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Im Oregano ist häufig mehr als nur Oregano

Bei der Kontrolle von Gewürzen und Kräutern stellten die Behörden teilweise Beimischungen von anderen pflanzlichen Stoffen oder von unerlaubten Farbstoffen fest.

von pd

Das Bundesamt für Lebensmittelsicherheit und Veterinärwesen BLV führte gemeinsam mit den Kantonalen Labors vom 12. Juli 2019 bis zum 30. November 2021 eine Kontrollkampagne bei Gewürzen und Kräutern durch. Die Schweiz nahm damit an einer Kontrollkampagne teil, die von der EU durchgeführt wurde, um das Ausmaa möglicher betrügerischer Praktiken bei der Vermarktung von Kräutern und Gewürzen zu ermitteln.
Bei Kräuter und Gewürze ist gemäss EU das Betrugsrisiko besonders hoch. Die Nachfrage nach Gewürzen steigt, die lange und komplexen Lieferketten führten meist durch mehrere Länder, schreibt das BLV in seinem Bericht zu der Kontrollkampagne. Für die Konsumentinnen und Konsumenten sei es schwierig bis unmöglich, die Echtheit von Gewürzen zu beurteilen. Die Gefahr bestehe deshalb, dass den Kräutern und Gewürzen Stoffe beigefügt würden, die für die Konsumierenden gesundheitliche Risiken bedeuteten.
Am häufigsten sind der teilweise Ersatz durch andere pflanzliche Produkte, die Streckung durch Füllmaterial wie Stärke, Mehl, Staub, Gips oder andere Stoffe, die Färbung mit nicht zugelassenen Farbstoffen oder die Falschdeklaration als Bioware.
Untersucht wurden in der EU und in der Schweiz Kreuzkümmel, Kurkuma, Oregano, Paprika, Pfeffer und Safran. Insgesamt wurden 93 Proben erhoben, davon waren 66 farbig. Mit Chromatografie wurden synthetische Farbstoffe bestimmt, mit DNA-Analytik fremde Pflanzenarten.
Farbstoffe, Asche, andere Kräuter
Dabei wurden in einer Paprikaprobe der Farbstoff Allurarot (E 129) und in einer Safranprobe der Farbstoff Karminsäure (E 120) gefunden. Die beiden Stoffe sind nicht zur Färbung von reinen Gewürzen zugelassen.
Ferner wurde in Kreuzkümmel echter Kümmel und echter Koriander gefunden, in Oregano wurden Substanzen von Olivenblättern und erhöht Werte von Thymian, Salbei und Pfefferminze gefunden.
In einer Paprikaprobe wurde zu viel Asche gemessen, in weiteren Proben Knoblauch, Karotte und Tomaten. In einer Probe Pfeffer wurde zu wenig Piperin – ein wichtiger Inhaltsstoff von Pfeffer – gefunden.
Die prozentualen Anteile verdächtiger Proben liegen zwischen 6 Prozent bei Pfeffer und 31 Prozent bei Oregano. Bei Kurkuma wurden keine verdächtigen Proben gefunden.
In der EU liegt der Anteil der verdächtigen Proben zwischen 6 Prozent für Paprika und Safran und 48 Prozent für Oregano. Der durchschnittliche Anteil verdächtiger Proben von 17 Prozent (323 von 1885 Proben sei tiefer als die wissenschaftliche Literatur oder nationale Kontrollen nahegelegt hätten, heisst es in dem EU-Bericht.
Die Resultate in der Schweiz seien bezügllich dem Anteil verdächtiger Proben ähnlich wie in der EU, heisst es beim BLV. Das BLV hat die Resultate an die kantonalen Labore weitergegeben, diese müssen «die Resultate bei der Überprüfung der Selbstkontrolle der betroffenen Betriebe einbeziehen und wo nötig die entsprechenden Massnahmen ergreifen», wie es heisst. Das BLV wird die Ergebnisse gemeinsam mit den Kantonen analysieren und evaluieren, ob eine Nachfolgekampagne erfolgen soll. «Denkbar wäre eine gezielte Kontrolle von Oregano», sagt die BLV-Sprecherin Estelle Hain gegenüber foodaktuel.