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Frisches Brot blitzschnell abholen

Über die neue Plattform frischesbrot.ch können Bäckereien Brot, Patisserie und Menüs verkaufen. Den Kunden verspricht der Initiant ein schnelles Click&Collect, den Bäckereien mehr Planungsicherheit.

von mos

Das Prinzip der Bestell-Plattform frischesbrot.ch ist einfach: Eine Landkarte auf der Website zeigt alle teilnehmenden Betriebe. Kundinnen und Kunden können sich eine Bäckerei-Confiserie in ihrer Nähe aussuchen und bis am Vorabend ihre Bestellung aufgeben und online bezahlen. Das frische Brot, die Cremeschnitte oder das Mittagsmenü können sie am nächsten Tag zur gewünschten Zeit entweder im Laden abholen oder sich vom Kurier nach Hause liefern lassen. Auch ein Paket-Versand mit der Post und ein Abo sind möglich.
Einfacher Onlineverkauf für alle
Hinter frischesbrot.ch steckt der Unternehmer Albert Meier. Er ist Softwareentwickler und kennt die Bäcker-Confiserie-Branche seit Jahrzehnten. Seine Grenchner Firma AplusAG.CH entwickelt Software, mit der Betriebe die ganze Administration auf einer Plattform abwickeln können – von der Auftragserfassung und Fakturierung bis zur Buchhaltung und Zeiterfassung. 450 Kunden hat Meiers Firma schweizweit, über 300 davon sind Bäckereien-Confiserien. 
Mit frischesbrot.ch wolle man allen Betrieben einen einfachen Zugang zum Online-Verkauf ermöglichen, sagt Meier. Die Idee entstand vor drei Jahren, Ende 2019 war die Bestell-Plattform parat. «Richtig Gas gegeben haben wir dann mit dem ersten Lockdown im Frühling 2020», sagt Meier. Rund 15 Bäckereien aus der Deutschschweiz machen heute bei frischesbrot.ch mit. «Es werden laufend mehr.» Ziel sei es, den Service in allen Sprachregionen anzubieten, als painfrais.ch, panefresco.ch und panfrais.ch. Die Plattform steht laut Meier allen rund 1100 Bäckereien-Confiserien der Schweiz offen – auch jenen, die nicht Kunde bei seiner Firma sind. 
Schnelles Click&Collect
Über die Plattform können Bäckereien ihr ganzes Sortiment anbieten, neben Brot auch anderes Gebäck, Patisserie, Birchermüesli und Salate, Menüs oder Apéro-Platten. «Die Kundinnen und Kunden zahlen dafür gleich viel wie im Laden», sagt Meier. Auch die Kosten für eine Heimlieferung würden 1:1 ohne Aufschlag verrechnet. Für die Heimlieferung setzt frischesbrot.ch auf lokale Taxianbieter und Kuriere. Diesen Service hätten viele Menschen geschätzt, die in Corona-Quarantäne gewesen seien, erzählt Meier. 
Die grosse Stärke von frischesbrot.ch sei aber das Click&Collect, also das Abholen im Laden zu einem gewünschten Zeitpunkt. «Das gab es so in der Schweiz bisher noch nicht», sagt Meier. Die Kunden sparten damit Zeit. Ausgesucht und bezahlt habe man ja bereits online, auch langes Anstehen gebe es nicht mehr, die Abholung laufe blitzschnell. «Sie kommen ins Geschäft, holen ihre Papiertasche und gehen.» In kleinen Dorfbäckereien könne man die Taschen selber aus speziellen Abholregalen nehmen, in grösseren Bäckereien wie etwa am Zürcher Hauptbahnhof bekomme man die Tasche an der Theke. «So oder so: In 30 Sekunden sind sie wieder draussen.» Das sei ideal für Pendlerinnen und Pendler, die nur fünf Minuten fürs Umsteigen haben und in dieser kurzen Zeit noch ihr Znüni oder ihr Feierabendbrot abholen wollten. 
Weniger Foodwaste
Für die Bäckereien sei das durchgehend automatisierte System sehr einfach, sagt Meier. Ein Knopfdruck genüge, um Back- und Rüstzettel zu generieren. Der grösste Aufwand sei es, ansprechende Fotos des Sortiments zu machen. «Wer keine guten Fotos hat, verkauft seine Produkte schlecht.» Ein Mitmachen lohne sich aber. Frischesbrot.ch bringe den Bäckereien einen zusätzlichen Verkaufskanal, neue Kunden und mehr Umsatz, ist Meier überzeugt. Dank den Vorbestellungen könnten die Bäcker ausserdem genau so viel produzieren, wie benötigt werde. So müssten weniger Backwaren fortgeworfen werden.
Um bei frischesbrot.ch mitzumachen, zahlen Bäckereien-Confiserien einen einmaligen Beitrag von 1749 Franken. Hinzu kommt eine Provision auf jede Bestellung. Kunden von Aplus bezahlen 8 Prozent, die anderen 16 Prozent. Mit der Provision bezahle man die Transaktionskosten für die Kreditkartenbezahlung, die Taschen für die Abholung und die Werbung, sagt Meier. Im Moment schaue für seine Firma dabei noch kein Gewinn heraus, so Meier.
Frisches Brot mit der Zeitung
Meier sucht für frischesbrot.ch nach neuen Partnern. Gerne hätte er mit der «Brot-Post» der Schweizer Post zusammengearbeitet, die Post ist aber nach eigenen Angaben derzeit an einer Kooperation nicht interessiert (siehe Kasten). Gerne möchte frischesbrot.ch einen weiteren Vertriebsweg nutzen: den Zustelldienst von Tageszeitungen. Verschiedene Zeitungsverleger planen, ihre Verträger neben der Zeitung auch Backwaren ausliefern zu lassen. «Wir sind mit verschiedenen Verlagen im Gespräch», so Meier.
frischesbrot.ch