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Getreidebranche steht vor Herausforderungen

Die Qualitätstagung der Branchenorganisation Swiss Granum vom Dienstag, 23. November stand im Zeichen der Nachhaltigkeit – und im Zeichen der schlechten Getreideernte 2021.

von wy

Ein Hauptthema der diesjährigen Qualitätstagung der Branchenorganisation Swiss Granum war die schlechte Brotgetreideernte. Mehrere Redner betonten, die diesjährige Ernte sei geprägt durch tiefe Erträge und tiefe Erntemengen bei allen Kulturen aufgrund des trockenen Aprils und des nassen Wetters ab Mai 2021. Teilweise waren die Ernten auch von Hagelschlag betroffen. Die vielen Niederschläge während der Ernte hätten die Erntequalität des Brotgetreides stark beeinträchtigt und auch zu Auswuchs geführt. Die backfähige Brotgetreidemenge liegt mit 304’079 Tonnen insgesamt rund 30 Prozent unter derjenigen des Vorjahres. Die Fehlmengen beim Brotweizen der Klassen Top und I können nur teilweise aus bestehenden Lagern kompensiert werden. Zur Sicherstellung der inländischen Versorgung hat die Branche beim Bundesamt für Landwirtschaft einen Vorbezug von Teilnehmen des Zollkontingents beantragt.
Neben der Brotgetreideversorgung sieht die Branche weitere Herausforderungen, etwa die Umsetzung des Absenkpfades für Nährstoffverluste und Pflanzenschutzmittel im Rahmen der Agrarpolitik, wie Thomas Weisflog, Vizedirektor von Swiss Granum verdeutlichte. Eine massive Einschränkung von Pflanzenschutzmitteln könne zu starken Ernteeinbussen führen. Der Bund müsse entsprechend dafür sorgen, dass die Anbaubereitschaft der Produzenten bei Getreide und Ölsaaten beibehalten werden könne. Darüber hinaus gelte es, die Sortenprüfung weiterzuentwickeln zum Beispiel bei der Toleranz der Rapssorten gegenüber Schädlingen.
Lorenz Hirt, Präsident von Swiss Granum, präsentierte die neue Marke «Schweizer Brot». Damit sollen Brote und Backwaren gekennzeichnet werden, die in der Schweiz hergestellt wurden und zu 80 Prozent aus Schweizer Mehl bestehen. Auf politischer Ebene erarbeite der Bundesrat Gesetzesgrundlagen für eine Deklarationspflicht des Produktionslandes für Brote und Backwaren, nachdem das Parlament einer entsprechenden Motion zugestimmt habe. Auf privatwirtschaftlicher Ebene dopple die Branche mit der Marke «Schweizer Brot» nach, sagte Hirt. Bis jetzt hätten sich 220 Bäckereibetriebe für die Marke registrieren lassen. Die Marke soll mit einer breiten Kampagne in Radio und den sozialen Medien beworben werden.
Vor der Qualitätstagung fand die Delegiertenversammlung von Swiss Granum statt. Als Ersatz für das langjährige Vorstandsmitglied Daniel Jakob wurde Urs Wellauer, Direktor des Schweizerischen Bäcker-Confiseurmeister-Verbandes, neu in den Vorstand gewählt.