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Kuhfladen und Kleeburger

Im Grasland Schweiz die Kühe abschaffen? Das wäre ökologisch gesehen eine schlechte Idee, sagte FiBL-Direktor Knut Schmidtke an der Fachtagung Brennpunkt Nahrung und fragte: Wo bleibt eigentlich der Kleeburger?

von mos

«Ein Kleeburger müsste doch eigentlich möglich sein.» FibL-Direktor Kurt Schmidtke. (BPN)
Wiederkäuer tragen stark zum Treibhausgasfussabdruck der Schweizer Landwirtschaft bei. Im Grasland Schweiz deswegen aber die Kühe abzuschaffen, sei keine Lösung, sagte Knut Schmidtke, Direktor des Forschungsinstituts für biologischen Landbau (FiBL), in seinem Vortrag am Brennpunkt Nahrung vom 9. November in Luzern. Das Grünland mache hierzulande 58 Prozent der landwirtschaftlichen Nutzfläche aus und trage mit der Viehwirtschaft wesentlich zur Lebensmittelversorgung bei. Zudem erbringe das Grünland hohe Ökosystemdienstleistungen, die man mit anderen Nutzungsformen nicht erreiche, sagte Schmidtke.
So seien extensiv genutzte Wiesen ein Hotspot der Artenvielfalt, die dauerhafte Grasschicht schütze den Boden vor Erosion und die produzierte Biomasse speichere Kohlenstoff. Auch Kuhfladen trügen zur Biodiversität bei, sagte Schmidtke. «Eine Tonne Fladen pro Kuh und Monat ist Ernährungsgrundlage für circa 20 Kilogramm Insektenbiomasse und 10 Kilogramm Biovogelmasse.»
Über 95 Prozent Raufutter
Um die Viehwirtschaft klimafreundlicher zu machen, müssten wir die Kühe aber wieder «in die ökologische Nische stellen, wo sie hingehören – nämlich als Raufutterverwerter aufs Grünland», forderte Schmidtke. Konkret müsse der Raufutteranteil auf über 95 Prozent gesteigert werden (aktuell liegt er bei 84 Prozent). Damit reduziere sich die Menge der gehaltenen Tiere, was sich günstig aufs Klima auswirke. Zudem müsse das Grünland konsequent auch als Futtergrundlage für Schweine und Geflügel genutzt werden. Bei Legehennen könne man zum Beispiel rund einen Drittel des Kraftfutters durch Weissklee ersetzen.
Eine längere Lebensdauer der Milchkühe, Agriphotovoltaik und mehr klimafreundliche Pflanzen im Grasland könnten ebenfalls einen Beitrag zur Klimaneutralität leisten. Hornklee zum Beispiel reduziere den Methanausstoss der Kühe um bis zu 30 Prozent, Spitzwegerich senke die Lachgasemissionen. Und wieso nicht mithilfe der modernen Technologie versuchen, die Proteinressourcen des Grünlandes direkt für die menschliche Ernährung nutzbar zu machen? «Ein Kleeburger müsste doch eigentlich möglich sein.»