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Zucker: Erklärung von Mailand soll ausgeweitet werden

Das Bundesamt für Lebensmittelsicherheit und Veterinärwesen (BLV) will die Erklärung von Mailand auf weitere Treiber des Zuckerkonsums, namentlich auf Milchdrinks, Quarkprodukte und Süssgetränke ausdehnen.

von pd/hps

Jede Schweizerin, jeder Schweizer konsumiert 110 Gramm Zucker pro Tag. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) empfiehlt dagegen einen Konsum von nur 50 Gramm. Zuckerkonsum erhöht das Risiko für nicht übertragbare Krankheiten wie Übergewicht, Diabetes und Herz-Kreislauf-Krankheiten. Jetzt strebt der Bund einen Deal mit Coca-Cola und anderen Süssgetränkeherstellern an, um Ziele festzulegen, wie der Zuckergehalt in Süssgetränken gedrosselt werden könne. Damit solle die  «helvetische Süssigkeitspandemie» in den Griff bekommen werden, wie die Luzerner Zeitung in einem Artikel schreibt.
In der Erklärung von Mailand haben sich 14 wichtige Hersteller der Lebensmittelindustrie und Detailhändler im 2015 anlässlich der Expo in Mailand in einem Memorandum of Understanding verpflichtet, den Zuckergehalt in Joghurts und Frühstückscerealien freiwillig zu reduzieren.
Jetzt soll die Erklärung ausgedehnt werden und weitere «Treiber des Zuckerkonsums», wie Milchdrinks, Quarkprodukte und Süssgetränke integriert werden. Dies ist die Antwort des Bundesrates auf eine Interpellation von Nationalrätin Laurence Fehlmann Rielle (SP, GE).
Ein runder Tisch zwischen Vertretern des Bundes und der Lebensmittelindustrie dazu hat Anfang November stattgefunden. Im Frühjahr 2022 sei ein weiteres Treffen geplant. Bis dann soll die Ausdehnung der Erklärung von Mailand unterschrieben werden.
Skeptisch ist Alois Gmür, Bierbrauer und Getränkehändler. Der Trend zu weniger süssen Getränken werde auch ohne politische Vorgaben anhalten, sagt er gegenüber der Luzerner Zeitung. Auch Rivella-Sprecherin Monika Christener betont, dass die Innovationen alle im Bereich der leichten, natürlich gesüssten Getränke lägen. Für  das Unternehmen, das bereits  1959 das zuckerlose Rivella Blau lancierte, sei Zuckerreduktion seit jeher ein wichtiges Thema. Es gehe darum, Ursachen und Schuldige für die Zunahme an übergewichtigen und fettleibigen Menschen zu suchen, wird Lorenz Hess, Berner Mitte-Nationalrat und Präsident der IG Erfrischungsgetränke, zitiert. Erfrischungsgetränke würden pauschal zu Verursachern gemacht.
Laurence Fehlmann Rielle ist sicher, dass die Lobby der Erfrischungsgetränke jegliche Regulierung bremsen werde, wie sie der Luzerner Zeitung sagt. Dabei habe man feststellen können, dass die Einführung einer Zuckersteuer wie etwa in Grossbritannien die effizienteste Massnahme sei, um Ziele im Bereich der öffentlichen Gesundheit zu erreichen.