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Britische Lebensmittelverbände: Versorgung «auf Messers Schneide»

Mehrere britische Lebensmittelfirmen und Verbände haben angesichts der angespannten Versorgungslage Alarm geschlagen und vor Hamsterkäufen in der Weihnachtszeit gewarnt. Die Lebensmittelversorgung des Landes stehe «auf Messers Schneide».

von awp/sda

Auf den traditionellen Truthahnbraten müssen viele Briten dieses Weihnachten womöglich verzichten. Die massiv gestiegenen Preise für Gas bringen Fleischhersteller in Grossbritannien zunehmend in Bedrängnis. (Tesco/Screenshot)
Dies schrieb die Chefin des Bauernverbandes National Farmers’ Union, Minette Batters, in einen Brief an den Premierminister, der von mehreren Lebensmittelverbänden unterzeichnet wurde. Man brauche Notfallvisa, um ausländische Arbeitskräfte rekrutieren zu dürfen. «Ohne das werden wir mehr leere Regale haben, und Verbraucher werden Panikkäufe machen, um durch den Winter zu kommen», schrieb Batters.
In den vergangenen Monaten waren in Grossbritannien immer wieder Engpässe bei verschiedenen Produkten aufgetreten, so dass einige Regale leer blieben.
C02-Mangel bringt Fleischhersteller in Bedrängnis
Das liegt vor allem an einem starken Mangel an Arbeitskräften in der Landwirtschaft und bei Lastwagenfahrern, der sich durch Brexit und Pandemie verschärft hat. Nun belasten zusätzlich hohe Gaspreise und ein damit verbundener Mangel an CO2, der für die Verpackung von Fleisch und anderen frischen Produkten genutzt wird, die Branche zusätzlich.
Die Regierung greift zwar dem Industriezulieferer CF Industries für ein paar Wochen unter die Arme, um die Produktion von Kohlendioxid (CO2) wieder zum Laufen zu bringen. Die Lebensmittelbranche warnt dennoch vor Engpässen. CO2 wird unter anderem für Vakuumverpackungen bei Fleisch sowie zur Betäubung von Schlachtvieh benötigt und es kommt bei der Herstellung von Bier und Softdrinks zum Einsatz.
«Ein Drei-Wochen-Deal wird Weihnachten nicht retten», sagte der Geschäftsführer der Supermarktkette Iceland, Richard Walker, am Mittwoch. «Wir brauchen eine permanente Lösung, um die Auslieferung von frischen Nahrungsmitteln sicherzustellen.» Die Regierung in London hat CF Industries zugesagt, drei Wochen lang einen Teil der Fixkosten des US-Unternehmens zu übernehmen. Dies werde wohl mehrere zehn Millionen Pfund kosten, sei aber nötig, sagte der britische Umweltminister George Eustice dem TV-Sender Sky News. CF Industries stellt etwa 60 Prozent des gesamten CO2-Bedarfs in Grossbritannien her.
Produktion wegen hoher Gaspreise gestoppt
CO2 ist ein Nebenprodukt bei der Düngemittelherstellung, die als Rohstoff natürliches Gas verwendet. Der Düngemittelkonzern CF Industries hatte die Produktion in zwei britischen Fabriken vor ein paar Tagen gestoppt, weil die Gaspreise durch die Decke gehen. Seit Jahresanfang sind sie wegen einer Angebotsknappheit um gut 250 Prozent gestiegen. Mehrere kleinere Energieversorger mussten den Handel einstellen. Die Branche fordert Staatshilfen.
Die britische Regierung geht davon aus, dass auch die Preise für CO2 massiv steigen werden. Für eine Tonne könnten künftig etwa 1000 Pfund fällig werden statt der bisherigen 200 Pfund, sagte Eustice. «Die Lebensmittelbranche muss sich anpassen. Es kommt ein grosser Preisanstieg.»
Ohne Einschreiten der Regierung müssten in den kommenden Tagen manche Geflügelfarmen ihre Türen schliessen, rechtfertige der Umweltminister die staatlichen Hilfen. «Und dann hätten wir Tierschutzprobleme, weil man viele Hühner auf Farmen hätte, die nicht rechtzeitig geschlachtet werden könnten und die wahrscheinlich auf Farmen eingeschläfert werden müssten.» Mit Schweinen würde ähnliches drohen.