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«Molke ist wichtig für die Lebensmittelindustrie»

Translait nimmt einen relevanten Teil der in der Schweiz anfallenden Molke ab und exportiert die Hälfte davon als hochwertige Nahrungsmittel. Vincent Stucky ist seit Anfang des Jahres Eigentümer des Unternehmens.

Vincent Stucky: «Unsere Aufgabe ist es, die Molke zu verwerten.» (hps)

foodaktuell: Sie sind seit diesem Jahr Alleinaktionär der Fima. Hat sich für Sie etwas geändert?
Vincent Stucky: Nein, eigentlich nicht. Ich war ja schon vorher Chef der Firma. Als Eigentümer befasse ich mich mehr mit der Strategie des Unternehmens und weniger mit dem operativen Geschäft.
Ihr Unternehmen hat ein starkes Wachstum hinter sich. Wie wird das verkraftet?
Es gibt andere Firmen, die später angefangen haben und heute grösser sind. Wir bleiben einfach unserem Kerngeschäft, der Molkeverwertung, treu. Mein Grossvater, der übrigens auch schon bilingue war, was ihm das Geschäft über die Sprachgrenze erleichterte, hat damit begonnen. Heute machen wir das immer noch – einfach in grösserem Stil.
Viele lebensmittelverarbeitende Unternehmen sind im Kanton Fribourg. Profitiert Translait vom Standort?
Im Umkreis weniger Kilometer haben wir viele milchverarbeitende Unternehmen, wie zum Beispiel Gruyère-Käsereien, Cremo und Elsa. Das erleichtert uns die Arbeit enorm. Zudem haben wir mit dem «Food-Cluster» auch Forschungsanstalten wie Agroscope Grangeneuve nahe, was wichtig ist, wenn wir neue Projekte und Ideen haben. Wir können zusammen Versuche und Entwicklungen machen. Ein Beispiel ist der Vergleich, ob Plastik aus Molke besser ist als Plastik aus Maisstärke.
In der Schweiz wird immer mehr Käse hergestellt, es entsteht immer mehr Molke. Gute Aussichten für Ihr Unternehmen?
Es ist eine grosse Herausforderung, die riesige Menge von jährlich ungefähr 150000 Tonnen Molke täglich zu sammeln, zu verarbeiten und zu verkaufen. Molke hat eine Haltbarkeit von vier Tagen. Von der Molke geht je die Hälfte in den Futtermittel- und in den Nahrungsmittelkanal. Wir kaufen zum Beispiel von Emmi und Cremo die Molke und verkaufen diversen Kunden und Partnern unsere daraus hergestellten Konzentrate. 95 Prozent der Lebensmittelkunden befinden sich im Ausland. Dabei liefern wir einen Grossteil der Exporte selber mit unseren Camions aus und transportieren zum Beispiel Orangensaft zurück.
Molke hat zwar ein «gesundes» Image. Gibt es aber auch Innovationen?
Wir suchen stetig nach Lösungen, um Molke in innovative Lebensmittel verarbeiten zu können. Doch die Kunden warten nie auf ein neues Produkt, ausser wir erfinden etwas ganz Neues. Molke spielt jedoch für die Lebensmittelindustrie eine wichtige Rolle. Zum Beispiel Proteinkonzentrate, entmineralisierte Molkekonzentrate mit 30 bis 60 Prozent Trockensubstanz oder Eiweissisolate für Babyfood, die pharmazeutische Industrie oder für Bäckereien.
Wo liegen die grössten Herausforderungen?
Bei Koscher- und Halal-Produkten besteht eine grosse Nachfrage. Die Produktion mit den Warenflüssen auf den riesigen industriellen Anlagen ist aber kompliziert, wenn Molke mit und ohne die erwähnten Qualitäten verarbeitet werden soll. Das betrifft insbesondere uns, weil wir im AOP-Gebiet arbeiten, wo die Käse noch mit Lab aus Kälbermägen hergestellt werden und nicht aus mikrobiellem Lab. Aber es gibt auch viele Märkte, wo dies nicht nötig ist und wir unsere Molke vermarkten können.
Zum Beispiel im Markt China. Warum stoppten Sie eigentlich das Projekt der Babymilchpulver-Fabrik mit dem chinesischen Partner in St. Aubin?
Jede Firma hat viele Projekte – auch wir. Eigentlich rede ich gerne erst über Projekte, wenn sie auch konkret werden. DasProjekt mit dem chinesischen Partner Synutra gelangte zu früh an die Presse. Wir haben aber dann einfach mitgemacht und die Fragen beantwortet. Das Projekt mit Synutra wäre sehr gross, aber machbar gewesen. Wir hätten die Rohstoffe garantieren können, sie hätten den Absatzmarkt gehabt.
Ist das Projekt jetzt definitiv gestorben?
Die Chinesen sagten damals, dass sie nicht mehr mitmachen können. Danach vereinbarte man eine Pause. Realistischerweise können wir aber heute sagen, dass das Projekt gestorben ist. Wir haben aber noch Kontakt mit den Projektpartnern und wir sind nicht böse auf sie.
Aber wurden denn keine Verträge gemacht?
Sicher machten wir Vorverträge. Aber einmal kommt der Moment, wo man diese auch unterschreiben muss. Da spürten wir, dass die Chinesen zurücktreten möchten. Es war fast absehbar, wir verfolgten die Entwicklung in Frankreich, wo Synutra plötzlich einen Vertrag mit einem Milchverarbeiter auflöste.
Gab es auch positive Aspekte aus diesem Abenteuer?
Wir haben viel gelernt, über die Märkte und die industriellen Schritte eines grossen Projektes. Und vielleicht können wir einmal für Synutra ein Basispulver machen.
Jetzt baut Translait ohne chinesische Hilfe.
Ja. Wir haben in Bulle noch Baulandreserven und wir haben dort für die nächsten 15 Jahre einen Masterplan gemacht. Das Projekt ist aber nicht mit demjenigen in St. Aubin vergleichbar – es ist viel kleiner.
Was wird dort gebaut? Braucht Translait noch mehr Produktionskapazität?
Wir investieren insbesondere in energetische Massnahmen und weitere Fraktionierungsmöglichkeiten für Molke, die dann noch stärker konzentriert und in Teilmengen entmineralisiert werden kann. Wir investieren dort zwischen 2 und 12 Millionen Franken und der Bau sollte kurz- bis mittelfristig realisiert werden.
Sie verarbeiten ja nicht nur Molke. Die Translait-Gruppe ist mit Milco und Swissfood auch im «klassischen» Milchproduktegeschäft präsent. Gerade der Käseexport lief im 2021 gut. Wie war es bei Ihnen?
Ja, wir exportieren einige Camions Käse pro Monat. Insbesondere das Geschäft mit Russland läuft gut. Dort haben wir mit Foodland einen Distributor, der auch selber Käse in grossem Stil herstellt, aber mit unseren AOP-Käse sein Sortiment natürlich sehr gut ergänzen kann (Anm. der Redaktion: Das Interview wurde vor der russischen Invasion in die Ukraine gemacht).
Translait übernahm Milco, als die Molkerei in finanzieller Schieflage dastand. Hat sich das Engagement gelohnt?
Die Übernahme im 2017 war eine gute Gelegenheit. Schon mein Grossvater kannte die ehemalige Besitzerfamilie Ropraz gut. Es gab viele Berührungspunkte und Synergien. Wir mussten grosse Beträge in die alte Infrastruktur investieren, aber es hat sich gelohnt.
Wie sehen Sie Ihr Geschäft in einigen Jahren?
Wir können sicher nicht plötzlich dreimal grösser werden. Unsere Aufgabe ist es, die Molke zu verwerten. Es kann ja nicht jede Käserei eine eigene Verwertungsanlage haben. Unser Geschäftsmodell wird aller Voraussicht nach stabil bleiben, kann sich aber je nach Marktentwicklung auch in eine andere Richtung entwickeln.
Vincent Stucky
Der 43-jährige Vincent Stucky arbeitet schon seit Jahren in der Firma seines Vaters, Edwin Stucky (68). Zuerst als Disponent, danach arbeitete er sich bis in die Geschäftsleitung vor. Auf den ersten Januar 2022 hat nun Vincent Stucky die Milchtransport- und Milchkoppelproduktefirma mit einem jährlichen Umsatz von über 80 Millionen Franken und 170 Mitarbeitern übernommen.
Das im Jahr 1953 gegründete Familienunternehmen liefert Produkte an die Landwirtschaft, insbesondere für die Kälberaufzucht und stellt für die Lebensmittelindustrie zahlreiche Produkte her, welche für die Herstellung von Babyfood, Biscuits oder Schokolade, unabdingbar sind.

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