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Haltbarkeit richtig verstehen, Lebensmittel retten

Viele verpackte Lebensmittel werden weggeworfen, obwohl sie noch einwandfrei sind - weil das aufgedruckte Datum abgelaufen ist. Die Arbeitsgruppe «foodsave2025» will mit klaren Leitlinien für Konsumenten und Hersteller das Verständnis für die Haltbarkeit von Produkten verbessern.

von pd/wy

Urs Vollmer, Leiter Nachhaltigkeit bei Frigemo, und Allex Stähli, Geschäftsführer bei Tischlein deck dich. (wy)
Insgesamt werden in der Schweiz jedes Jahr rund 2,8 Millionen Tonnen Lebensmittel vernichtet. Allein 100’000 Tonnen werden im Detailhandel weggeworfen. Ein grosser Teil davon könnte gerettet und für gemeinnützige Organisationen gespendet werden, wenn es für alle Akteure Klarheit darüber gäbe, wie mit dem Mindesthaltbarkeitsdatum MHD umzugehen ist.
Vor diesem Hintergrund schlägt die Arbeitsgruppe «foodsave2025» mit Vertretern von Fenaco, Föderation der Schweizerischen Nahrungsmittel-Industrien Fial, dem Verein Foodwaste.ch, der Hilfsorganisation Tischlein deck dich und der Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften ein neues Mindesthaltbarkeitsdatum «MHD+» vor. Damit wolle man eine zeitgemässe und sinnvolle Datierung von Lebensmitteln in der Schweiz einführen, hiess es an einer Medienkonferenz in Bern. Das MHD+ legt einen Zeitraum über das «normale» MHD hinaus fest, innerhalb dessen ein Produkt bei korrekter lagerung noch sicher und geniessbar ist. Das sind je nach Kategorie zusätzliche sechs bis 360 Tage.
Auch beim strikteren Verbrauchsdatum schlägt «foodsave2025» eine Änderung vor. Lebensmittel, die vor Ablauf des Verbrauchsdatums fachgerecht eingefroren und neu etikettiert werden, können als Tiefkühlprodukte weitere 90 Tage lang abgegeben und verwendet werden.
Von Wissenschaft und Bundesamt abgesegnet
Alex Stähli von Tischlein deck dich und Initiant von «foodsave2025» verspricht sich viel davon. «Für Lebensmittelhilfen wie Tischlein deck dich gewinnt das Tiefkühlen von ressourcenintensiven, wertvollen Produkten mit Verbrauchsdatum wie abgepacktes Fleisch, ein Zeitfenster, das sie bisher nicht hatten.»
Die Arbeitsgruppe hatte bereits einen Datierungs- und einen Spendenleitfaden erarbeitet. Im Auftrag des Bundesamtes für Lebensmittelsicherheit und Veterinärwesen BLV und unter der Federführung der ZHAW wurden diese Dokumente überarbeitet und auf Lebensmittelproduzenten zugeschnitten. «Der Datierungsleitfaden soll den Lebensmittelproduzenten dabei helfen, eine auf die jeweiligen Produkte zugeschnittene MHD-Datierung zu wählen», sagte Prof. Dr. Corinne Gantenbein, Lebensmittelmikrobiologin am Institut für Lebensmittel- und Getränkeinnovation der ZHAW. Der Leitfaden verschiebe gesundheitlich unbedenkliche Produkte aus der Kategorie «zu verbrauchen bis» in die Kategorie «mindestens haltbar bis».
«foodsave25» hat ferner ein A4-Blatt gestaltet, auf dem anschaulich erklärt wird, für welche Produkte welche Fristen gelten können. Dieses Blatt sei eine kleine Sensation und eine grosse gesellschaftliche Chance, sagte Urs Vollmer, Verantwortlicher Nachhaltigkeit beim Verarbeiter Frigemo. Alle Verarbeiter seien aufgefordert, ihre Datierungspraxis zu überdenken, die Konsumenten hätten mit dem Blatt das Rüstzeug, um konkret zur Nachhaltigkeit beizutragen.
Fial-Geschäftsführer Lorenz Hirt erklärte, die Kommission Nachhaltigkeit der Fial werde sich im Januar damit beschäftigen. Man müsse in der Industrie abklären, was tragfähig sei und wo diese private Initiative an ihre Grenzen komme. Er sei aber zuversichtlich, dass künftig mehr gespendet werde.
Claudio Beretta, Experte für Nachhaltigkeit an der ZHAW und Präsident von foodwaste.ch, betonte, die Detailhändler hätten eine Vorbildfunktion und seien wichtige Kommunikationspartner. Sie sollen im weiteren Prozess miteinbezogen werden.
Zwei verschiedene Daten
Bei Nahrungsmitteln geben zwei Daten über die Geniessbarkeit Auskunft: Lebensmittel mit Verbrauchsdatum müssen aus gesundheitlichen Gründen bis zu einem bestimmten Datum verbraucht werden. Das Mindesthaltbarkeitsdatum MHD garantiert hingegen die Produktqualität bis zu diesem Zeitpunkt, gibt aber keinen Hinweis auf eine gesundheitliche Gefährdung.