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Chinas Wirtschaft wächst und Schweizer Export profitiert

Trotz der Belastungen durch die Corona-Pandemie ist Chinas Wirtschaft im Jahr 2020 deutlich gewachsen. Wie das Statistikamt in Peking am Montag mitteilte, wuchs die zweitgrösste Volkswirtschaft der Welt im letzten Jahr um 2,3 Prozent. Auch die Schweizer Exporte nach China erleben derzeit einen Boom.

von sda

(Bild: Sge)

China ist damit laut den vorläufigen Zahlen die einzige grosse Volkswirtschaft, die 2020 nicht geschrumpft ist. Das Wirtschaftswachstum war zwar das niedrigste seit über vier Jahrzehnten, überstieg aber die Erwartungen vieler Experten.

Laut der offiziellen Zahlen hatte die Wirtschaft Chinas zuletzt weiter Fahrt aufgenommen. Nach einem Plus von 4,9 Prozent im dritten Quartal, legte sie im vierten Quartal um 6,5 Prozent im Vorjahresvergleich zu.

Export-Boom

Die Experten von WPuls halten die offiziellen Zahlen zwar für übertrieben und gehen für das vierte Quartal nur von einem Wachstum von 3,6 Prozent im Vorjahresvergleich aus. Die Beratungsfirma des ehemaligen Chefökonomen der UBS, Klaus Wellershoff, stellt den offiziellen Zahlen jeweils eine eigene BIP-Schätzung gegenüber. Diese würden ein realistischeres Bild der Wirtschaftsdynamik wiedergeben, weil sie auf detaillierteren Produktionszahlen verschiedenster Industriesektoren beruhen, heisst es.

Das etwas tiefer eingeschätzte Wachstum ist laut WPuls das Resultat zweier sehr unterschiedlichen Entwicklungen: Einerseits boome die chinesische Industrie. Andererseits leide der Dienstleistungssektor stark unter dem harten Corona-Regime in China.

So habe die Industrieproduktion im November 7 Prozent über dem Vorjahr gelegen und die Exporte hätten ein neues Allzeithoch erreicht. China profitiere als “Werkbank der Welt” davon, dass Konsumenten rund um den Globus während der Pandemie mehr Geld für Produkte und dafür weniger für Dienstleistungen ausgeben würden.

Zwei Seiten der Medaille

“Der Boom in der chinesischen Industrie führt aber auch zu einer erhöhten Nachfrage nach Investitionsgütern aus Europa sowie nach Rohstoffen aus Schwellenländern”, schreiben die Experten von WPuls weiter. Damit stütze der chinesische Konjunkturmotor die derzeit wieder etwas anziehende Weltwirtschaft.

Die zweite Seite der Medaille zeige aber ein etwas anderes Bild: Die Rückkehr zur Normalität im Dienstleistungssektor lasse nämlich auch in China weiter auf sich warten: “Neuerliche Virenausbrüche und damit verbundene regionale Lockdowns machen deutlich, dass auch in China eine vollständige Rückkehr zur Normalität noch nicht stattgefunden hat – weder gesellschaftlich noch wirtschaftlich”, erklären die Experten von WPuls die im Gegensatz zu den offiziellen Zahlen tieferen Schätzungen.

Trend zeigt weiter nach oben

Im laufenden Jahr soll trotzdem weiter kräftig aufwärts gehen. So sagt der Internationale Währungsfonds für Chinas Wirtschaft ein Wachstum von 7,9 Prozent voraus. In den Jahren danach bis 2025 dürften sich die Wachstumsraten bei rund 5,5 Prozent einpendeln.

Neue Impulse werden durch den neuen Fünfjahresplan erwartet, der auf dem Volkskongress im März verabschiedet werden soll. Der Plan setzt dort an, wo China in den vergangenen Jahren die grössten Rückschläge hinnehmen musste. Der Handels- und Technologiekrieg der USA mit China hat die Abhängigkeit vom Ausland schmerzlich bewusst gemacht.

Schweizer Handel mit China auf Rekordhoch

Auch die Schweiz profitiert laut den Zahlen der Eidgenössischen Zollverwaltung (EZV) vom trotz Corona starken Wirtschaftswachstum Chinas: So seien etwa die Schweizer Exporte nach China auf einen neuen Höchststand geklettert, teilte die EZV Mitte Dezember mit. Konkret gingen im November 2020 Mehrexporte im Umfang von einer halben Milliarde Franken nach China, ein Plus von 45,1 Prozent gegenüber dem Vorjahresmonat.

Noch im Oktober wies die EVZ ein Minus von rund 21 Prozent gegenüber dem Oktober 2019 aus. Die Zahlen für das ganze Jahr 2020 folgen erst Ende Januar. Schon jetzt zeichne sich aber ab, dass vor allem die Sparten Chemie und Pharma sowie die Uhrenbranche ein hohes Nachfrageplus aufweisen dürften. Und auch generell sei beim Aussenhandel mit China sowohl bei Importen und Exporten eine Steigung gegenüber dem Vorjahr zu erwarten, heisst es auf Nachfrage der Nachrichtenagentur AWP.