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Camille Bloch steigt in die Haselnussproduktion ein

Camille Bloch will in Georgien eigene Haselnüsse produzieren. Damit soll die Qualität des wichtigen Rohstoffs für die Zukunft sichergestellt werden.

von wy

Der georgische Landwirtschaftsminister Levan Davitashvili (l.) und Daniel Bloch, CEO von Camille Bloch. (Roland Wyss)
Untrennbar mit der Geschichte von ­Camille Bloch verbunden ist eine Lieferkrise: Während dem zweiten Weltkrieg wurde der Kakao knapp, das Unternehmen ersetzte in der Not Kakao mit Haselnüssen – und kreierte so den Riegel Ragusa, ein Klassiker und bis heute das Leaderprodukt von Camille Bloch. «Ein solcher Rohstoffengpass darf nie mehr passieren», sagt Daniel Bloch, der CEO des Unternehmens. Der beste Weg, um auch in Zukunft immer genügend Haselnüsse in bester Qualität zu haben, sei deshalb, sie selber zu produzieren.
Produktionsleiter René Meier sei eines Tages mit genau dieser Idee zu ihm gekommen, erzählt Daniel Bloch. Seine Antwort: «Bist du verrückt?» «Gut, dann lassen wir es sein», sagte Meier. Worauf Bloch meinte: «Das ist so verrückt, wir müssen es tun!» Er schaute sich in Europa nach möglichen Regionen um, stiess dann aber auf Georgien. Das Land ist heute der fünftgrösste Lieferant von Haselnüssen und steht im Schatten der Türkei, die den Haselnussmarkt klar dominiert. Rund die Hälfte des landwirtschaftlichen Umsatzes von Georgien stammt von den Haselnüssen, die Anbauweise ist aber eher traditionell und nicht sehr effizient.
Moderne Haselnussproduktion
Im Osten von Georgien, in der Provinz Kachetien kaufte Bloch 650 Hektaren Land, auf denen bis ins Jahr 2030 rund 430000 Haselnussbäume gepflanzt werden sollen. Am 20. Oktober stellte Camille Bloch in Courtelary das Haselnuss-Projekt vor, anwesend war auch eine Delegation aus Georgien mit dem Landwirtschaftsminister Levan Davitashvili. Die ersten 30000 Bäume wurden im Februar 2021 gepflanzt, im Frühjahr 2022 werden verschiedene Haselnusssorten jeweils auf einen Stamm aufgepfropft.Die Methode, entwickelt vom Schweizer Haselnussproduzenten Andreas Gauch, ermöglicht Plantagen mit Bäumen statt den üblichen Sträuchern, was die Mechanisierung vereinfacht. Mit verschiedenen Sorten werden auch die Risiken von Schädlingen und Krankheiten vermindert. Die Haselnüsse werden mit Netzen geerntet, was eine bessere Qualität ermöglicht. Die Nüsse fallen so nicht auf den nassen Boden und werden nicht anfällig für Pilze. Die erste Ernte wird ab 2025 möglich sein. Im Vollertrag liefert eine Hektare zwei Tonnen Haselnüsse oder eine Tonne geschälte Haselnusskerne. Camille Bloch investiert bis 2030 zehn bis fünfzehn Millionen Franken, es sollen direkt rund 30 Arbeitsplätze und indirekt rund 150 Arbeitsplätze geschaffen werden.
Haselnüsse: Strategisch wichtig
«Unser Projekt ist visionär», sagte CEO Daniel Bloch. Die Bedingungen in Georgien seien ideal, um mit der neuen Methode zu starten, die Unterstützung durch die Regierung gut. Die Haselnüsse seien der strategisch wichtigste Rohstoff, damit differenziere sich Camille Bloch am meisten von der Konkurrenz.Landwirtschaftsminister Davitashvili sagte, das Projekt liege voll auf der Linie der Regierung, mehr Innovation und Nachhaltigkeit in die Landwirtschaft zu bringen. Georgien habe eine lange Geschichte des Haselnussanbaus, dieser sei für viele Familien Einkommensquelle, man sei aber daran interessiert, diese Produktion zu modernisieren. Man werde auch in Nachernte-Infrastruktur und Lagerkapazitäten investieren. Die Haselnüsse werden in Georgien aufgebrochen, gelagert und in Big Bags
exportiert. Georgien exportiert derzeit zwischen 20000 und 25000 Tonnen geschälte Haselnüsse.
Ziel von Camille Bloch ist es, dereinst 80 Prozent des eigenen Bedarfs von den eigenen Plantagen zu beziehen, ein Teil der georgischen Produktion soll auch weiterverkauft werden. So habe man einen Qualitätscheck und bleibe konkurrenzfähig, sagte Bloch. Camille Bloch verarbeitet derzeit 700 Tonnen geschälte Haselnüsse, der grösste Teil davon aus der Türkei, kleinere Mengen aus Georgien und Frankreich.