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Exportieren nach Russland: Kompliziert, aber vielversprechend

Mit 146 Millionen Einwohnern ist Russland ein interessanter Markt für Lebensmittel. Einfach zu betreten ist er aber nicht.

von hps

Schweizer Käse von Margot Fromages SA an der im April in Moskau durchgeführten Prodexpo. (Bild: zVg Margot SA)
Er ist gross und vielversprechend, der russische Markt, und: «Russland liebt Schokolade», sagte Denis Vlasenko, Russland-Direktor beim Waffelhersteller Kägi & Söhne AG aus Lichtensteig. Er, der vorher für Schokoladehersteller wie Lindt und Ferrero arbeitete, stieg erst vor zwei Jahren in die Firma aus dem Toggenburg ein, mit dem klaren Ziel, den russischen Markt zu erobern. Dazu gebe es drei Möglichkeiten: Mit einem Importeur oder Distributor zu arbeiten, direkt an den Detailhandel zu liefern, oder die Produkte über E-Commerce zu verkaufen. Grundsätzlich müssten natürlich die elementaren Dinge stimmen, sagte Vlasenko am Webinar vom 13. April, das von Switzerland Global Enterprise (SGE) organisiert wurde. Dazu gehören Labortests, Konformitätserklärungen oder die Etikettierung mit Mindesthaltbarkeitsdatum. Gerade in Russland gebe es Kunden, die verschiedene Mindesthaltbarkeitsdaten wollten.
Auch Urs Furrer, Direktor der Branchenverbände Chocosuisse und Biscosuisse, zeigte auf, dass Russland für Schweizer Schokoladeexporteure wichtiger wird. Bisher liegt Russland auf Platz 20 der wichtigsten Exportmärkte für die Schweiz. Laut Furrer ist Russland bei den Dauerbackwaren vom Platz 42 im Jahr 2019 auf Platz 29 im letzten Jahr vorgestossen. 
In Russland kämfpft die Branche aber auch gegen Fälschungen. Furrer erwähnte ein Beispiel einer Schokoladetafel namens «Swiss original», die in Russland produziert werde. Gefälscht sei auch die Herkunft der «Maestro Swiss», einer Haselnuss Schoko-Waffel, die im russischen Markt vertrieben, aber in Thailand produziert werde. Furrer verwies bei dieser Gelegenheit auf die Plattform «Swissness enforcement», das den Unternehmen im Kampf gegen Missbrauch Hilfe bietet.
Stetige Änderungen
Die russischen Regulationen hinsichtlich Produkteauszeichnungen ändern sich ständig, wie Furrer erklärte. Unternehmen müssten deshalb jeweils vor einem Export prüfen, was gelte. Die Anforderungen für Schokolade made in Switzerland blieben hoch.
Das bestätigte auch Alena Soboleva-Danel vom Swiss Business Hub in Moskau. Es fange schon mit den Zollpapieren an, die korrekt ausgefüllt werden müssten. Jede Lieferung müsse zuerst gründlich geprüft werden – «das spart Zeit und Geld», so Soboleva-Danel.
Grösster Schweizer Käseexporteur nach Russland
Bei Fleisch- und Milchprodukten ist das russische Veterinär- und Lebensmittelinspektorat Rosselkhoznadozor für die Kontrollen zuständig. Mit diesem Amt hat auch Anthony Margot, Chef von Margot-Fromages SA zu tun. Die Art und Weise, wie die Inspektoren die Lebensmittelbetriebe oft kontrollieren würden, müsse als reine Schikane bezeichnet werden, sagt Margot. Er kennt den russischen Markt seit Jahrzehnten – seinen ersten Camion habe er schon im Jahr 1995 nach Russland geschickt, damals noch unter dem Regime der Käseunion. Doch die Lieferung sei ein Alptraum gewesen, erinnert sich der Käseaffineur aus Yverdon-les-Bains, mit endlosen Formalitäten an der Grenze. Heute ist er mit ungefähr 500 Tonnen, vornehmlich Gruyère AOP-Käse, der grösste Schweizer Käseexporteur, der nach Russland liefert. Er arbeitet mit seinem Distributor, der Remma Trade, zusammen.
Teurer Gruyère in Moskau
Es sei schwierig nach Russland zu exportieren, dennoch sei es ein gutes Geschäft, sagt Margot. Denn verkauft wird der Gruyère AOP in den Luxuswarenhäusern, etwa im «Gum», wo sich die Preise zwischen 30 und 100 Franken pro Kilogramm bewegen. Die negativen Seiten mit den Kontrollen verheimlicht Margot nicht. So müsse zum Beispiel der Käse im Labor auch auf Radioaktivität oder Schwermetalle geprüft werden. «Die Nuklear-Analyse», so Margot lachend. Die seien teuer, aber gefunden habe man noch nie etwas. 500 Franken koste die Laboranalyse einer LKW-Ladung. «Unsinnig» findet Margot, besonders wenn man wisse, dass der russische Partner in Russland Käse aus anderen Quellen ohne diese Analysen kaufe. Die russischen Behörden gehen auch willkürlich vor. So habe er einmal einen Lieferstopp für vier Monate aufgebrummt erhalten, obwohl schlecht ausgefallenen Käseproben seinen Käse gar nicht betroffen hätten. Die Resultate seien einfach von anderem Schweizer Käse auch auf seinen Käse übertragen worden.
Trotz Schikanen setzt Margot auf den russischen Markt. Auch wenn er befürchtet, dass die EU-Sanktionen, die 2014 verhängt wurden, bald wegfallen könnten. Dann würde der russische Käsemarkt von billigem holländischem und deutschem Käse überschwemmt werden, ist er überzeugt. Ist er ein Profiteur des EU-Embargos? Margot verneint. Schliesslich habe seine Firma diesen Markt schon lange vorher beliefert.