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Lohnt sich der Umstieg auf Wiesenmilch?

Von einer Hochleistungsstrategie mit viel Kraftfutter auf die nachhaltigere Wiesenmilch umzusteigen, lohnt sich kaum. Sind nur geringe Anpassungen nötig, hingegen schon. Das zeigt eine neue Studie von Agroscope.

von pd/mos

(Symbolbild Pixabay)
Obligatorischer Auslauf und Weide und kein Soja im Futtertrog: Die nachhaltige und tierfreundliche Wiesenmilch von IP-Suisse ist bei Konsumenten beliebt und im Detailhandel gefragt (siehe «Mehr zum Thema»). Doch lohnt sich der Umstieg für Milchbetriebe wirtschaftlich? Deckt der höhere Milchpreis eventuelle Mehrkosten? Das hat Daniel Hoop von der landwirtschaftlichen Forschungsanstalt Agroscope untersucht und die Ergebnisse in der aktuellen Ausgabe von «Agrarforschung Schweiz» publiziert.
Es hängt von der Produktionsart ab
Das Ergebnis: Wiesenmilch ist grundsätzlich wirtschaftlich dank besserem Milchpreis und tiefen Grundfutterkosten. Ob sich eine Umstellung lohnt, hängt aber von der Produktionsart ab. Wenn lediglich kleine Anpassungen am Produktionssystem nötig sind, ist die Umstellung auf die Wiesenmilchproduktion wirtschaftlich, dank der Wiesenmilchprämie von 5 Rp./kg. Muss der Kraftfuttereinsatz reduziert werden, um die Anforderungen an das Label zu erfüllen, ist laut der Studie eine wirtschaftliche Abwägung notwendig.
Die Umstellung zur Wiesenmilchproduktion ausgehend von einer Hochleistungsstrategie (gegebenenfalls kombiniert mit Ganzjahressilage) hingegen sei «wahrscheinlich nicht rentabel und unter Umständen auch nicht ohne weiteres möglich». Dies, weil die Tiergenetik möglicherweise nicht passt, oder weil bestehende Bauten oder Maschinen zur Futterkonservierung weder verkauft noch umgenutzt werden könnten und somit das wirtschaftliche Ergebnis weiterhin belasten, wie es in der Studie heisst.
«Fünf Rappen sind schon knapp»
Mitfinanziert wurde die Studie vom Schweizer Tierschutz (STS) und der Produzentenorganisation IP-Suisse. In einer gemeinsamen Mitteilung schreiben IP-Suisse und der Tierschutz, die Abnehmer seien gefordert, weil der Ausbau der Wiesenmilchmengen kaum mit den bisherigen 5 Rp./kg. zu haben sei. «Die fünf Rappen sind tatsächlich knapp berechnet», sagt Fritz Rothen, Geschäftsführer von IP-Suisse, gegenüber foodaktuell. Man müsse schon genau schauen, ob man damit die Nachhaltigkeitsbemühungen der Wiesenmilchproduzenten wirklich fair abgelte, oder ob Anpassungen nötig seien. Neu müssen Wiesenmilchproduzenten etwa auch gewisse Klimaschutzmassnahmen umsetzen, das bringe Mehrkosten mit sich, so Rothen.
Allerdings: Produzenten, die mit Ganzjahressilage, hohem Kraftfuttereinsatz und wenig Weideflächen produzieren, werde man auch mit einer höheren Prämie nicht zur Umstellung bringen, präzisiert Rothen.
Kosten nur zu 84 Prozent gedeckt
Trotz Prämie deckt die Wiesenmilchproduktion gemäss Studie nicht alle Kosten. Die zehn in der Studie untersuchten Wiesenmilchbetriebe entsprechen in Grösse und Milchleistung etwa dem durchschnittlichen Wiesenmilchbetrieb in der Talzone (rund 26 Milchkühe mit einer Jahresmilchleistung von 7200 Kilogramm Milch pro Kuh). Dank der Wiesenmilchprämie von fünf Rappen erzielen sie einen Milchpreis von 64,9 Rp./kg.Durch den Verkauf von Tieren und den Erhalt von Direktzahlungen wurden weitere Einnahmen erzielt. So stehen Leistungen von 107,9 Rp./kg Vollkosten von 128,9 Rp./kg gegenüber, was einem Kostendeckungsgrad von 84 % entspricht.