Datum: Branche:

Die Konservendose glänzt in der Krise

Lange haltbar, schnell zubereitet: Die gute alte Konservendose hat im Corona-Jahr 2020 ein Comeback erlebt. Dazu beigetragen hat auch eine Rekord-Gemüseernte.

von mos

200 Jahre hat die Konservendose bereits auf dem Buckel – und ein etwas angestaubtes Grosi-Image. Doch trotz dem massiven Trend zu Frische und Ultra-Frische scheint die Zeit des Convenience-Klassikers aus Weissblech nicht abgelaufen zu sein. «Es gibt nach wie vor eine Kundschaft von jung bis alt, die an der Konservendose festhält», sagt Dragan Leiler, Leiter Haltbarmachung beim Convenience-Hersteller Hilcona. Und Corona habe der Konserve neuen Schub verliehen.
Die Bell-Tochter Hilcona ist heute der einzige verbliebene Hersteller von Konservengemüse in der Schweiz und Liechtenstein. Im liechtensteinischen Schaan produziert Hilcona für den Schweizer Detailhandel und die Gastronomie unter anderem Gemüsekonserven, Dosenravioli und Fertigrösti im Beutel. 20 bis 24 Millionen Gemüsekonserven verlassen die Fabrik im Schnitt jedes Jahr – letztes Jahr waren es 29 Millionen, ein Plus von rund 30 Prozent.
Schnell zubereitet im Homeoffice
Dazu beigetragen hat laut Hilcona einerseits die «beste Gemüsesaison aller Zeiten» mit einer Rekordernte (siehe Kasten). «Es wurden aber auch deutlich mehr Konserven nachgefragt als in anderen Jahren», sagt Dragan Leiler. Zwar habe es im Gastrogeschäft einen leichten Rückgang gegeben, dafür hätten sich in den Supermärkten viele Konsumentinnen und Konsumenten mit Gemüsekonserven und Raviolibüchsen eingedeckt. Der Grund? «Die lange Haltbarkeit und der hohe Convenience-Faktor», sagt Leiler.
«Eine Konserve kann man in den Keller stellen und muss sich keine Gedanken über das Ablaufdatum machen», verdeutlicht Leiler, der seit 30 Jahren in der Konservenproduktion tätig ist. Eine Mindesthaltbarkeit von zwei Jahren sei garantiert, er habe aber auch schon fünf bis sieben Jahre alte Konserven verkostet. «Die Farbe war nicht mehr so schön, aber essen konnte man das Produkt noch bedenkenlos.»
Ausserdem lasse sich eine Konserve schnell und leicht zubereiten. Das sei bei vielen Leuten gefragt gewesen, die im Homeoffice nicht viel Zeit zum Kochen gehabt hätten. Falls gewünscht, liessen sich Konserven aber auch leicht aufpeppen, etwa mit frischem Gemüse, oder indem man das Produkt gratiniere. Der Verkaufsschlager sind übrigens laut Leiler seit Jahrzehnten die Büchsenerbsen in allen Variationen, gefolgt von den Dosenravioli.
Auf den Geschmack gekommen
Hält das Comeback der Konservendose auch nach der Pandemie an? «Das letzte Jahr war sicher ein Ausreisser nach oben», sagt Dragan Leiler. Er glaube aber davon, dass man eine Menge von jährlich 23 bis 24 Millionen Konservendosen nicht nur halten, sondern in den nächsten Jahren sogar leicht steigern könne. «Wegen Corona sind Menschen auf die Konserve gekommen, die vorher keine Konserven konsumiert haben – die sind jetzt vielleicht auf den Geschmack gekommen.»