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Endlich wieder Messe!

Die Lebensmittelmesse Anuga in Köln war für viele Aussteller ein erster Schritt zurück in die Normalität. Der Tenor: Es fehlten zwar die aussereuropäischen Besucher, aber es ergaben sich viele wertvolle Kontakte.

von wy

Trockenlachs -Jerky Chips von Royal Nordic (Lettland) (Kölnmesse)
Etwas geschrumpft ging die Anuga, die Weltleitmesse für Lebensmittel und Getränke, vom 9. bis 13. Oktober in Köln über die Bühne. 70000 Besucher wurden verzeichnet, ganze 100000 weniger als vor zwei Jahren. 4600 Aussteller aus Ländern präsentierten sich, 2019 waren es 7500 aus 106 Ländern gewesen. Das gab dem Vernehmen nach Lücken in den Ausstellungsflächen, insbesondere in den Fleischhallen, wo etwa Tönnies und Westfleisch auf einen Auftritt verzichteten.
Nachhaltigere Lebensmittel sind der Megatrend, der unter dem Leitthema «Transform» auch die Anuga prägte. Die «New Food Conference» im Rahmenprogramm widmete sich der «zellulären Landwirtschaft» als Alternative zu tierischer und pflanzlicher Produktion. Die Konferenz wurde auf der Online-Messe Anuga@home gestreamt und erfreute sich gemäss den Organisatoren hoher Teilnehmerzahlen, ebenso wie «Newtrition X», eine Veranstaltung zum Thema «personalisierte Ernährung». foodaktuell war nicht an der Anuga, hat aber im Nachgang mit einigen Ausstellerngesprochen.
Zufriedene Schweizer Aussteller
Er habe von den Schweizer Ausstellern nur positive Feedbacks erhalten, sagt Valentin Diethelm von Switzerland Global Enterprise. Die Exporthilfeorganisation hat wiederum den Swiss Pavilion organisiert, an dem acht Firmen beteiligt waren. «Die Stimmung unter den Ausstellern war gut.» Es seien natürlich weniger Besucher an den Ständen gewesen, aber dafür sei die Qualität der Besuche und der Gespräche gut gewesen. Man habe sich mehr Zeit nehmen können für potenzielle Kunden und habe weniger Leerlauf gehabt. Was gefehlt habe, seien die Besucher aus Asien, der Fokus sei klar auf Europa gewesen, sagt Diethelm. Für manche Aussteller sei dies ein Grund gewesen, nicht an die Anuga zu gehen.
Den ersten Messeauftritt hatte das junge Schweizer Schokoladenunternehmen Cocoa Luxury, das hierzulande mit dem Produkt Swissone für Aufsehen gesorgt hat – nicht zuletzt, weil der Konzern Mondelez erfolglos wegen angeblicher Ähnlichkeit zur Toblerone geklagt hatte. Darüber hatte auch die Süddeutsche Zeitung geschrieben und für die neugierigen Anuga-Besucher sei Swissone ein «Zuschauermagnet» gewesen, meint Verkaufsleiter Raphael Schlup im Rückblick. «Wir sind sehr zufrieden und hatten sehr viele gute Gespräche und Feedbacks». Im Visier hat Schlup in erster Linie den deutschen und den US-Markt sowie die Golfregion.
Für Mövenpick Fine Foods war der Auftritt «ein voller Erfolg», wie Verkaufsleiter Steffen Rutter sagt. «Wir konnten unseren neuen Markenauftritt präsentieren.» Die pflanzlichen Alternativen zu Mövenpick Feinjoghurt und Mövenpick Caffé Freddo hätten «stürmisches Interesse geweckt», sagt Rutter. Man habe den persönlichen Kontakt mit den Partnern aus Europa pflegen können, die Geschäftspartner aus dem Mittleren Osten und Asien habe man aber schmerzlich vermisst. Man suche Partner, welche weltweit das Mövenpick-Markenversprechen «Bester Geschmack» transportierten.
Switzerland Cheese Marketing ohne Restaurant
Deutlich kleiner als üblich war der Stand von Switzerland Cheese Marketing (SCM), nicht zuletzt wegen der behördlichen Vorgaben zu breiten Gängen und Sicherheitsabständen. SCM verzichtete deshalb auch auf den Betrieb eines Restaurants. Unter dem Dach der SCM stellten diesmal auch Emmi und Züger aus, die sonst jeweils eigene Stände betreiben. Insgesamt sei der Messebetrieb eher ruhig gewesen, sagt SCM-Messeleiter Marco Canova. «Ein paar gute Kunden sind gekommen, aber viele auch nicht.» Besucher aus Übersee habe es deutlich weniger gehabt, insbesondere aus Fernost.
Frischkäsehersteller Züger präsentierte eine vegane Mozzarella-Kugel in Lake, wie Marketingleitern Claudia Kuratli erklärt. Dies sei auf grosses Interesse gestossen. Insgesamt sei aber die Stimmung in der Halle mit weniger Besuchern weniger belebt und etwas nüchtern gewesen, vor allem die Asiaten und Einkäufer aus dem deutschen Detailhandel habe man vermisst, aber auch die Einkäufer aus dem deutschen Detailhandel.
Hans Rudolf Aggeler von der Schweizerischen Genossenschaft der Weich- und Halbhartkäsefabrikanten spricht von einer «überraschend erfreuliche Anuga.» Mit weniger Besuchern habe man mehr Zeit für interessante Gespräche gehabt. «Die Lockerungen der Corona- Massnahmen kurz vor Messebeginn haben sich positiv auf die Atmosphäre und die Gesprächskultur ausgewirkt», sagt Aggeler. Degustationen waren erlaubt, die Stände waren näher am Gang und man konnte sich maskenfrei am Stand bewege. Am Stand der SGWH waren die Käsereien Brülisauer Käse AG, Fromages Spielhofer SA und Seiler Käserei AG gemeinsam vertreten, das habe erfreuliche Synergien ergeben. Aggelers Bilanz auch als Verwaltungsratspräsident der Käserei Seiler AG ist positiv. «Wir sind 2023 wieder dabei.»