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Der letzte Schrei: Superfood für Immungesundheit

von Guido Böhler

«Superfoods», wie Moringa.
«Superfoods», wie Moringa.

Die Superfood-Marketingstrategen haben im Zug der Corona-Pandemie eine neue Zielgruppe entdeckt: Sie werben für die Stärkung des Immunsystems. Eine ausgewogene Ernährung hat in der Tat Präventionseffekte. Und besonders betont sei die Empfehlung der Experten, dass auch genügend Schlaf und Bewegung für das Immunsystem wichtig seien sowie Vermeidung von Dauerstress, Nikotin und Alkohol. Durch Mangelernährung wird es ge­schwächt. Umgekehrt ist die Zufuhr von immunstimulierenden Nährstoffen sinnvoll zur Vorbeugung von Infektionen, so etwa Zink, Eisen, Selen und ABCDE-Vitamine. 

Auch die internationale Fachmesse für Lebensmittelzusätze «Fi Food Ingredients Europe» fokussierte auf Zutaten und Zu­satzstoffe für die Immun- sowie Darm­gesundheit, was physiologisch stark zusammenhängt. Schon lange propagierte Probiotika (aktive Kulturen) und Präbiotika (Nahrungsfasern) erleben in diesem Zusammenhang wieder Aufwind in Form von ­fermentierten Milchprodukten sowie faserreicher Rohkost, und sie expandieren in Lifestyleprodukte. Auch Knoblauch, Ingwer und Curcuma werden oft empfohlen dank sekundären Pflanzenstoffen, die als entzündungshemmend gelten.

Wenn bei angereicherten Produkten die Anreicherung nur Verarbeitungsverluste ausgleicht, kann man ihren Nährwert frischen gleichstellen. Wenn sie weit darüber hinausgeht, gelten die Lebensmittel eher als Nahrungsergänzungsmittel und es drohen Überdosisrisiken. Frische Lebensmittel bergen keine solchen Risiken und Konsumenten können meistens grosse Mengen eines einzelnen Lebensmittels essen ohne negative Folgen. Anders bei raffinierten und stark angereicherten. Hinzu kommt der Irrtum der Konsumenten, je mehr sie von Gesundprodukten essen desto gesünder würden sie. Die Werbung sollte dies seriöserweise nicht suggerieren.