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In Frankreich wird der Planet-Score getestet

Bevor die staatliche Agentur ihre Beurteilung über verschiedene Systeme von Nachhaltigkeitskennzeichnung publiziert hat, setzen sich Hersteller und Detailhändler in Frankreich für den Planet-Score ein.

von wy

27 Hersteller und acht Detailhändler testen in Frankreich in den nächsten Monaten eine neue Nachhaltigkeitskennzeichnung für Lebensmittel, den Planet-Score. Die Kennzeichnung soll bei rund 1000 Produkten auf den jeweiligen E-Commerce-Seiten eingeführt werden. Discounter Lidl will das System ab 2022 in den Geschäften bei Milch, Eiern, Rindfleisch, Kartoffeln, Äpfeln, Bananen und Zucker testen, wie das Portal Processalimentaire schreibt.
Der Planet-Score ist einer von 20 verschiedenen Vorschlägen – darunter auch der im Frühjahr 2021 vorgestellte Eco-Score-, wie künftig das französische Klimaresilienzgesetz umgesetzt und klima- und nachhaltigkeitsrelevante Aspekte auf Lebensmittelpackungen abgebildet werden können. Die staatliche Nachhaltigkeitsagentur Ademe prüft bis Ende Jahr die Vorschläge, die in den letzten 18 Monaten eingereicht wurden.
Die Lebensmittelwirtschaft geht nun voran mit dem Planet-Score. Dabei wird ähnlich wie beim Nutri-Score die Nachhaltigkeit in fünf Stufen von A (grün) bis E (rot) bewertet. Allerdings werden gleich drei Kriterien bewertet, nämlich Pestizideinsatz, Biodiversität und Klima. Auch das Tierwohl wird berücksichtigt. Der Planet-Score basiert wie der Eco-Score auf Lebenszyklusanalysen, mit denen die Auswirkungen auf allen Produktionsstufen berechnet werden.
Die Promotoren des Planet-Score betonen, das System würde die Verzerrungen von Ökobilanz-Berechnungen korrigieren, indem es die Auswirkungen von Pestiziden auf die biologische Vielfalt und menschliche Gesundheit miteinbeziehe. Zu den Unterstützern zählt beispielsweise auch der französische Branchenverband der Vieh- und Fleischwirtschaft Interbev. Bei der Bewertung der Tierhaltung erhielten Treibhausgasemissionen in den Ökobilanzen unverhältnismässig viel Gewicht, lässt Interbev verlauten. Die weidebasierte Tierhaltung habe gegenüber einer intensiven Tierhaltung wichtige Vorteile wie weniger Pestizideinsatz, bessere Boden- und Wasserqualität, Kohlenstoffspeicherung oder biologische Vielfalt. In den Ökobilanzen würden aber jeweils die amerikanischen Feedlot-Modelle gegenüber der Weidehaltung bessergestellt.