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Neue Joghurts aus der topmodernen Molkerei

Die Molkerei Forster in Herisau produziert seit dem Sommer in einer modernen Fabrik. Dort können künftig auf neuen Anlagen auch ganz neue Produkte hergestellt werden.

von hps

Blick ins Herz der Joghurtfabrik, wo im 2020 Joghurt für 20 Millionen Becher hergestellt wurden. (hps)
«Man muss sich zuerst einmal an die Dimensionen gewöhnen», sagt Markus Forster. Und wirklich, in der Halle der Molkerei Forster in Herisau, wo die topmoderne Maschine die Milchkartonflaschen im Sekundentakt ausspuckt, kommt sich ein Mensch ziemlich verloren vor. «Jetzt haben wir sehr viel Platz», sagt Forster, derVerwaltungsratspräsident und Mitglied der Geschäftsleitung ist. «Am alten Standort war es viel enger». Den neuen Platz werde man aber schon noch benötigen, in der Ostschweiz sei das Milchaufkommen gross und man könne immer mehr verarbeiten.
Lange Planung
Bis die 34 Mitarbeitenden ihre Arbeit in der neuen Fabrik beginnen konnten, floss viel Wasser die Thur hinab. Schon nach dem Hochwasser im Jahr 2011, das die alte Molkerei beschädigt hatte, habe man einen Neubau ins Auge gefasst, sagt Forster. 2015 habe man dann zu planen begonnen und im Frühling 2019 war der Spatenstich. Während der Bauzeit gab es immer wieder Verspätungen. Produktionsstart wäre eigentlich im Mai 2021 gewesen. Mitte Juli 2021 wurden dann die ersten Joghurts hergestellt und die erste Milch floss durch die moderne Mikrofiltrationsanlage – auf die TetraTop-Anlage, wo sie in die ansprechenden Kartons mit grosser Öffnung abgefüllt wird.
Zusammenarbeit mit Investor
Die Molkerei ist auf dem neuesten Stand der Technik, was durch eine besondere Form der Finanzierung des Projektes möglich wurde. Von den total 40 Millionen Franken, die ins gesamte Projekt investiert wurden, bezahlten Forsters «nur» 17 Millionen – und zwar in die Technik. «Wir wollen uns auf die Produktion konzentrieren und nicht zu Immobilien schauen», sagt Forster. Den Rest bezahlte die Pensionskasse DAI, die das Gebäude als Inhaberin den Molkereibetreibern vermietet. Forsters können in 25 Jahren das Gebäude kaufen. «Wenn die Jungen wollen», so der Noch-Firmenchef.
Die «Jungen» sind aber in den Startlöchern und sind alle in der Geschäftsführung. Sohn Ruedi ist Betriebsleiter, Tochter Sabine Bloch-Forster erledigt die Administratio, ihr Mann Remo Bloch ist Logistikchef. Markus Forsters Frau Heidi ist ausserdem zuständig für die Buchhaltung des eigenen Verkaufsladens mit einem Sortiment von über 100 Käsesorten und anderen Milchprodukten.
Markus Forster selber denkt an den Rücktritt als Geschäftsführer, wie er sagt. Danach werde er wohl aber noch eine Zeitlang im Aussendienst mitarbeiten. Diesen müsse man nämlich aufbauen. Früher habe die Molkerei unter engen Platzverhältnissen gar nicht so viel herstellen können, wie nachgefragt worden sei, sagt er. Jetzt, mit den neuen Produktionsmöglichkeiten, könne man über neue Käufersegmente nachdenken.
Jetzt werden in der Molkerei 10,5 Millionen Liter Milch pro Jahr verarbeitet. Im nächsten Jahr sollen es bereits 15 Millionen sein. «Wir könnten auch problemlos 30 Millionen verarbeiten», sagt Forster. Die Molkerei bezieht die Milch über die PMO Züger/Forster von 87 Direktlieferanten. Dabei zahle man übrigens schweizweit den dritthöchsten Preis für Molkereimilch, sagt Forster: «Wir können nur leben, wenn wir Milchbauern haben, die auch leben können».
Exklusiv für Lidl
Forsters verkaufen viele Joghurts – 20 Millionen Becher waren es im letzten Jahr. Im Detailhandel werden insbesondere Lidl und Spar beliefert, bei Lidl ist die Molkerei Forster seit dem Einstieg des Discounters in den Schweizer Markt vor bald 13 Jahren als Exklusivlieferant dabei – während den ersten acht Jahren noch unter der eigenen Molkereimarke, nach einem Relaunch des Discounters dann unter der gesamteuropäischen Lidl-Marke «Milbona».
Forster sieht ein grosses Potenzial für die eigene Marke «Appenzellerland». Schliesslich produziert die Molkerei aus Appenzellermilch im appenzellischen Herisau Milchprodukte.
25 Prozent der Produkte aus der Molkerei sind Bio-zertifiziert. Der Nachhaltigkeitsgedanke passe zum Gebäude, das nach energetisch optimalen Aspekten erbaut worden sei, sagt Forster. Beheizt wird das Gebäude mit der Abwärme der Kühlmaschinen, die mit drei 350-PS-Kompressoren betrieben werden. Jeden Abend steht 50000 Liter Warmwasser aus der Rückgewinnung zur Verfügung. «Wir haben noch überschüssige Energie zur Verfügung», sagt Forster. 8 bis 10 Prozent der Energie erzeugt das Unternehmen zudem mit den 1200 Quadratmetern Photovoltaikpanels.
Mit ESL-Abfüllung gute Chancen
Forsters sind immer auf der Suche nach neuen Produkten. Ideen hat Forster im Bereich mit Joghurts mit besonderen Fruchtmischungen, wie sie zum Beispiel in Bulgarien gegessen würden und auch mit Joghurtdrinks, die momentan nur von den «Grossen» produziert werden. Mit einer «coolen» 3,3dl-Verpackung gebe es Potenzial: «Da sind wir am Üben. Es wird aber bald konkret», so Forster zuversichtlich. Nächstes Jahr soll nämlich ein Trinkjoghurt im nachhaltigen 3,3 dl-Karton hergestellt werden. «Damit sind wir die Ersten in der Schweiz», sagt Forster stolz. Denn in der Schweiz werde Trinkjoghurt sonst nur in der HDPE-Flasche angeboten.
Ursprünglich hat Forster auch eine UHT-Anlage evaluiert. Für die Produktion von Sportgetränken habe er viele Anfragen, sagt er. Aber: «Der Markt für UHT-Produkte ist in der Schweiz kaputt.» Im übersättigten UHT-Markt müssten jährlich mindestens 25 Millionen Packungen abgesetzt werden können. Dies könnten nur die drei Grossen in der Schweiz (Emmi, Cremo und Elsa. Anm. der Red.). Jetzt setze man aber voll auf die neue ESL-Anlage, was bei Milch eine Haltbarkeit von 21 Tagen ermöglicht, bei Joghurts von 45 Tagen. Forster sagt: «Damit können wir coole und trendige Produkte herstellen».