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EU-Lebensmittelbranche verpflichtet sich zu mehr Nachhaltigkeit

Die europäische Lebensmittelwirtschaft verpflichtet sich im Rahmen der «Farm-to-Fork»-Strategie der EU-Kommission zu mehr Nachhaltigkeit und unterzeichnet einen entsprechenden Verhaltenscodex.

von lz/wy

Am 5. Juli haben 65 Verbände und Unternehmen gegenüber der EU-Kommission einen «Verhaltenscodex für verantwortungsvolle Geschäfts- und Marketingpraktiken in der Lebensmittelkette» unterzeichnet. Darunter sind unter anderem FoodDrinkEurope, EuroCommerce, AB InBev, Coca-Cola, Danone, Ferrero, Kellogg, Metro, Mondelez, Nestlé, PepsiCo, Rewe und Unilever, wie LZ-net schreibt.
Damit verpflichten sich die Unterzeichnenden, Nachhaltigkeitsziele zu formulieren, die über gesetzliche Vorgaben hinaus gehen und diese zu realisieren. Dabei geht es um die sieben Bereiche Ausgewogene Ernährung, Reduzierung von Food Waste, Klimaneutralität bis 2050, Kreislaufwirtschaft, Nachhaltige Verpackungen, Angemessene Arbeit, Partnerschaft der Lebensmittellieferkette, und Nachhaltige Beschaffung.
Die europäische Lebensmittelindustrie solle zum Goldstandard in punkto Nachhaltigkeit werden, erklärte die EU-Gesundheitskommissarin Stella Kyriakides. Der EU-Vizepräsident Frans Timmermans sah die Branche in einer Vorbildfunktion, man werde den Kodex im September beim «Food Systems»-Gipfel der Vereinten Nationen präsentieren. 
Die konkreten Ziele sind von Branche zu Branche unterschiedlich. So will der europäische Bierbrauerverbadn Brewers of Europe bis Ende 2022 auf allen Bierflaschen und -dosen in der EU die Zutaten und Kalorien pro 100 ml angeben. Nestlé hat sich Reformulierungsziele gesetzt, führt den Nutri-Score ein und setzt Werbebeschränkungen für Produkte mit hohem Fett-, Zucker- und Salzgehalt um.
Man müsse aber aufpassen, dass kleine und mittelständische Betriebe vom Kodex nicht überfordert würden, sagte Stefanie Sabet, die Geschäftsführerin des Bundesverbandes der Deutschen Ernährungsindustrie BVE. Diese machten 90 Prozent der Hersteller aus und könnten nicht gleichzeitig die Verpackungen oder Produktionslinien umstellen, Ernährungs-, Klima- oder Tierwohllabel einführen, klimaneutral werden oder umfassende Datenerhebung und -auswertung einführen. Auf dem EU-Markt und weltweit konkurrenziere man immer noch mit Firmen, die deutlich tiefere gesetztliche Anforderungen hätten.