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ZBINDEN FINDET: Unelaborated Products: Definition and Classification Vol. 1

Bücher? Voll old school, wird der eine oder andere jetzt denken. Weit gefehlt, denn die Bullipedia Bücher sind für den Kulinarikbereich so eine Art «Google im Quadrat»

PATRICK ZBINDEN
«Was wir wissen, ist ein Tropfen, was wir nicht wissen ein Ozean», meinte einst Isaac Newton. Obwohl es nach wie vor viele Wissenslücken gibt, ist seit Newton der Meeresspiegel, gefüllt mit Nichtwissen, um einige Zentimeter gesunken. Wissenslücken im Bereich Kulinarik zu schliessen, dies ist das Ziel der Stiftung elBullifoundation, die mit einem ihrer Hauptprojekte «Bullipedia» neue Massstäbe der Wissensvermittlung setzt.
Hinter dem Begriff «Bullipedia» verbirgt sich eine Enzyklopädie, die schlussendlich 35 Bücher umfassen soll. Bücher? Voll old school, wird der eine oder andere jetzt denken. Weit gefehlt, denn die Bullipedia Bücher sind für den Kulinarikbereich so eine Art «Google im Quadrat» und stellen alles bis anhin Publizierte in den Schatten. Auf Englisch sind bereits vier Bände erschienen und aktuell ist «Unelaborated Products» Vol. 1 mit dem Untertitel «What they are, classifications and categories» im Buchhandel erhältlich. Ich bin mir sicher, dass keine (universitäre) Hochschule oder eine andere wissensvermittelnde Institution publizistisch auf einem solch allumfassenden Standard unterwegs ist. Die «big picture» Philosophie der Bücher basiert auf einem systematischen Denkansatz, der die Funktionsweise verschiedener Systeme und deren Interaktion berücksichtigt, einschliesslich einer Vielzahl von damit verbundenen Prozessen und Ressourcen. In den bereits erschienenen Büchern wird das komplexe Wissen in Textform und insbesondere in vielen Grafiken und Diagrammen übersichtlich und verständlich aufbereitet.
Im ersten Kapitel gibt «Unelaborated products» Antworten auf grundlegende Fragen wie: «Sind alle Getreide auch Samen»? oder «Was sind frische Produkte?». Kurzum, es geht in den ersten Seiten um die Nomenklatur unverarbeiteter Produkte. Kapitel zwei bis drei vertiefen verschiedene Arten der Klassifizierung bis ins letzte Detail und schlussendlich zeigt das vierte Kapitel mit dem Titel «Applying the Classifications», wie die Systematik der Klassifizierungen im beruflichen Alltag zur Anwendung kommen kann (dies am Beispiel einer Tomate). Nach über 500 Seiten ist nicht etwa Schluss mit der Wissensflut – fünf weitere Bullipedia Bände, welche unverarbeitete aber auch verarbeitete Produkte im Fokus haben, werden in den nächsten Jahren innerhalb der Enzyklopädie folgen.
Hinter dieser einzigartigen Wissensaufbereitung und – vermittlung steckt kein geringer als der Mastermind der avantgardistischen Küche Ferran Adrià. Entsprechend nimmt das Buch gelegentlich Bezug zum Thema «fine-dining». Dies macht das Buch jedoch keineswegs unattraktiv, und es ist keine Ausrede, es nicht zu kaufen. Den Buchkauf nicht aufzuschieben lohnt sich sowieso, denn der erste Bullipedia Band «Coffee Sapiens» (2019) ist bereits vergriffen und wird, gemäss Verlag, nicht erneut aufgelegt.
Unelaborated Products: Definition and Classification
Phaidon Verlag
ISBN: 978-1-83866-366-7