Datum: Branche:

Der Gruyère kommt ins Museum

Wie viel Kraft braucht es, um einen Gruyère-Laib zu wenden? Und wie verändert die Reifung den Geschmack? Antworten gibts in der neuen Wechselausstellung im Milchwirtschaftlichen Museum in Kiesen.

von mos

Museumsleiter Peter Berger posiert mit einem der Fake-Gruyère-Laibe. (mos)
Neben den traditionellen Werkzeugen der Gruyère-Produktion auf der Alp zeigt die Ausstellung auch die moderne Seite der Gruyère-Herstellung. (mos)
Bis Ende Oktober 2023 ist der Gruyère AOP zu Gast im Milchmuseum in Kiesen. (mos)
Wer Lust hat, darf eine Käserschürze und eine Gruyère-Mütze anziehen und ein Selfie als Käserin oder Käser machen. (mos)
(mos)
Schon seit über 900 Jahren wird Gruyère produziert. In den letzten 25 Jahren hat sich der Hartkäse aus der Westschweiz zur stärksten und erfolgreichsten Käsesorte der Schweiz gemausert. Wer wissen will, wie der erfolgreiche Traditionskäse heute hergestellt wird und welche strengen Regeln die über 1800 Milchbäuerinnen und -bauern, die 160 Dorf- und 50 Alpkäsereien und 11 Affineure dabei beachten müssen, der ist im Milchwirtschaftlichen Museum in Kiesen in der Nähe von Thun an der richtigen Adresse. Das Museum widmet dem Gruyère AOP seine aktuelle Wechselausstellung «seit 1115…!», die bis im Herbst 2023 läuft.
40 Kilogramm schwere Laibe
«Unsere Ausstellung soll alle Sinne ansprechen», sagte Museumskurator Peter Gerber bei der Vernissage am 4. April. Begrüsst werden die Besucherinnen und Besucher in der kleinen Ausstellung mit Vogelgezwitscher und Kuhglocken ab Band, der Blick fällt auf das wandfüllende Bild einer saftigen Alpwiese. Mit sieben Texttafeln führt die Ausstellung die Interessierten durch alle Stufen der Gruyère-Produktion, von der Milch über das Käsen und die Affinage bis hin zur Verkostung. Bei jeder Station werden die entsprechenden Vorschriften aus dem Pflichtenheft aufgeführt.
Auf zwei iPads geben Videos einen Einblick in die Produktion und Bäuerinnen, Käser und Affineure erzählen von ihrem Handwerk. Blickfang der Ausstellung ist ein echtes Käsereifungsregal aus Fichtenholz mit einem Dutzend Gruyère-Laibe aus Kunststoff. Wer Lust hat, kann sich eine Käserschürze umbinden und mit einem der Fake-Laibe im Arm ein Selfie machen. Aber Vorsicht: Nicht alle Kunststofflaibe sind hohl, drei davon wiegen mit rund 40 Kilogramm genauso viel wie ein echter Gruyère-Laib. Das vermittelt ein Gefühl dafür, wie anstrengend die tägliche Käsepflege vor Einführung der Pflegeroboter im Käsekeller war.
Natürlich wird auch der Geschmackssinn befriedigt. Am Schluss der kleinen Ausstellung gibts für die Besuchenden ein abgepacktes Degustationsplättli. Gleich vor Ort oder zuhause kann man damit vergleichen, wie sich der Geschmack des Gruyère mit längerer Reifung (6, 8 und 10 Monate) verändert.
Durchgehend zweisprachig
In den letzten zwei Jahren sind die Besucherzahlen im Museum Kiesen wegen der Pandemie in den Keller gesunken. Mit der neuen Wechselausstellung hoffen die Verantwortlichen wieder auf möglichst viele Besucherinnen und Besucher – auch aus der Romandie, der Heimat des Gruyère. «Die Ausstellung ist von A bis Z zweisprachig und wir Betreuer können alle auf französisch Auskunft geben», betonte Peter Gerber. Die Werbetrommel rührt auch die Interprofession du Gruyère, die sich für die Ausstellung stark ins Zeug gelegt hat. Gestaltet hat die Ausstellung die Berner Werbeagentur Numéro10, die auch die Kampagnen für den Gruyère macht. «Wir sind sehr zufrieden mit dem Resultat», sagte Philippe Gremaud, der Marketingchef der Sortenorganisation, bei der Vernissage.