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CafetierSuisse befürchtet 2021 ein Café-Sterben

Laut CafetierSuisse könnten 2021 viele Cafés schliessen. Wegen der Corona-Einschränkungen müssen diese hohe Einbussen verzeichnen.

von sda

Laut dem Verband CafetierSuisse könnten im kommenden Jahr viele Cafés dichtmachen. Würden die Einschränkungen wegen der Coronapandemie weitergehen wie bisher, sei mit einer Konkurswelle zu rechnen. Und um ihre Umsatzrückgänge auszugleichen, dürften die Cafés zudem ihre Preise deutlich erhöhen.

«Es muss ein Café-Sterben in der gesamten Schweiz befürchtet werden.» Dies sagte CafetierSuisse-Präsident Hans-Petter Oettli an der Online-Jahresmedienkonferenz des Verbands am Montag. Für viele Gastronomiebetriebe, gerade auch kleinere Cafés mit wenigen Sitzplätzen, sei die Situation durch die Einschränkungen wegen der Coronapandemie nach wie vor äusserst angespann. Dies sagte er und forderte die Politik zum Handeln auf.

Kurzarbeit «reicht nicht aus»

Massnahmen wie die Verlängerung der Kurzarbeitsentschädigung oder auch die Härtefallklausel würden zwar anerkannt, «sie reichen aber nicht aus». Er kritisierte unter anderem die Ablehnung des Geschäftsmietengesetzes im National- und Ständerat, die weitere Unsicherheiten für die Branche geschaffen habe. «Der Bundesrat und die Parlamentarier müssen sich bewusst sein, welche Folgen ihre Entscheide für unsere Branche haben», so Oettli.

Wie viele Betriebe eine private Einigung mit ihren Vermietern treffen konnten, sei nicht bekannt. CafetierSuisse-Geschäftsführer Julian Graf sagte allerdings, Erhebungen in der gesamten Gastronomiebranche hätten gezeigt, dass rund 40 Prozent der Unternehmer sich mit ihren Vermietern nicht auf eine Mietzinsreduktion einigen konnten.

Seien weitere Einschränkungen aus epidemiologischen Gründen nicht zu vermeiden, fordert der Verband schnelle Entschädigungszahlungen. «Es trifft nicht nur wirtschaftlich instabile Betriebe, sondern auch solche, die nachhaltig gewirtschaftet haben», betonte Oettli. Doch auch deren Rücklagen seien nun aufgebraucht und es drohe eine Konkurswelle, bei der auch 100’000 Arbeitsplätze auf dem Spiel stünden.

2020 gingen rund fünf Prozent der Cafés konkurs

Im aktuellen Jahr hielten sich die Auswirkungen der Coronakrise allerdings noch in Grenzen. Rund fünf Prozent der Mitglieder seien konkursbedingt aus dem Verband ausgetreten, sagte CafetierSuisse-Geschäftsführer Graf. Allerdings seien diese Konkurse aus verschiedenen Gründen erfolgt und nicht nur wegen Corona. «In der Gastronomie gibt es immer Konkurse», so Graf.

Allerdings kämen nun für viele Betriebe die entscheidenden Monate. Welche Betriebe die grösste Widerstandskraft gegen die Krise zeigen, kann man laut Oettli derzeit noch nicht festmachen. Eine Einschätzung sei erst im Frühjahr 2021 möglich, so der CafetierSuisse-Präsident. Allerdings habe sich nach dem ersten Lockdown im Frühling gezeigt, dass Cafés, die bei ihren Kunden sehr beliebt sind, sich am schnellsten wieder erholt haben und wieder volle Tische hatten, sagte Graf.

Gleichzeitig mit dem vermuteten Café-Sterben dürften laut dem Verband auch die Preise für eine Tasse Kaffee steigen. Sollten die Einschränkungen weiter anhalten, könnte ein Café crème im kommenden Jahr bis zu 10 Prozent mehr kosten als aktuell. Damit dürften die Cafés ihren Umsatzrückgang kompensieren, wie Oettli sagte.

Tasse Kaffee bereits 2020 drei Rappen teurer

Die Tasse Kaffee ist bereits 2020 um drei Rappen teurer geworden, wie eine Erhebung von CafetierSuisse zeigt. Durchschnittlich kostet eine Tasse Café crème derzeit 4,25 Franken. Dass der Preis angestiegen ist, hat aber laut Graf noch nichts mit der Krise zu tun, vielmehr sei es eine natürliche Schwankung. Letztes Jahr war der Preis pro Tasse erstmals seit Beginn der Erhebung um 3 Rappen gesunken, somit liegt der Preis 2020 wieder auf dem Niveau von vor zwei Jahren. Preiseffekte durch die Coronapandemie dürften sich hingegen erst im nächsten Jahr zeigen, so Graf.

Pro Tasse fallen laut Graf durchschnittlich etwas mehr als drei Viertel des Verkaufspreises für Löhne, Mieten und Materialkosten weg. Durchschnittlich etwa 10 Prozent werden für Beilagen wie Zucker oder Geschirr aufgewendet. «Die Anzahl verkaufter Kaffees muss sehr hoch sein, sonst hat das je nach Konzept schwerwiegende Folgen für einen Laden», so Graf.