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«Wir konnten gut reagieren»

Aglaë Strachwitz, CEO von McDonald's Schweiz, über die Folgen von Corona, das aktuelle und das künftige Sortiment. Sie wird am Swiss Agro Forum vom 6. Mai referieren.

von wy

«Auch während der Pandemie haben wir jährlich zwei neue Restaurants eröffnet.» Aglaë Strachwitz, CEO von McDonald's Schweiz. (McDonald's)
Wie liefen die Geschäfte im letzten Jahr? Wie stark hat die Corona-Pandemie McDonald’s Schweiz im zweiten Jahr betroffen?
Wir sind den Herausforderungen der Pandemie im vergangenen Jahr mit unserem bewährten Restaurantkonzept, der Stärkung der kontaktlosen Servicekanäle und engen Partnerschaften begegnet, um die Sicherheit der Gäste und Mitarbeitenden zu unterstützen. Durch die Ausdehnung des Heimlieferservices von 94 auf 110 Standorte, durch technische Fortschritte im McDrive und die neue Bestellmöglichkeit via App konnten wir mit unseren 47 Lizenznehmern auch 2021 gut auf die Umstände reagieren. Wir sind stolz, dass wir Burger-Pionier und Experten für Take-away und Restaurant-Convenience sind und so in der Lage waren, für die Gäste mit ihren unterschiedlichen Bedürfnissen da zu sein. Jeder Gast konnte auch in dieser speziellen Zeit nach seinem eigenen Schutz- und Genussbedürfnis entscheiden, welchen Service er bei McDonald’s in Anspruch nehmen möchte. Wichtig dabei ist, dass wir unseren Gästen und unsere Mitarbeitenden gut zuhören und uns so stets weiterentwickeln. Wir sind dankbar, dass wir auch in diesen Zeiten für unser Gäste und unsere 7’900 Mitarbeitenden da sein können.
Wie gross waren die Umsatzeinbussen?
Als Ländergesellschaft von McDonald’s Corporation kommunizieren wir keine Umsatzzahlen.
Können Sie etwas dazu sagen, in welchem Umfang McDonald’s-Filialen Härtefall-Entschädigungen vom Bund bezogen haben?
McDonald’s ist als Franchisingsystem ein Verbund von vielen KMUs, denn die 47 lokalen Lizenznehmerinnen und -nehmer betreiben rund 90 Prozent der 171 Schweizer McDonald’s-Restaurants als selbständige Unternehmer und Arbeitgeber. Je nach Restaurantportfolio waren die einzelnen Lizenznehmer unterschiedlich stark von den Auswirkungen der Pandemie betroffen – Restaurants in den Innenstädten ohne McDrive haben es mehr gespürt. Die Lizenznehmer mussten als Unternehmer selbst einen Antrag auf Härtefallhilfe stellen. Dies ist nicht in der Zuständigkeit von McDonald’s Schweiz. Für unsere eigenen Restaurants haben wir keinen Antrag für Härtefallhilfe gestellt.
Gab es Verlagerungen – weniger Kaffeekonsum am Morgen, mehr Lieferdienst-Bestellungen?
Seit 2019 können die Gäste Big Mac & Co. nach Hause bestellen. Nach dem gezielten Ausbau von über 65 weiteren Standorten seit Pandemiebeginn bieten heute 110 unserer Restaurants mit McDelivery einen schnellen Lieferservice an. Dies entspricht einem grossen Bedürfnis unserer Gäste.
Auch die 90 McDrives wurden noch stärker besucht. Wir haben die Servicezeiten am McDrive mit technischen Hilfsmitteln verkürzt und die Qualität verbessert.
Weil wir das Leben der Gäste noch einfacher machen wollen, haben wir das Servicekonzept mit neuen Technologien weiterentwickelt: Seit Februar 2021 können die Gäste mit myOrder direkt via Handy in der McDonald’s-App bestellen und bezahlen. So entfällt die Wartezeit an der Theke oder am Bestellautomaten und die Gäste können direkt im Restaurant Platz nehmen. Auch der Kaffee nach dem Essen ist mit myOrder schnell und unkompliziert an den Tisch bestellt.
McDonald’s will in der Schweiz weitere 30 Filialen eröffnen. Welche Art von Standorten haben Sie vor allem im Visier?
Auch während der Pandemie haben wir jährlich zwei neue Restaurants eröffnet. Für dieses Jahr planen wir fünf neue Standorte, denn wir wollen immer nahe am Leben unserer Gäste sein. Also dort, wo sie arbeiten, wohnen, einkaufen und ihre Freizeit verbringen.
Die letzten vier Restaurants haben wir in Affoltern am Albis (ZH), Martigny (VS), Hendschiken (AG) und Zizers eröffnet (GR) – schön verteilt in der ganzen Schweiz. Am 23. März haben wir in Winterthur Grüzemarkt in einem Einkaufszentrum ein weiteres Restaurant eröffnet und im April folgt das Nächste in Embrach, an verkehrsgünstiger Lage mit McDrive.
Welchen Stellenwert haben vegetarische und vegane Menüs? Werden Sie neben Poulet auch Rindfleisch durch pflanzliche Alternativen ersetzen?
Wir bieten Genuss für alle – auch für Flexitarier und Vegis. Bereits 1996 haben wir unseren ersten Vegi Burger in der Schweiz lanciert. Also vor 25 Jahren. Unsere Restaurants haben ihr Angebot auf viele Vegi-Burger ausgebaut, denn jeder Poulet-Burger kann als Vegi-Variante bestellt werden. So auch der Caesar Salat. Der feste Biss und die feine Würze des Vegi-Plätzli kommen bei unseren Gästen sehr gut an.
Die Einführung von einem veganen Burger ist aktuell nicht geplant, da das Bedürfnis danach in der Schnellservicegastronomie noch klein ist. Wir hören unseren Gästen aber genau zu, testen laufend neue Produkte und passen unser Angebot bei Bedarf an. Unsere Beef- und Chickenburger sind immer noch sehr gefragt bei unseren Gästen.
Welche Art von neuen Menüs können die Kundinnen und Kunden erwarten?
Wir sind der Burger-Pionier in der Schweiz. Es macht uns glücklich, dass wir als McDonald’s vor bald 45 Jahren den Burger-Genuss der Schweiz näherbringen konnten. Und dass Burger heute hierzulande in aller Munde sind. Was uns antreibt: Die besten Burger zu machen und mehr Geschmack zu bieten. Wir haben eine neue Poulet-Linie mit knusprigen Chicken und feiner Sauce im Brioche-Bun lanciert. Für uns ist die richtige Balance zwischen Klassikern und saisonalen Abwechslungen wie der beliebte McRaclette essenziell, denn der Big Mac ist und bleibt der Held unserer Gäste.
Viele Rohstoffe wie Fleisch, Öl, Brötchen oder Kartoffeln bezieht McDonald’s aus der Schweiz. Weshalb klappt es beim Käse nicht richtig?
Ja, wir setzen auf langjährige Lieferanten wie Bell und Emmi sowie 6900 Schweizer Bauern. 2021 haben wir Lebensmittel für 185 Millionen Franken eingekauft; 87 Prozent bei Schweizer Lieferanten. Insgesamt haben wir 29 Millionen Franken mehr für unsere Zutaten ausgegeben, davon 27 Millionen von Schweizer Firmen. Sie sehen, es ist uns wichtig, möglichst lokal einzukaufen, sind aber natürlich abhängig von weiteren Faktoren. Den naturgereiften Käse für unseren McRaclette Burger kaufen wir seit vielen Jahren bei Emmi ein. Doch für unsere Schmelzkäse-Scheiben gibt es in der Schweiz leider keinen Lieferanten mit dem richtigen Maschinenpark. Für uns ist wichtig, dass die Scheiben nicht einzeln verpackt sind (kein Plastikabfall) und dies bietet leider niemand hierzulande in den Mengen an, die wir benötigen.
Wie entwickelt sich der Lieferdienst? Ist es eher ein Nischenangebot oder ist da richtig Zug drin?
Lieferdienst entspricht einem grossen, wachsenden Bedürfnis unserer Gäste. Nach dem gezielten Ausbau von über 65 weiteren Standorten seit Pandemiebeginn bieten heute 110 unserer Restaurants mit McDelivery einen schnellen Lieferservice an.