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Insekten als Futtermittel der Zukunft

Die industrielle Zucht von Insekten als Tierfutter könnte einen Beitrag dazu leisten, zukünftig die Welt zu ernähren. Bühler Insect Technology Solutions (BITS) und Alfa Laval arbeiten für die Extraktion von Proteinen und Lipiden aus Insekten zusammen.

von pd

Die heutige Fleischproduktion ist aus energetischer Sicht ineffizient: Im Schnitt werden vier Kilogramm pflanzliche Proteine benötigt, um ein Kilogramm tierisches Eiweiss zu erzeugen. Dazu kommt, dass riesige Mengen an Soja, die als Viehfutter benötigt werden, die Abholzung von Wäldern vorantreiben.
Hier kommen Insektenverarbeitungssysteme als mögliche Lösung ins Spiel. Während Insekten bereits heute als Futter für Geflügel und Fische eingesetzt werden, ist die Insektenzucht eine relativ neue Idee. Bisher fanden die meisten Versuche rein experimentell und im kleinen Massstab statt. Das änderte sich vor Kurzem mit der Gründung von Bühler Insect Technology Solutions (BITS).
Für BITS war von Anfang an klar, dass die grossen Vorteile für die Ernährungssicherheit und Umwelt vor allem in Veränderungen bei der Ernährung der Nutztiere liegen: Für ein Kilogramm Insektenprotein sind zwei Kilogramm Futter nötig. Um die gleiche Menge tierisches Eiweiss mit Rindern zu erzeugen, sind dagegen 20 kg Futter erforderlich. Zudem benötigt die Produktion eines Kilogramms Insektenprotein nur einen Quadratmeter nicht landwirtschaftlich nutzbarer Fläche. Damit hat die industrielle Insektenzucht das Potenzial, grosse Flächen Land freizugeben, die derzeit für den Futtermittelanbau verwendet werden.
Als Futterquelle für die Insekten können organische Nahrungsabfälle dienen, die bisher weggeworfen oder verbrannt werden. Die Insekten gewinnen hieraus Proteine und kombinieren sie neu. Anschliessend gelangen diese Proteine als Futter oder Düngemittel wieder in den Nahrungskreislauf.
Alfa Laval liefert Verfahrenslösungen
Die Kombination aus Fachwissen über die Aufzucht von Insekten einerseits und Erfahrung in der Lebensmittel- und Futterverarbeitungstechnologie andererseits ermöglicht, eine industrielle Insektenzucht und -rohstoffverarbeitung zu entwickeln. Bühler suchte nach neuen Partnern, um seinen Betrieb mit modernen Technologien für Wärmeübertragung und Flüssigkeitsabscheidung zu erweitern. Alfa Laval hatte seinerseits bereits Kunden mit Verarbeitungstechnologien unterstützt und wollte das Angebot auf dem wachsenden Markt der Insektenverarbeitung verstärken. Dieser Prozess beginnt bei BITS mit dem Waschen, Zerlegen und Trocknen der Insekten. Über Extraktion beziehungsweise Zermahlen werden Fette und Öle sowie Proteinmehl gewonnen. Andreas Aepli, CEO von BITS, betont: „Entscheidend für eine gleichbleibende Qualität ist die technologische Standardisierung. Eine sichere und effiziente Insektenzucht erfordert eine sorgfältige Klimakontrolle und biologisch sichere Umgebungen – was in dieser Grössenordnung nicht einfach zu erreichen ist.”
Die industrielle Produktion hat begonnen
Mit seinem umfangreichen Portfolio konnte Alfa Laval zahlreiche Komponenten und Systeme entlang der Prozesskette einbringen. Im ersten Schritt werden die Larven zur besseren Verarbeitbarkeit vorgeschnitten. Anschliessend erfolgt eine Erhitzung durch direkte Dampfinjektion oder mittels eines Wärmetauschers, der Dampf als Heizmedium einsetzt. Ein speziell für die Insektenverarbeitung optimierter Drei-Phasen-Dekanter trennt nun das erhitzte Rohmaterial in Feststoff, Leimwasser und Lipide auf. Die Lipidfraktion wird in einem High-Speed-Separator gereinigt, während das Leimwasser mittels Verdampfung aufkonzentriert wird, um weitere Proteine zu gewinnen. Abschliessend werden das Konzentrat sowie die Feststoffphase aus dem Dekanter getrocknet. Die skizzierte Nassverarbeitung ermöglicht dabei deutlich hochwertigere Endprodukte bei gleichzeitig geringerem Energiebedarf als die Trockenverarbeitung.
Insektenverarbeitung auf einem neuen Level
Nach einer Pilotphase startete 2018 die Produktion im industriellen Massstab bei einem niederländischen Kunden. Weitere Standorte sind in der Entwicklung. Gemeinsam können BITS und Alfa Laval nun sowohl Lösungen für spezifische Aufgaben wie die Extraktion von Proteinen und Lipiden als auch komplette Anlagen einschliesslich Insektenzucht und -verarbeitung anbieten. Alfa Laval stellt den Nassverarbeitungsteil zur Verfügung, von einzelnen Komponenten und Modulen bis hin zur schlüsselfertigen Verarbeitungslinie. Die Produktionskapazitäten können dabei flexibel erweitert werden.
*Autor: Paul Connolly