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«Die Käseexporte liefen extrem gut»

Emmi-CEO Urs Riedener zu neuen Verkaufskanälen in der Pandemie, zum erfolgreichen Export in die EU und zu veganen Produkten.

von wy

Emmi konnte in der Pandemie neue Chancen ergreifen und neue Absatzkanäle finden. Welche waren das?
Wir konnten vor allem in den USA von neuen Belieferungsplattformen profitieren, beispielsweise von Imperfect Food, wo fehlerhafte Produkte verkauft werden. Dort konnten wir Produkte verkaufen, für die es im Food-Service keinen Absatz mehr gab. Daraus hat sich rasch ein Mehrmillionen-Geschäft entwickelt, auch mit regulären Artikeln. Wir haben auch eine neue Partnerschaft mit einem Pizza-Unternehmen, das wir mit einer Käsemischung für ein Flatbread beliefern konnten. Emmi Roth USA erzielt über 30 Prozent des Umsatzes im Food Service, hat es aber geschafft, diese 30 Prozent nicht zu verlieren, sondern den Umsatz über neue Kanäle zu kompensieren. 
Emmi war in Italien sehr früh von Corona betroffen. Was konnten Sie dort lernen? 
Wir mussten früh erste Pläne machen: Was ist, wenn 5, 10 oder 20 Prozent der Mitarbeitenden nicht mehr arbeiten? Wenn Verpackung fehlt, die Milchlieferungen zurückgehen? Man wusste ja am Anfang nicht, ob alle Fabriken betrieben werden können. Wichtig ist, dass die Mitarbeitenden sich sicher fühlen am Arbeitsplatz. Da haben wir sehr viel investiert in Distanz, Masken, zum Teil in Temperaturmessung, Plexiglas oder Desinfektion. Aus Italien konnten wir das Beste nehmen und in den anderen Ländergesellschaften anwenden. Vieles davon haben wir zum Glück nicht gebraucht, aber es hat den Mindset für solche Situationen geschärft. 
Sie haben die 4,4 Prozent Wachstum in Europa als «die positivste Überraschung» bezeichnet. Überraschung über die gut laufenden Käseexporte? 
In Europa haben wir am wenigsten Food-Service-Anteil, der Retail ist dort stärker als in der Schweiz oder den USA, das hat geholfen. Aber ja, die Käseexporte liefen extrem gut, insbesondere auch der Premium-Bereich etwa mit Kaltbach. Aber auch mit Caffè Latte konnten wir in Europa wachsen. Desserts, Bioprodukte und die Marke Onken in England wuchsen sogar über diesen 4,4 Prozent. Wir haben uns früh in den richtigen Segmenten positioniert, um auch während der Corona-Pandemie einen Schub zu erhalten.
Was sind Ihre Erwartungen für den Käseexport im 2021?  
Da bin ich etwas vorsichtig. Wir hatten ein gutes Exportjahr, auch wenn wir wegen des Milchpreises und der Wechselkurseinflüsse Preise erhöhen mussten. Ich bin nicht sicher, ob wir 2021 wachsen können im Export – Halten wäre ein gutes Ergebnis. Mögliches Wachstum sehe ich mit Le Gruyère und mit der Kaltbach-Linie. 
Und in der Schweiz kommt der Preisdruck zurück? 
Ja. Der Preisdruck ist 2020 etwas in den Hintergrund gerückt, weil alle Detailhändler wachsen konnten und es darum ging, Belieferung und Qualität sicherzustellen. 2021 wird der Detailhandel wieder schrumpfen, und der Preiskampf geht wieder los. 
Emmi ist ein grosser Player und kann hier auch dagegenhalten.
Es ist immer auch die Frage, was unsere Konkurrenten machen. Manche sind wirtschaftlich leider in einer Position, in der sie jedes Spiel auf der Preisseite mitmachen müssen. Das wird sich fortsetzen. Wir können aber bei jeder Offerte selber entscheiden, ob wir das Geschäft machen wollen.  
Wie läuft die vegane Linie Beleaf?
Die ist gut gestartet, wir werden in Kürze das Sortiment noch ausweiten, hauptsächlich im Schweizer Markt, übrigens mit Schweizer Hafer als Rohstoff. Der Konsument entscheidet, ob er es mag oder nicht. In den nächsten Wochen steigt eine wichtige ausländische Marke mit Haferprodukten in den Schweizer Markt ein. Wir tun gut daran, eine Schweiz Antworten darauf zu haben.