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Swiss Agro Forum: Viel Arbeit – viel Erfolg

Am 10. Swiss Agro Forum zeigten die Chefs von Victorinox, Micarna oder Denner ihre Vison von Führungsaufgaben und wie man damit erfolgreich ist. Wichtig sei, dass kommuniziert werde – auch in Krisen.

von hps

Albert Baumann.
Carl Elsener von Victorinox.
Daniel Koch.
Mario Irminger, Denner-Chef.
Das zehnte Swiss Agro Forum fand als Hybridveranstaltung – on site – und online – statt. Der Anlass stand unter dem Motto: «Unternehmenskultur stärken: Erfolgreiche Führungsansätze». Wie immer standen ausschliesslich CEOs auf dem Referentenprogramm. Den Anfang machte Carl Elsener, Chef von Victorinox und Urenkel des Unternehmensgründers. Für die Führung von Victorinox habe in den 137 Jahren des Unternehmens immer der Grundsatz gegolten, dass in wirtschaftlich guten Zeiten Reserven gebildet werden müssen, um die schlechten Zeiten zu überstehen, sagte Elsener. Man könne nicht in schwierigen Zeiten Leute entlassen. Reserven hätten dem Unternehmen auch erlaubt, Übernahmen zu tätigen und international zu expandieren. Heute ist das Schweizer Kreuz von Victorinox in weltweit 120 Ländern geschützt, die Messer gehören zur Ausrüstung der US-Army und auch der Weltraumbehörde Nasa. Das Unternehmen produziert mit 2100 Mitarbeitern in 13 Länderniederlassungen jährlich über 30 Millionen Messer. Innovation sei ein Grundsatz des Unternehmens, man müsse immer wieder überlegen, was den Kunden begeistern könne, sagte Elsener. Deshalb zählen zu den Produkten von Victorinox auch Uhren und Reisegepäck-Accessoires. Victorinox erzielt im Schnitt 35 Prozent des Umsatzes mit Taschenmessern, dieser Anteil sank aber im letzten Jahr, weil die Touristen fehlten, welche Taschenmesser kaufen. Dafür habe man aber mehr Arbeits- und Haushaltsmesser verkaufen können, sagte Elsener, weil im Home Office vermehrt selber gekocht wurde. Victorinox-Messer würden übrigens auch in amerikanischen oder in australischen Zerlegereien verwendet, sagte Elsener.
Grosse Leistung in der Zerlegerei
Victorinox-Messer würden auch in Schweizer Metzgereien gut schneiden, rühmte Albert Baumann. Wenn jemand jeden Tag in der Zerlegerei stehe, sei das eine grosse Leistung, so der bald abtretende CEO vom Migros-Fleischverarbeiter Micarna. Man müsse den Leuten den Sinn der Arbeit erklären können, damit ein Teamgeist entstehe. Zum Beispiel, wieviel «Abfall» jährlich entstehe, wenn ein Metzger täglich auch nur einen halben Zentimeter zu viel abschneide, so Baumann. Man müsse die Stärken der einzelnen Mitarbeiter erkennen, so könne man auch die einzelnen Arbeitsteams formen und damit die besten Leistungen erzielen.
Mit weniger Leuten mehr geleistet
Für ihn sei es aber klar, dass die Führungscrew täglich als Vorbild vorangehen müsse. Vorangehen und vorzeigen heisse auch, dass viel kommuniziert werden müsse. Das sei oft eine Herausforderung, würde Micarna doch Leute aus 69 Nationen beschäftigen. Gerade während der Pandemie sei enorm viel von der Belegschaft geleistet worden. So habe man während der Krise zum Beispiel mit 15 Prozent weniger Leuten 10 Prozent mehr produziert, sagte Baumann.  Das habe aber auch mit den veränderten Konsumentenbedürfnissen zu tun gehabt, sagte Baumann. So sei ein von Hand umwickeltes Cipollata während des Lockdowns weniger stark nachgefragt worden als einen Cervelat. Die Leute unten in der Zerlegerei hätten immer gearbeitet, auch wenn die Büros oben in der Firma leer gewesen seien, sagte Baumann. 
Viel gearbeitet wurde auch beim Detailhändler Denner. «Ab Tag eins des Lockdowns blieben unsere Filialen offen», sagte Denner-CEO Mario Irminger. Auch für ihn bedeute Führungsarbeit Kommunikation – und zwar mit allen. Dazu habe man eine App eingeführt, den sogenannten «Beekeeper». Diese werde rege benützt und man habe während der Krise immer mit der ganzen Belegschaft kommunizieren können.
Burnouts im BAG
Der richtige Kommunikationsstil war auch für «Mr. Corona» Daniel Koch ein Thema. Er würde im Rückblick versuchen, positiver zu kommunizieren, sagte er. Man habe zuerst zu negativ von den Masken gesprochen. Man habe viel gearbeitet im Bundesamt für Gesundheit (BAG), weil das Krisenteam ja selbstverständlich nicht im Homeoffice gearbeitet habe. Ausserdem hätten die Sitzungen mit dem Bundesrat oft spät am Abend stattgefunden und man habe viele Diskussionen über die richtige Strategie gehabt. Am Schluss habe aber nicht das Amt, sondern immer der Bundesrat entschieden, sagte Koch. Im BAG habe es ausserdem auch Menschen gegeben, welche dem ganzen Stress nicht gewachsen gewesen wären. Da sei es zu Burnout-Fällen gekommen.
Das Virus werde nicht einfach verschwinden, es werde wieder Ausbrüche geben, aber sicher im kleineren Ausmass, sagte Koch. Man wisse zwar noch nicht, wie sich das Virus weiterentwickeln werde, doch gehe er nicht davon aus, dass sich die Bevölkerung jetzt jedes halbe Jahr impfen lassen müsse. Jedoch könne es in Zukunft vermehrt Pandemien geben, befürchtete er – das Potenzial sei vorhanden. Denn es habe in der Menschheitsgeschichte noch nie so viele Menschen gegeben und gleichzeitig so viele landwirtschaftliche Nutztiere: «Aus der Sicht eines Krankheitserregers ist diese «Monokultur» die beste Voraussetzung – ein riesiger Kuchen».