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Deutschland: Diskussionen um den Nutri-Score

Im Zusammenhang mit der Evaluation des Nutri-Score werden in Deutschland von der Lebensmittelbranche verschiedene Kritikpunkte angesprochen.

von lz/wy

Die Diskussionen um die Nährwertkennzeichnung Nutri-Score gehen in Deutschland weiter. Das zeigte eine Veranstaltung der Organisation «Verbraucher Initiative», wie LZ-net schreibt. In Deutschland haben sich bisher nur 220 Unternehmen für eine Verwendung des Nutri-Score bei den französischen Markeninhabern registrieren lassen. Der Detailhändler Rewe zum Beispiel will Nutri-Score puschen, stösst aber auf Widerstand. «Von 116 angeschriebenen Herstellern haben bisher nur 56 das Emblem aufgebracht», wird Nicola Tanaskovic, Leiter Corporate Responsibility bei Rewe, zitiert.
Biolebensmittelhersteller stossen sich daran, dass ihre Produkte mit dem aktuellen Algorithmus schlechter abschneiden als konventionelle Produkte. «Eine Zuckerreduktion lässt sich mit Aromen und Zusatzstoffen kaschieren», wird Kirsten Buchecker von der Hochschule Bremerhaven zitiert. Die Biobranche arbeite aber ohne Zusatzstoffe, ein Bio-Saft könne im Gegensatz zu einer Coke Zero kein hellgrünes «B» erreichen.
Aus der Sicht von Nestlé ist der Nutri-Score ein Impuls zur Reformulierung. Das sei aber nicht bei allen Produkten möglich. Nestlé-Schokoladen hätten fast durchwegs ein «E», und es sei schwierig, dies auf ein «D» zu heben.
Der Ernährungspsychologe Thomas Ellrott, sieht beim Nutri-Score auch Missbrauchspotenzial. So könnte es sein, dass manche Konsumenten das rote «E» als Garantie dafür verstünden, dass ein Produkt noch so schmecke wie früher.
Das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft BMEL hatte die Branche dazu aufgerufen, bis letzte Woche Änderungsvorschläge für den Nutri-Score einzureichen. Das wissenschaftliche Gremium der «Nutri-Score-Staaten» Deutschland, Frankreich, Belgien, Luxemburg, Niederlande, Spanien und Schweiz will bis Ende Jahre sämtliche Eingaben prüfen.
Der Lebensmittelverband Deutschland verlangt in diesem Zusammenhang vom BMEL, dass der Nutri-Score an die Ernährungsgewohnheiten und die Empfehlungen der Deutschen Gesellschaft für Ernährung angepasst wird. Verlangt wird beispielsweise, dass der Nutri-Score-Algorithmus mehr pflanzliche Öle berücksichtigt, oder dass energiefreie Getränke wie ungesüsste Tees mit Wasser gleichgestellt werden .