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13 Kameras filmen die Fleischauslage

Mit dem Laptop vom Sofa aus in der Metzgerei Fleisch einkaufen, als stünde man selber im Laden vor der Theke und sich das Fleisch dann bequem nach Hause liefern liefern lassen?

von Anna Aznaour

Sébastien Losey (r.) und sein Sohn Romain bei der Eröffnung ihrer Metzgerei «La Bouche qui Rit» 2017.
Blick in den Reifeschrank.

Das ermöglicht der Waadtländer Metzgermeister Sébastien Losey seiner Kundschaft mit seiner Metzgerei «La Bouche qui rit». Für das innovative Verkaufskonzept wurde Losey  letzten November mit dem Kommunikationspreis des Schweizer Fleisch-Fachverbands (SFF) ausgezeichnet. Loseys Idee erwies sich als perfekte Antwort auf Corona und Lockdown, entstand aber bereits im Frühling 2019.  Der Grund: 2017 hatte er zusammen mit seiner Frau Fabienne seine eigene Metzgerei eröffnet – «La Bouche qui rit». Das Geschäft liegt in einer Fussgängerzone mitten in der Lausanner Innenstadt. Eigentlich eine gute Lage, aber nur schwer mit dem Auto zu erreichen. Um die Kundschaft trotzdem zu erreichen, lancierte Losey im November 2019 seinen digitalen Verkaufskanal, den die Kundschaft allerdings am Anfang total ignorierte. Aber dann kam Corona und der Lockdown – und die Leute stürzten sich auf das Online-Angebot, mit dem sie einkaufen konnten, ohne aus dem Haus zu gehen.

13 Kameras sind im Geschäft installiert und übertragen alle 15 Sekunden ein Bild der gesamten Fleischauslage auf die Website der Metzgerei. «Mit wenigen Klicks können unsere Kunden so in Echtzeit unser Angebot anschauen und das Gewünschte bestellen», sagt Sébastiens Sohn Romain, der an der Universität St. Gallen Wirtschaft und Kommunikation studiert. Ihr Ziel sei es aber nicht, nur noch übers Netz Fleisch zu verkaufen, betonen Sébastien und Romain Losey. Der Online-Verkaufskanal soll ihrer Metzgerei in erster Linie zu Sichtbarkeit im Netz und einem guten Ranking bei Google verhelfen – und so Leute ganz real in ihr Geschäft locken. 

Das Angebot in ihrer Metzgerei ist je nach Tag und Saison unterschiedlich. Unter der Woche kaufen die Leute eher fixfertige Fleischprodukte, am Wochenende hingegen nehmen sich die Konsumenten Zeit, ihr Fleisch selber zuzubereiten. Über Weihnachten und Neujahr steht Geflügel hoch im Kurs, im Januar und Februar sind es dann eher Fleischstücke, die sich fürs Pot-au-feu oder für einen deftigen Sauerkraut-Teller eignen. An Ostern gehen Lamm und Gitzi über die Theke, bevor dann im Sommer das Grillfleisch zum Verkaufsschlager wird. Im Herbst bieten die Loseys Reh, Hirsch und Wildschwein aus der freien Wildbahn aus Tschechien an. «Der Geschmack ist ganz anders als bei Wild aus Zuchten.» Das beste Fleisch? Japanisches Kobe-Rindfleisch, sagt Losey und betont, dass er vor allem Schweizer Fleisch verkaufe. Importe seien aber nötig, weil die Nachfrage nach Edelstücken grösser sei als das heimische Angebot.