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Bühler: stabiler Umsatz, mehr Bestellungen

Der Anlagenbauer Bühler hat letztes Jahr den Umsatz gehalten, sich aber deutlich mehr Aufträge gesichert. Gefragt waren unter anderem Produktionsanlagen für pflanzliche Proteine und Milchalternativen.

von pd/mos

Der Hauptsitz von Bühler in Uzwil (SG). (zVg)
CEO Stefan Scheiber. (zVg)
Mit 2,7 Milliarden Franken machte der Ostschweizer Technologiekonzern Bühler letztes Jahr gleich viel Umsatz wie im Vorjahr. Gleichzeitig konnte der weltweit tätige Konzern 2021 deutlich mehr Aufträge reinholen. Der Auftragseingang nahm um 16 Prozent auf 3,02 Milliarden Franken zu, wie Bühler am Dienstag mitteilte. Entsprechend lag auch der Auftragsbestand per Ende 2021 bei 1,9 Milliarden und damit mehr als einen Viertel über dem Niveau ein Jahr davor. Wegen des zeitlichen Abstands zwischen Auftragseingang und Umsatz im Anlagengeschäft sei der Aufwärtstrend beim Auftragseingang noch nicht im Umsatz sichtbar, heisst es in der Mitteilung weiter.
Batterieboom und alternative Proteine
Laut Bühler haben alle drei Geschäftsbereiche zur positiven Entwicklung des Auftragseingangs beigetragen. Der grösste Bereich Grains & Foods, der industrielle Prozesstechnologien und -lösungen für die Nahrungs- und Futtermittelindustrie anbietet, steigerte den Auftragseingang um 12 Prozent auf 1,8 Milliarden Franken, der Umsatz blieb mit 1,7 Milliarden stabil. Neben dem Müllereigeschäft trug auch die Nachfrage nach Verarbeitungsanlagen für pflanzliche Proteine oder Milchalternativen zum Wachstum bei. Bühler konnte sich ausserdem auch den ersten Auftrag für eine industrielle Insektenzuchtanlage des französischen Herstellers Agronutris sichern (foodaktuell berichtete).
Der grösste Zuwachs gelang dem Bereich Advanced Materials, der unter anderem die Automobilindustrie mit Spritzgussanlagen beliefert, mit einer Steigerung von 37 Prozent auf ein Auftragsvolumen von 620 Millionen Franken (Umsatz: 509 Mio, +15 Prozent). Der Bereich profitierte insbesondere vom Boom der Lithium-Ionen-Batterien für Elektroautos, Bühler verkauft Maschinen, die es zur Batterieproduktion braucht.
Kaffeerösterei mit 85 Prozent weniger CO2-Ausstoss
Das Schokolade-, Nuss-, Bäckerei- und Kaffeegeschäft (Consumer Foods) legte bei den Aufträgen um 6,5 Prozent auf 584 Millionen Franken zu, der Umsatz ging um 11 Prozent auf 509 Millionen Franken zurück, was der Verzögerung zwischen Bestelleingang und Bezahlung geschuldet sei, wie Bühler schreibt. Wachstumstreiber war das Waffel- und Biscuitgeschäft, ausserdem verlangten viele Kunden energieeffizientere Back- und Röstanlagen. So hat Bühler etwa die Anlagen für eine neue Kaffeerösterei des norwegischen Produzenten Joh. Johannson geliefert, die dank Biogas-betriebenen Röstern, Energierückgewinnung und Emissionskontrolltechnologien den CO2-Ausstoss um 85 Prozent und den Energieverbrauch um 50 Prozent gesenkt hat.
China wichtigster Einzelmarkt
Aus regionaler Sicht verzeichneten die Regionen Nord- und Südamerika, Europa, Naher Osten und Afrika sowie Indien den stärksten Aufschwung. Der grösste Einzelmarkt für Bühler war China. Trotz Engpässen in den Lieferketten konnte Bühler laut eigenen Angaben die Kunden pünktlich beliefern. Das sei dem starken globalen Produktions-, Liefer- und Servicenetz zu verdanken, heisst es in der Mitteilung weiter.
Über 400 Millionen für Forschung und Entwicklung
Bühler hat in den letzten drei Jahren die Ausgaben für Forschung und Entwicklung auf 429 Millionen Franken gesteigert. Allein letztes Jahr flossen 141 Millionen in die Entwicklung neuer Lösungen, das sind 5,2 Prozent des Umsatzes. Letztes Jahr lancierte Bühler 70 neue Produkte.
«Stärker als vor Corona-Krise»
Der operative Gewinn (EBIT) blieb mit 146 Millionen Franken wie der Umsatz praktisch stabil, womit auch die entsprechende Marge erneut auf 5,4 Prozent zu liegen kam. Der Reingewinn hingegen nahm um 3,2 Prozent auf 113 Millionen Franken zu. Seine Nettoliquidität konnte Bühler mit 329 Millionen Franken mehr als verdoppeln. In der Folge stieg die Eigenkapitalquote auf 47,2 Prozent. «Unsere Bilanz ist heute stärker als vor der Corona-Krise», wird Finanzchef Mark Marcus in der Mitteilung zitiert.
Fürs laufende Jahr rechnet Bühler damit, dass politische Spannungen, der Klimawandel, Probleme in den Lieferketten sowie die aufkeimende Inflation weiterhin beeinflussende Faktoren sein werden. Durch neue Kundenbedürfnisse würden sich aber auch neue Marktchancen ergeben. Angesichts des Wachstums beim Auftragseingang rechnet Bühler für 2022 mit einem höheren Umsatz.