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Kommt nach dem Nutri-Score der Eco-Score?

Die «Öko-Ampel» Eco-Score soll den Konsumenten in Frankreichs Supermärkten künftig auf einen Blick den ökologischen Fussabdruck eines Lebensmittels zeigen. In der Schweiz gibt es schon seit längerem einen Eco-Score.

von mos

Der französische Eco-Score orientiert sich am Nutri-Score. (Bild zvg)
Der Eaternity Score weist die Umweltbelastung detaillierter aus. (Bild Eeaternity/zvg)

Der Eco-Score sieht fast gleich aus wie der Nutri-Score, zeigt aber nicht das Nährwertprofil eines Lebensmittels, sondern dessen ökologischen Fussabdruck: Ein Produkt mit dem geringsten Umwelteinfluss erhält auf der fünstufigen Skala ein dunkelgrünes «A», das mit dem grössten Umwelteinfluss ein rotes «E». Die Buchstaben stehen dabei in einem stilisierten Blatt. Acht französische Verbände und Konsumenteninitiativen haben den Eco-Score am 7. Januar offiziell lanciert, darunter die Konsumentenapps Yuka, Open Food Facts und Etiquettable.

Das Mitmach-Internetportal «Open Food Facts» hat nach eigenen Angaben bereits den Eco-Score für 240’000 in Frankreich verkaufte Produkte berechnet. Um den Eco-Score zu erfahren, muss man die Produkte mit der App von Open Food Facts scannen. «Wir hoffen, dass der Eco-Score, wie der Nutri-Score, bald auch auf Produktverpackungen erscheinen wird», schreibt Open Food Facts in einer Mitteilung zur Lancierung des Eco-Score. Der Fertiggerichtehersteller Seazon sowie der Bio-Onlineshop La Fourche gehören zu den ersten, die den Eco-Score bereits auf gewissen Produkten verwenden.

Grundlage ist Lebenszyklusanalyse

Die Berechnung des Eco-Score beruht auf den Lebenszyklusanalysen für 2500 Produktkategorien, die die staatliche Agentur für ökologischen Wandel (Ademe) zusammen mit dem nationalen Forschungsinstitut für Landwirtschaft, Nahrungsmittel und Umwelt (Inrae) in der Datenbank Agribalyse zugänglich gemacht hat. Zusätzlich werden für jedes einzelne Produkt Bonus- und Maluspunkte vergeben. Dabei werden etwa das Herkunftsland der Zutaten, Labels wie Bio oder Demeter, Einflüsse auf die Biodiversität (Abholzung, Überfischung), die Recyclingfähigkeit der Verpackung oder die Saisonalität des Lebensmittels berücksichtigt.

Dass Lebenszyklusanalysen als Basis verwendet werden, sorgte für Kritik. Lebenszyklusanalysen würden Produkte aus intensiver Landwirtschaft bevorzugen, lautete etwa ein Vorwurf. Das Bonus/Malus-System gleiche diesen Mangel aus und bewerte lokale Bioprodukte höher, versichern die Initianten. «Rindfleisch aus französischer Weidehaltung schneidet immer besser ab als Fleisch von brasilianischen Kühen, die nie eine Weide gesehen haben», sagte etwa Shafik Asal, Co-Gründer von Etiquettable.

Importierte Lebensmittel schneidn beim Eco-Score nicht zwingend schlechter ab als lokal produzierte. Der Transport mache nämlich nur rund 5 bis 30 Prozent der Umweltbelastung eines Produkts aus, heisst es etwa auf der Website von Etiquettable. «So kann eine per Schiff transportierte Banane aus Guadeloupe einen besseren Eco-Score haben als eine französische Tomate, die im Winter in einem geheizten Treibhaus produziert wurde.»

Zwei Systeme in der Schweiz

Ein ähnliches System wie den französischen Eco-Score gibt es in der Schweiz schon seit mehreren Jahren: den Eco-Score der Lausanner Firma Beelong. Der Beelong-Ecoscore bewertet den Umwelteinfluss der Lebensmittel basierend auf fünf Hauptkriterien: Herkunft der Lebensmittel, Saison, Produktionsweise, Einfluss auf Klima und Ressourcen und Verarbeitung (inklusive Verpackung). Das Resultat wird wie beim Nutri-Score auf einer fünfstufigen Farbskala von grünem A bis rotem E abgebildet.

Das Resultat wird auf einer fünfstufigen Farbskala von grünem A bis rotem E abgebildet, der Beelong-Ecoscore orientiert sich also wie  der französische Eco-Score optisch am Nutri-Score. Bei der Berechnung unterscheidet sich jedoch der Beelong-Ecoscore in einigen Punkten vom fran- zösischen Eco-Score. So bewertet etwa Beelong die Umweltbelastung eines Produkts im Verhältnis zur Energie in kcal, die es beim Essen liefert. So kann der ökologische Fussabdruck eines Produkts mit seinem ernährungsphysiologischen Nutzen in Beziehung gesetzt werden.

Man hoffe, dass die beiden Ecoscores trotz Unterschiede in der Berechnung für das selbe Produkt vergleichbare Resultate lieferten, sagt dazu Charlotte de La Baume von Beelong. «Sonst wäre das für die Konsumenten verwirrlich.» Für einen Vergleich sei es aber noch zu früh.

Entwickelt wurde der Beelong-Score für die Gastronomie, wo er heute noch hauptsächlich verwendet wird. Firmen wie der Convenience-Hersteller Hero oder der Tiefkühlspezialist Ditzler verwenden den Ecoscore bereits für ihre Gastroprodukte. Ausgewiesen wird er etwa in den Katalogen von Grosshändlern wie Saviva, manche Hersteller drucken ihn auch auf die Verpackungen ihrer Gastroprodukte. Im Detailhandel gibt es erst einige wenige Produkte, die den Eco-Score tragen.

Der Eaternity Score zeigt verschiedene Dimensionen der Umweltbelastung

Einen anderen Ansatz verfolgt das Zürcher Unternehmen Eaternity. Auch es berechnet den Umweltfussabdruck von Lebensmitteln, gibt das Resultat aber nicht mit einem farbigen Buchstaben wieder, sondern schlüsselt die Umweltbelastung im sogenannten Eaternity Score detaillierter auf. Das Label bewertet Klimabelastung, den Wasserknappheits-Fussabdruck, Tierwohl und Regenwaldabholzung mit einem Drei-Sterne-System und macht ausserdem detaillierte Angaben zu Wasserverbrauch und CO2-Ausstoss. Zu den ersten Kunden, die den Eaternity Score verwenden, gehört der deutsche Hersteller veganer Lebensmittel Veganz.