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Neue Rohstoffe, neue Technologien

Das Innovationsnetzwerk Swiss Food and Nutrition Valley hat die sogenannte Impact Platform on Sustainable Protein lanciert. Die Palette der nachhaltigen Proteine wird immer breiter.

von wy

Mit der neuen Platform for Sustainable Proteins sollen Akteure vernetzt werden. ( SFNV)
Lukas Böni, Mitgründer von Planted. (Planted)
Andrew D. Ive, Geschäftsführer von Big Idea Ventures. (Big Idea Ventures)
Mariana Nieto de Leon, Product Manager bei Bühler. (Bühler)
Schweizer Start-ups, die sich mit nachhaltigen Proteinen beschäftigen, gibt es schon einige. Auch die Institutionalisierung der Branche nimmt Formen an, im letzten Jahr wurde der Verband Swiss Protein Association gegründet, dessen Ziel die Förderung von alternativen Proteinen ist. Am Freitag, 17. März lancierte das Innovationsnetzwerk Swiss Food and Nutrition Valley die «Impact Platform on Sustainable Protein». die Akteure aus diesem Bereich zusammenbringen soll. Es ist die zweite Plattform, nachdem im letzten Jahr eine Plattform zu Precision Nutrition lanciert worden war. Mit einem Online-Anlass unter dem humoristischen Titel «High-Steaks Conversation» und mit über 100 Teilnehmern wurden ein paar Schlaglichter auf den aktuellen Stand im Bereich alternative Proteine präsentiert.
Geschmack, skaliert
Lukas Böni, Mitgründer und Forschungsleiter der inzwischen bestens bekannten Firma Planted, illustrierte deren rasante Entwicklung. Erst im 2018 gegründet, hat Planted heute 172 Mitarbeitende und ist in 4200 Läden in der Schweiz, Deutschland, Grossbritannien, Frankreich, Italien und Österreich präsent. Dazu kommen 1700 Gastronomie-Standorte und ein Webshop, mit dem ganz Europa beliefert wird. Planted hat in mehreren Finanzierungsrunden insgesamt 43 Millionen Franken eingesammelt und bisher sechs Patente angemeldet.
Entscheidend sei immer die Skalierbarkeit, sagte Böni. Sobald ein neu entwickeltes Produkt hervorragend schmecke, gelte es, die Produktion zu skalieren und die Kosten zu senken, um am Markt eine Wirkung zu erzielen.
Das Sortiment besteht heute aus acht Produkten, von pflanzlichem Poulet-Geschnetzeltem über pflanzlichen Kebab und Pulled-Pork-Alternative bis zum veganen Schnitzel. Man setze einen starken Fokus auf Textur, sagte Böni, nebst dem Prozess der Nassextrusion soll künftig Fermentation helfen, komplexere und fleischähnlichere Strukturen zu bauen, aber auch geschmackvollere und saftigere Stücke zu produzieren. Als «next generation products» sollen alternative Produkte zu Bratwurst, Braten, Chicken Nuggets oder Pouletbrust möglich werden.
Insekten – zuerst im Futter, später im Teller
Mariana Nieto de Leon, Product Manager beim Technologiekonzern Bühler, betonte das Potenzial von Insekten. Weltweit entstünden aus der Lebensmittelproduktion jährlich über eine Milliarde Tonnen Nebenprodukte, sagte sie. Insekten würden künftig bei der Verwertung dieser Nebenprodukte eine grosse Rolle spielen. Idealerweise könnten so 70 Prozent der enthaltenen Proteine und andere Inhaltsstoffe gewonnen werden – für die Tierfütterung, als Lebensmittelzutaten oder als Dünger. Dasselbe gelte übrigens auch für Food Waste aus dem Detailhandel oder aus den privaten Haushalten.
Konkret werden die organischen Abfälle aufbereitet und als Futter für Soldatenfliegenlarven verwendet. Die Larven werden nach dem Wachstum vermahlen und dienen in erster Linie als Tierfutter. Die Reste aus dem Prozess können als Dünger verwendet werden. Bühler baut in Frankreich die erste Insektenfarm, wo künftig pro Jahr 70’000 Tonnen organische Abfälle verwertet werden sollen.
Nieto de Leon rechnet damit, dass bis ungefähr 2025 Insektenfutter vor allem als Tierfutter verwendet wird. Bis 2030 sollen Aquakulturen und die Hühnerhaltung dazukommen und später werde wohl auch die Akzeptanz für Insekten in der menschlichen Ernährung steigen. Interessant sei auch, dass das Insektenmehl Laurinsäure enthalte, die ermögliche, dass Hühner Futter besser verwerten und die Sterblichkeit verringert wird.
Pflanzenbasiertes zieht am meisten Geld an
Andrew D. Ive schaut mit dem Blick des Investors auf alternative Proteine, seine Firma Big Idea Ventures gehört zu den Financiers der Branche und bietet Start-ups als Accelerator für fünf Monate Unterstützung. So könne man die Firmen gut kennenlernen und auch selber viel lernen und letztlich klüger investieren, sagte Ive. Investiert wird in den drei Bereichen Plant-based, Cell-based und Fermentation. Big Idea Ventures hat 62 Prozent der Gelder im Bereich Plant-based investiert, 24,5 Prozent im Bereich Cell-based, 12 Prozent im Bereich Fermentation und 1,5 5 in anderen Technologien. 44 Prozent der unterstützen Firmen stammen aus den USA, 29 Prozent aus dem Raum Asien-Pazifik und 16 Prozent aus Europa. Interessant sei auch, dass 63 Prozent der Firmen ganz oder teilweise von Frauen geführt würden.
Die Fermentation entwickle sich rasch, sagte Ive, einerseits für die Produktion von grossen Mengen von Proteinen, andererseits als Precision Fermentation für funktionale Ingredienzen. Auch im Bereich Cell-based passiere auch viel, etwa bei der Entwicklung von Stützstrukturen für Fleischersatzprodukte. Wichtig sei schliesslich auch, dass neue Rohstoffe erschlossen würden, fand Ive. Heute basiere fast alles auf Weizen, Soja oder Erbsen. Dabei gebe es viele weitere interessante Rohstoffe wie Pilze, Lupinen, Früchte wie Jackfruit oder auch das Enzym Rubisco, das für die Einbindung von C02 bei der Photosynthese sorgt.