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«Diagnose in 30 Sekunden statt drei Tagen»

An der Fachmesse für industrielle Instandhaltung maintenance steht auch das Thema Künstliche Intelligenz (KI) im Fokus. Im Interview zeigt Oliver Keel, Geschäftsführer der Amplo GmbH, auf, was bereits heute mit KI und automatisierten Lösungen möglich ist, um die Effizienz und Ausfallsicherheit massiv zu steigern.

von pd

Oliver Keel. (zVg)
Welche Lösungen oder Dienstleistungen haben sich aus Ihrer Geschäftsidee – Maschinen mit KI zu analysieren – entwickelt? Was bedeutet das für den Instandhaltungsmarkt?
Wir haben gemerkt, dass der Bedarf für Services im Bereich Künstliche Intelligenz gross ist. Aber viele Firmen haben nicht die richtigen Leute oder das nötige Know-how dafür. Wir wollen mit unserer Smart Maintenance-Plattform den Zugang dazu erleichtern. Das heisst, KMUs in der Schweiz und weltweit können auf unserer Plattform diese Services selber bauen. Sie können Ihre bestehenden Daten von Maschinen hochladen, Künstliche Intelligenz trainieren und die Ergebnisse in ihre Kundenmanagementsysteme und Firmenprozesse, CRM- und ERP-Systeme integrieren.
Für wen ist das generell ein Thema?
Dies wäre interessant für Firmen, die eher teure Systeme haben. Ich denke so an Systemkosten von 5000 Franken aufwärts. Wenn ein System so hochpreisig ist, hat der Kunde auch eine gewisse Qualitätserwartung. Wenn man Maschinen beispielsweise nach Asien liefert, ist das schon ein grosser Aufwand, bis man vor Ort ist und das Problem beheben kann. Hier helfen uns Algorithmen, möglichst rasch aus der Ferne anhand von Maschinendaten zu erkennen, was das Problem ist oder vor allem wann ein Fehler zu erwarten ist. Diese Vorgehensweise ist heute sehr wichtig, da man auf diese Weise enorm viel Geld einsparen kann.
Sie haben einen «User Case» namens Tritium. Welche konkreten Einsatzbereiche aus der Forschung zur KI haben Sie in diesem Fall eingesetzt?
Für Tritium ist die Diagnose ihrer Ladesäulen für Elektrofahrzeuge eine grosse Herausforderung. Ladesäulen sind sehr teuer, da kostet eine Station ab 50’000 Franken aufwärts. Und wenn diese nicht funktioniert, ist das natürlich nicht gut für Fahrer von Elektroautos, die mit fast leerer Batterie an der Ladestation ankommen. Für Tritium dauerte die Diagnose damals zu lange, denn sie brauchten mehrere Tage um herauszufinden, welche Komponente defekt ist. Und dann kam unser Service. Jetzt dauert es 30 Sekunden und sie wissen genau, welche Komponente defekt ist. So können sie gleich einen Mechaniker oder Elektriker hinschicken, der dieses Teil ersetzt.
Welche Systeme können denn mit diesem intelligenten System vernetzt werden?
Grundvoraussetzung ist, dass diese Systeme IoT-fähig sind, verbunden sind mit dem Internet und Daten hochladen können. Da arbeiten wir auch daran, weitere Partner zu finden. Es gibt da verschiedene Firmen wie Akenza oder der Datacake, die diese Konnektivität anbieten, also Maschinen mit dem Internet zu verbinden und Daten hochzuladen.
Welche Schwerpunkte hat denn Ihr Unternehmen als junger Aussteller an der maintenance Schweiz 2021?
Wir werden uns auf User Cases fokussieren. Wir werden vor Ort den Tritium-Case zeigen wie auch die Zusammenarbeit mit TB-Safety, damit die Besucher ein Verständnis dafür entwickeln können. Wir werden ebenso kurz und einfach aufzeigen, wie die Umsetzung beispielsweise bei anderen Firmen funktionieren könnte.
Was ist Ihre Botschaft an den Instandhalter-Nachwuchs?
Es braucht ein gutes Verständnis für Maschinen und Physik. Uns ist wichtig, dass der Servicetechniker, der ein gutes Verständnis für die Wartungsseite hat, alles selber aufbauen kann.
Was bedeutet es jetzt auch für Sie und Ihr Unternehmen, sich in diesem Umfeld präsentieren zu dürfen?
Ich freue mich sehr darauf. Es wird extrem spannend werden sich auszutauschen. Denn wie gesagt, das ist ein Ökosystem. Es gibt Smart Sensors, es gibt verschiedene Produkte, wo wir dann zusammenarbeiten können auf einer Data Connectivity-Plattform und diese mit integrieren zu können. Das ist meine erste Messe in diesem Bereich und ich freue mich sehr drauf.
Warum sich hat ein Startup für dieses klassische Format entschieden, wo man doch auch virtuelle Messen machen kann?
Das ist ein guter Punkt. Ich denke, dass manche Messen ein wenig veraltet sind, aber die Messen sind auch im Wandel. Ich denke, es ist vor allem wichtig, einen Platz für den Austausch zu schaffen und Vertrauen aufzubauen. Vor allem für ein Startup wie uns ist es bedeutsam, Kontakt zu grossen Firmen zu knüpfen. Es braucht einfach einen Face-to-face-Kontakt, wo man miteinander sprechen kann, sich besser verstehen lernt und dann ein Projekt miteinander umsetzen kann. Und dafür sind Messen sehr wichtig. Man kann schon gewisse Gespräche online führen, aber die Leute wollen einen dann treffen oder wissen, was man genau macht. Es ist schwierig, das Vertrauen ausschliesslich online aufzubauen. Innovation kommt meistens von aussen. Das ist sicher ein wichtiger Punkt.
Was darf man jetzt auch an der maintenance Schweiz 2021 nicht verpassen und warum sollen gerade junge Menschen am 17. und 18. November nach Zürich kommen?
Für junge Menschen ist es interessant, dass sich neue Gebiete auftun. Wir reden nicht mehr vom Mechaniker oder Elektriker. Das sind jetzt ganz neue Anforderungen, wir sind sozusagen alle «connected». Man muss Verständnis haben für IT und für Software. Das arbeitet alles zusammen. Da tun sich neue Berufsbilder auf. Und ich denke, das ist sicher spannend für junge Menschen.