen Fussball-EM, glaubt Kreber eher nicht. Einerseits gehe der Trend generell hin zu weniger Alkoholkonsum, andererseits sei Bier ein soziales Getränk. Bis die Menschen wieder unbeschwert in einer «bierseligen» Runde zusammensässen, brauche es Zeit und Vertrauen. Das dauere noch ein Weilchen. «Ich glaube nicht, dass es im nächsten Sommer die grosse Party gibt.»

Alkoholfreies Bier wird immer beliebter

Als kleinen Lichtblick bezeichnet der Brauereiverband die Entwicklung beim alkoholfreien Bier: Dessen Absatz legte im Braujahr 2019/20 um 10,3 Prozent zu. Der Anteil der alkoholfreien Biere am Gesamtmarkt beträgt mittlerweile 4,2 Prozent – Tendenz weiterhin steigend.