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Ein elektronisches Siegel schützt vor Etikettenschwindel

Mit einem elektronischen Siegel macht die Schuler St. Jakobs Kellerei ihre Weine fälschungssicher. Die blockchain-basierte Technologie stammt vom Zuger Start-up Authena.

von mos

Wurde die Flasche schon mal geöffnet? Das elektronische Siegel am Flaschenhals verrät es. Überlisten lässt es sich nicht. (zVg)
Bei seinen Weinen sollen die Kunden sicher sein, das zu bekommen, was auf dem Etikett steht: Schuler-Geschäftsführer Nicolas von Haugwitz. (zVg)
Wurde die Flasche schon mal geöffnet? Das elektronische Siegel am Flaschenhals verrät es. Überlisten lässt es sich nicht. (zVg)
Es ist ein spezieller Tropfen, den das Schweizer Weinhaus Schuler verkauft: Der «Château Marlen» stammt vom eigenen Weingut in Armenien, gekeltert aus der Rebsorte Areni, die auf vulkanischen Böden auf über 1400 Metern Höhe gedeiht. 3000 Flaschen des Jahrgangs 2019 bringt Schuler in den Handel, zum Subskriptionspreis von 32 Franken.
Speziell ist aber nicht nur der Wein, sondern auch dessen Flasche. Am Flaschenhals, unterhalb des Verschlusses, befindet sich ein elektronisches Sicherheitssiegel. Damit kann die Weinflasche von der Abfüllung bis zum Öffnen getrackt werden. «Mit dem Smartphone kann ganz einfach durch Scannen kontrolliert werden, ob es sich um den Originalwein handelt», erklärt Nicola Fantini, Gründer und Produktmanager von Authena. Das Schweizer Start-up hat das elektronische Sicherheitssiegel entwickelt, das Weinfälschungen weltweit verhindern soll.
Chip zeigt, ob Flasche geöffnet wurde
Panschen, Strecken, Etikettenschwindel: Weinfälschungen sind weltweit ein lukratives Geschäft und machen den Grossteil aller Lebensmittelfälschungen aus. Authena will mit seinem patentierten Siegel Fälschern das Handwerk legen. Schuler ist der erste Schweizer Weinhändler, der das System anwendet (siehe Kasten). Das Siegel bestätigt, dass der Inhalt des Weins in einwandfreiem Originalzustand ist und die Flasche nach deren Abfüllung nicht geöffnet wurde.
So funktioniert’s: Beim Abfüllen wird das Siegel angebracht. Im Siegel steckt ein kleiner NFC-Chip, wie er auch beim kontaktlosen Bezahlen eingesetzt wird. Hält man das Smartphone an den Chip, aktiviert man dessen elektromagnetisches Feld und der Chip sendet eine Information ans Handy – nämlich, ob das Siegel noch intakt ist. Dazu reicht der NFC-Leser, der auf neueren Handys standardmässig installiert ist. Wird die Flasche geöffnet, wird ein Schaltkreis des Chips unterbrochen und er meldet beim Scannen, dass die Flasche bereits geöffnet wurde. Auch wenn ein Fälscher versucht, den Chip von der Flasche abzulösen und auf eine andere Flasche aufzukleben, verändert sich der Schaltkreis und der Chip verrät die Manipulation. Der Chip lässt sich – anders als etwa ein QR-Code – auch nicht kopieren. Jedes Siegel ist mit einem Code in der Blockchain eingetragen und damit fälschungssicher.
Direkter Draht zu den Konsumenten
Das Siegel garantiert nicht nur die Authentizität des Weins. «Es bietet auch eine Möglichkeit, den Konsumenten mehr Informationen zum Produkt zu liefern», erklärt Nicola Fantini. Produzenten können Informationen, Bilder und Videos hinterlegen, um den Konsumenten Wissenswertes zum Produkt zu vermitteln, etwa Ernteberichte, Hintergründe zum Weinbau oder einen Link, um Wein nachzubestellen. Damit entstehe ein direkter Kommunikationskanal zwischen Herstellern und Endkonsumenten, der auch laufend aktualisiert werden könne, so Fantini. Um diese zusätzlichen Informationen auszulesen, braucht es die kostenlose App von Authena.
Medikamente, Pflanzenschutzmittel, Lebensmittel
Was beim Wein funktioniert, funktioniert auch bei vielen anderen Produkten. Der Chemiekonzern Lonza Specialty Ingredients (heute: Arxada) hat die Technologie von Authena zur Anwendung gebracht, um Pflanzenschutzmittel in Brasilien zu tracken, und ein internationaler Pharmakonzern schützt damit seine Medikamente vor Fälschungen. «Unsere Technologie ist neben Wein auch auf andere Lebensmittel anwendbar», sagt Nicola Fantini. Aktuell sei man mit einem Akteur aus der Fischbranche im Gespräch, um die Nachverfolgbarkeit seiner Produkte sicherzustellen. Auch bei Olivenöl, wo Fälschungen ähnlich wie beim Wein eine grosse Rolle spielen, könnte das Siegel zum Einsatz kommen. «Eigentlich überall dort, wo die Produzenten Wert auf Rückverfolgbarkeit, Authentizität und Integrität ihrer Produkte wert legen – und auf die direkte Kommunikation mit ihren Kunden», sagt Fantini.
authena.io