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Gute Aussichten für Schweizer Hafer und Soja

Die Nachfrage auf Bio aus der Schweiz hält an. Brotgetreide, Rapsöl und insbesondere Ackerkulturen, um den Proteinbedarf zu decken, sind gefragt. Die Mühlen und Vermarkter suchen Produzenten.

von hps

Der Trend zur Ernährung aus pflanzlichen Proteinen sorgt für eine hohe Nachfrage nach Soja & Co. aus Schweizer Anbau.
«Der Detailhandel sucht Biogetreide», sagte Fatos Brunner, Produktemanagerin von Bio Suisse, am Ackerbautag, durchgeführt vom Forschungsinstitut für biologischen Landbau FiBL. Zwar habe die Menge an Brotgetreide seit 2018 stark zugenommen, doch die Nachfrage steige ungebremst. Die Inlandanteile beim Bio-Brotgetreide lagen im schlechten Erntejahr 2021 für Weizen bei nur 48%,für Dinkel bei 43% und bei Roggen nur bei 10 Prozent. Für dieses Jahr rechnet das FiBl gemäss Brunner bei Weizen zwar mit 65%, für Dinkel mit 71% und für Roggen mit 70%, dennoch werde die Mehrmenge die steigende Nachfrage nicht decken können.
Weiterhin stark gesucht ist auch Rapsöl in Bioqualität. Gegenspieler sind hier die Schädlinge, Stengelrüssler und Rapsglanzkäfer, die im konventionellen Anbau bis anhin mit Insektiziden bekämpft werden können. Um resistentere Rapssorten zu erhalten, laufen nun gemäss Brunner Projekte, in denen das FiBL zusammen mit dem Bundesamt für Landwirtschaft BLW, der Fenaco und der Vermarktergenossenschaft Biofarm neue Sorten züchtet. Agroscope habe dazu an fünf Standorten sechs verschiedene Hybrid- und Populationssorten ausgesät, so Brunner.
Stark gesucht ist auch Biozucker, insbesondere weil Coop seine Joghurts mit Zucker aus Bio-Zuckerrüben süssen will. Auch die Konfitüren will der Grossverteiler auf die Bio-Variante umstellen, aber auch kleinere Konfitürenhersteller wie zum Beispiel Ottiger Spezialitäten aus Ballwil wollen laut Brunner auf Biozucker umstellen. Bio Suisse sucht darum Flächen für den Biozuckerrübenanbau. «Das Ziel ist, dieses Jahr auf 200 Hektaren zu kommen, was ungefähr 12’000 Tonnen Zuckerrüben ergibt», sagt Brunner. Dank neuer Food-Trends seien aber auch ganz andere Kulturen gefragt. Die Abnehmer setzten zum Beispiel auf glutenfreie oder vegane Produkte. Somit sei unter anderem Hirse, aber auch Hafer gefragt. Insbesondere Hafer habe in den letzten Jahren einen richtigen Siegeszug erlebt, sagte Hansueli Brassel von Biofarm in Kleindietwil.
Soja & Co.
Die Nachfrage nach Protein aus Pflanzen nehme nicht ab, sagte Melanie Rediger von Biofarm. Die Genossenschaft aus Kleindietwil hat kürzlich diverse Projekte mit verschiedenen Kulturen, wie Linsen, Kichererbsen, Auskernbohnen, Trockenerbsen, Lupinen, Ackerbohnen, gestartet. Diese Kulturen seien effizent für die menschliche Ernährung. Erstens würden sie satt machen und zweitens durch ihren hohen Gehalt an Kohlenhydraten und Ballaststoffen zu einer langsameren Verdauung anregen. Es gehe bei den Leguminosen auch darum, diese möglichst wenig zu verarbeiten, sagte Rediger. Im Anbau würden sie ausserdem den Luftstickstoff in den Wurzeln fixieren.
Ungebrochen ist auch der Trend zu Soja. «Wir vermarkten drei Viertel der Speisesojamenge der Schweiz», sagte Christian Rytz von der Mühle Rytz in Biberen. Dieser Proteinträger sei im schlechten Erntejahr 2021 der positive Lichtblick gewesen. Im Futtermarkt könnten die Mengen gar verzehnfacht werden, so Rytz und beim Speisesoja halte der Corona-Effekt an. Bio-Tofu sei in der Vegangenheit aus ausländischen Bohnen hergestellt worden. Jetzt würden die Verarbeiter Schweizer Soja suchen, so Rytz und alle bestehenden Kunden wollten die Mengen ausdehnen.
Bei aller Euphorie sei aber der Preis immer ein Schlüsselelement, sagte Hans-Georg Kessler von Biofarm. Die vegane Ernährung aus Schweizer Herkunft werde nämlich teuer und die Verarbeiter und die Detailhändler würden Druck auf die Preise ausüben. Aber: «Pseudo-Pouletgeschnetzeltes wird munter importiert», sagte Kessler. Dies seien gewaltige Mengen, die nicht einmal in konventioneller Qualität hergestellt werden könnten. Da sollte die Bio-Nische schon aus Schweizer Herkunft gedeckt werden können.