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Nachhaltige Futtermittel für die Schweiz

Die Schweiz importiert praktisch nur Soja aus nachhaltigem Anbau. Das Soja Netzwerk Schweiz will seine Erfahrungen nutzen und das Schaffen auf weitere Futtermittel ausdehnen.

von Jonas Ingold/lid

Beim Soja stammen schon praktisch alle Importe aus zertifiziertem Anbau, über die Hälfte aus Europa. Nun sollen weitere Futtermittel folgen. (Bild lid/mr)
Vor gut 10 Jahren beschloss in der Schweiz die Wertschöpfungskette, auf nachhaltig produzierte Soja zu setzen. Das Soja Netzwerk Schweiz, in dem neben Handel und Landwirtschaft auch NGO vertreten sind, arbeitete erfolgreich, wie letztes Jahr eine Studie der Hochschule HAFL aufzeigte.
Branche übernimmt Mehrkosten
Bisher auf Soja fokussiert, will sich das Netzwerk nun öffnen. Die Verantwortung soll auf weitere Futtermittelkomponenten ausgedehnt werden, beschlossen die Mitglieder kürzlich. Konkret sollen Futterweizen, -gerste und -hafer bereits ab der Ernte 2021 nur noch erlaubt sein, wenn der Anbau ohne Abreifebeschleunigung durch Glyphosat geschieht. Dieses Sikkation genannte Verfahren ist in der Schweiz verboten. Zudem müssen Bruchreis ab 2022 sowie Maiskleber und Dextrose ab 2024 aus zertifiziertem Anbau stammen. Die Mehrkosten dafür trägt die Wertschöpfungskette. Wie viel höher die Kosten ausfallen, ist schwierig abschätzbar. «Bezüglich Mehrkosten ist und bleibt entscheidend: kurzfristige Angebots- und Nachfrageentwicklungen resp. -schocks und die Sicherung der GVO-Freiheit treiben primär die Futtermittelpreise», sagt Geschäftsführer Stefan Kausch und verweist auf aktuelle Preissteigerungen bei Soja. 
Es geht um 400’000 Tonnen
Beim Bruchreis sowie Maiskleber und Dextrose erfüllen die Importe aktuell die neuen Anforderungen noch nicht. Nicht bekannt ist, wie viel Futterweizen, -gerste und -hafer bereits aktuell die künftig verlangten Bedingungen erfüllen. Das ändert sich jedoch: Anfang nächstes Jahr würden erstmals auch die neuen Futtermittelkomponenten einem Monitoring unterzogen, so Kausch.
Von den neu integrierten Futtermitteln wurden 2019 etwas über 400’000 Tonnen in die Schweiz eingeführt. Zum Vergleich: Die Soja-Importe liegen jährlich bei rund 280’000 Tonnen.
Weitere Futtermittel sollen folgen
Das Soja Netzwerk hat diese fünf Komponenten aufgrund ihres Risikopotenzials – dazu gehören unter anderem das Abholzungsrisiko, der Einsatz von Pestiziden, soziale Kriterien und die GVO-Freiheit – dem verhältnismässig hohen Importvolumen sowie der Praxistauglichkeit ausgewählt. Denn ohne vorhandene Standards, einer genügenden Verfügbarkeit und kooperativen Lieferanten, ist das Unterfangen kaum durchführbar. Der Ausbau ist damit für das Soja Netzwerk noch nicht abgeschlossen. Kontinuierlich sollen weitere Futtermittelkomponenten nachhaltig beschafft werden. «Wir gehen dabei pragmatisch vor. Wir konzentrieren uns zunächst auf die Umsetzung der beschlossenen Massnahmen und werden im Laufe des nächsten Jahres entscheiden, welche weiteren Futtermittelkomponenten wir angehen wollen», sagt Geschäftsführer Kausch dazu.