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«Alle Küken sollen leben»

Bio Suisse steigt mit einer Übergangsfrist von vier Jahren aus der Kükentötung aus. Bio-Landwirtinnen und -Landwirte sollen zukünftig entweder auf Zweinutzungsrassen oder auf die Bruderhahnmast setzen. Bio-Eier werden teurer werden.

von Renate Hodel/lid

Adrian Schlageter erläuterte an der DV von Bio Suisse den «Ausstiegsplan Kükentöten». (Renate Hodel/lid)
Das Töten männlicher Küken von Legelinien sei ein grosses ethisches Problem in der Eierproduktion und die Thematik beschäftige die Knospen-Produzentinnen und -Produzenten sowie die Branche schon seit längerem, führte Adrian Schlageter von Bio Suisse anlässlich der Delegiertenversammlung des Dachverbandes aus.
Von Konsumentinnen und Konsumenten und auch von Medien würden kritische Fragen gestellt und Lösungen gefordert. Und in letzter Zeit sei der Druck mit Blick auf das benachbarte Ausland noch gestiegen: So hat Deutschland das Kükentöten per 2022 verboten – Frankreich folgt voraussichtlich und diverse europäische Agrarminister haben sich für eine EU-weite Regelung ausgesprochen. In der Schweiz liegt ein entsprechender politischer Vorstoss aktuell beim Bundesrat – die Behandlung und entsprechende Abstimmung im Parlament steht noch aus. Ein allfälliges schweizweites Verbot des Kükentötens zieht sich also noch hin.
Ausstiegsplan
Für Knospen-Produzentinnen und -Produzenten wird die Abkehr von der Kükentötung aber bereits konkret. Das Ausstiegsszenario von Bio Suisse sieht vor, dass nach einer vierjährigen Übergangsfrist ab dem 31. Dezember 2025 das Kükentöten für Bio-Suisse-Betriebe verboten und alle für die Knospen-Eierproduktion ausgebrüteten Küken aufgezogen werden sollen. Bei der Umsetzung dieses Zieles spiele der Wechsel auf ein Zweinutzungshuhn eine zentrale Rolle, erläuterte Adrian Schlageter den Ausstiegsplan weiter. Die Aufzucht und Mast von männlichen Legehybriden – die sogenannte Bruderhahnmast – sei ebenfalls umsetzbar, wie das Beispiel Österreich zeige, wo bereits seit 2016 im Bio-Sektor kein einziges Küken mehr getötet werde und alle männlichen Küken als Bruderhähne aufgezogen würden.
In-Ovo-Verbot
Um den «Bioweg» zu stärken sowie Investitionssicherheit und Klarheit zu garantieren, beinhaltet der Ausstiegsplan von Bio Suisse ausserdem ein explizites Verbot der In-Ovo-Technologie: Mit der In-Ovo-Technologie kann – frühestens am 9. Tag – eine Geschlechtsbestimmung im befruchteten Ei gemacht werden. So können die Eier zum Ausbrüten selektioniert werden, die weibliche Küken hervorbringen. Allerdings würden die aktuell verfügbaren Methoden vor allem aufgrund des späten Eingriffs als nicht biotauglich eingeschätzt, argumentierte Bio Suisse. Mit der In-Ovo-Technologie würde ausserdem das System mit Hochleistungshybriden zementiert, was nicht erwünscht sei.
Bio-Eier werden teurer
Die Annahme des Ausstiegsplans bedeute für die Knospen-Produzentinnen und -Produzenten, dass die Eier- und Pouletfleischproduktion wieder enger zusammenrücke und das bringe zwangsläufig grosse Veränderungen für den Eier- und Pouletmarkt mit sich. So dürften Bio-Eier aufgrund der tieferen Legeleistung von Zweinutzungshühner laut Bio Suisse in Zukunft teurer werden. Bei der Pouletmast werden die Auswirkungen geringer eingeschätzt, da die männlichen Küken im Rahmen der bestehenden Betriebe aufgezogen werden können.