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Sbrinz konzentriert sich auf die Schweiz

Die Sortenorganisation Sbrinz beackert den Heimmarkt Schweiz stärker und steckt dafür weniger in die Exportförderung. Die Strategie scheint sich unter dem Strich auszuzahlen, wie die Absatzzahlen vom letzten Jahr zeigen.

von mos

(zVg)
Ausgezeichnete Sbrinz-Käser (v.l.): Paul Barmettler, Alpkäserei Bleiki; Josef Gut, Käserei Gut, Buochs; Samuel Trachsel, Käserei Trachsel, Walde. (mos)
1375 Tonnen Sbrinz wurden letztes Jahr insgesamt verkauft, das sind 12 Tonnen mehr als im Vorjahr (+0,87 %). Der Export ist zwar um 17 Tonnen auf 99 Tonnen eingebrochen, ein Minus von fast 15 Prozent. Dafür ist der Absatz im Inland um 29 Tonnen auf 1276 Tonnen gestiegen (+2,33%). Die unterschiedliche Entwicklung der Verkäufe spiegelt die Strategie der Sortenorganisation. Der Fokus liege klar auf der Förderung des Absatzes in der Schweiz, hier habe man bewusst mehr Mittel eingesetzt, sagte Stefan Heller, Geschäftsführer der Sbrinz Käse GmbH, an der Gesellschafterversammlung vom 11. April in Sursee.
«In der Schweiz haben wir eine loyale Käuferschaft, eine hohe Kaufkraft und einen stabilen Markt», erklärte Heller. Im Export hingegen, der weniger als 10 Prozent des Absatzes ausmacht, hätten Aufwand und Ertrag nicht mehr gestimmt. Im Ausland werde man deshalb künftig «weniger und gezielter» in die Absatzförderung investieren, auch wenn man damit riskiere, Volumen zu verlieren. Dafür bleibe mehr Geld für das Marketing in der Schweiz. «Und hier gibt es noch grosses Potenzial, vor allem in der Westschweiz und im Tessin», sagte Heller.
Stärkere Zusammenarbeit mit Emmi?
In der Romandie soll der Sbrinz dieses Jahr mit Clips in den sozialen Medien und mit Messeauftritten bekannter gemacht werden. Im Tessin will Sbrinz dem italienischen Hauptkonkurrenten Parmesan Marktanteile abluchsen. Dazu will die Sortenorganisation die Zusammenarbeit mit dem Handel verstärken.
Die Sortenorganisation prüft auch, beim Marketing verstärkt mit der Milchverarbeiterin Emmi zusammenzuarbeiten, wie Sbrinz-Direktor Peter Hegglin die anwesenden Milchproduzenten, Käser und Händler informierte. Das Werbebudget von Parmesan sei um ein x-faches grösser als das von Sbrinz. Die Zusammenarbeit mit Emmi könne Sbrinz helfen, dem italienischen Mitbewerber, der auch in der Schweiz Werbung mache, Paroli zu bieten. Spruchreif sei das Projekt allerdings noch nicht, so Hegglin.
Im laufenden Jahr konzentriert sich die Sbrinz GmbH auf die beiden Kampagnen «20 Jahre AOP-Schutz» und «Gold der Alpen» sowie die Marketing- und Kommunikationsaktivitäten im Detailhandel und an diversen Veranstaltungen. Ferner engagiert sich die Sbrinz GmbH als Kranzpartner am Eidgenössischen Schwing- und Älplerfest in Pratteln.
Produktionsmenge von 1630 Tonnen
Für das Produktionsjahr 2022 hat die Geschäftsleitung wie im Vorjahr 1630 Tonnen freigegeben, inklusive 120 Tonnen Industrieproduktion. Die Lagerbestände betrugen Ende 2021 2479 Tonnen, praktisch gleich viel wie im Vorjahr (2454 t). Diesen «erfreulichen» Lagerbestand will die Sortenorganisation auch dieses Jahr halten.
Ab Mai gibt es fünf Rappen mehr
Sbrinz erhöht – wie andere Sorten auch – den Produzentenmilchpreis, um die gestiegenen Produktionskosten auszugleichen. Ab Mai erhalten die Produzenten von Milch für die Sbrinz-Produktion fünf Rappen mehr pro Kilogramm Milch (konventionell und Bio). Der Milchpreis für Bio-Sbrinz war bereits Anfang Jahr um fünf Rappen erhöht worden, wegen strengerer Fütterungsrichtlinien von Bio Suisse.
Beste Käser ausgezeichnet
Sehr zufrieden ist die Sortenorganisation mit der Käsequalität. Der Taxationsdurchschnitt im Jahr 2021 (Produktion 2020) liegt bei 19,62 Punkten – bei einem Maximum von 20 Punkten. Der Höchstwert bei den Alp- und Talbetrieben lag bei je 19.90 Punkten. Für den besten Sbrinz AOP aus der Produktion von 2020 wurde Josef Gut von der Käserei Gut in Buochs NW (19.90 Punkte) geehrt, auf Platz 2 landete Samuel Trachsel von der Käserei Trachsel in Walde SG (19.83 Punkte). Beide standen bereits letztes Jahr auf dem Podest. Den besten Alp-Sbrinz 2020 machte Paul Barmettler von der Alpkäserei Bleiki in Oberdorf NW mit 19.90 Punkten.
Gewürdigt wurde an der Versammlung ausserdem Guido Wolfisberg von der Dorfchäsi Wolfisberg in Alpnach Dorf OW. Sein Sbrinz hat an den World Cheese Awards 2021 in Oviedo (Spanien) eine Goldmedaille geholt.