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Weniger Schulden und ein kleiner Gewinn

Milchverarbeiter Hochdorf konnte im letzten Jahr Schulden abbauen und wieder in die Gewinnzone kommen. Der neue CEO Ralph Siegl will weg von grossen Milchvolumen hin zu grossen Margen.

von wy

Ralph Siegl, früherer CEO von Läderach Chocolat, ist seit Mitte Januar CEO der Hochdorf Group. (Hochdorf)
Seit 1908 wird im luzernischen Hochdorf Milch verarbeitet. Damals begann die Schweizerische Milchgesellschaft mit der Produktion von Babynahrung und Milchpulver. Ende 2023 ist damit Schluss. Bis dahin werden die Produktionsanlagen von Hochdorf ins thurgauische Sulgen verschoben.
Das ist nichts Neues, es wurde schon im Herbst 2021 bekannt gegeben, noch unter dem früheren Hochdorf-CEO Peter Pfeilschifter. Sein Nachfolger Ralph Siegl, seit Mitte Januar im Amt, wird nicht nur diesen Umzug umsetzen. Er will das Unternehmen strategisch neu positionieren und einen Paradigmenwechsel vollziehen, wie er am 14. März vor den Medien betonte. «Hochdorf wird vom Milchverarbeiter zum Milchveredler.»
Man müsse weg von hohen Milchvolumen hin zu hohen Margen. Weg von Regulierprodukten wie Rahm und Standardmilchpulver, hin zu anspruchsvolleren Milchingredienzen für die Ernährung von Babys, Senioren oder Kranken, aber auch zu laktosefreiem oder veganem Milchersatzpulver für die Schokoladenindustrie. Neu entwickelt und lanciert wurde eine Bimbosan Ziegenmilch oder die Spezial-Babynahrung Riso PH.
«Smart Nutrition» heisst das Stichwort, mehr Nähe zum Endkundenmarkt und höhere Margen sind das Ziel. Milch werde der wichtigste Rohstoff bleiben, machte Siegl klar, aber man wolle sich nicht von mehr den Milchpreisdiskussionen «durchs Dorf treiben lassen». Der Bereich Baby Care soll wichtiger werden, der Bereich Food Solutions, die Belieferung der Schokoladenindustrie, kleiner, aber profitabler. Hochdorf sei künftig ein Technologiekompetenzzentrum und werde sich auch als solches darstellen.
Man werde sämtliche Kundenbeziehungen und Sortimente überprüfen, sagte Siegl weiter. Teilweise steckt Hochdorf in unvorteilhaften Lieferverträgen, angesichts der zu erwartenden Milchpreissteigerungen im laufenden Jahr sollen diese neu ausgehandelt und Preiserhöhungen durchgesetzt werden.
Teure Rohstoffe, schwache Schokoladenverkäufe
Schon 2021 haben hohe Milchpreise Hochdorf das operative Geschäft «verhagelt», wie es Siegl ausdrückte. Der Umsatz stagnierte bei 303,5 Millionen Franken, das Betriebsergebnis EBITDA lag mit 24715 Mio. Franken gut 74 Prozent über dem Vorjahr, unter dem Strich entstand immerhin ein Gewinn von 2,5 Mio. Franken, nach einem Verlust von über 70 Mio. Franken im Vorjahr. Teure Milch war aber nicht das einzige Problem. Auch Energie, Weissblech für Büchsen und andere Rohstoffe wurden teurer, und die Einschränkungen durch die Corona-Pandemie belasteten vor allem das Geschäft mit den Schokoladenherstellern.
Hochdorf konnte hingegen beim Schuldenabbau vorwärtsmachen, der Verkauf der Liquidität verschlingenden Vertriebstochter Pharmalys brachte 30 Mio. Franken ein, das Areal in Hochdorf gut 50 Mio. Franken. Damit beträgt das Fremdkapital bei Hochdorf noch 57 Mio. Franken. Die Konzentration auf Sulgen wird ab 2024 weitere operative Einsparungen bringen.
Problemfall Pharmalys
Im Bereich Baby Care sank der Umsatz um 15 Prozent auf 85 Mio. Franken. Hier bleibt Pharmalys als grösster Kunde ein Problemfall, das Unternehmen schuldet Hochdorf noch 56 Mio. Franken. Gemäss Hochdorf wurde eine langfristige Abnahmegarantie bis 2026 vereinbart, gleichzeitig wolle man das Cash-Management und die Zahlungsflüsse in die betreffenden Märkte im Mittleren Osten und Nordafrika optimieren. Mit den eigenen Marken Bimbosan und Babina konnte Hochdorf den Umsatz um 2,5 Prozent auf knapp 25 Mio. Franken steigern.
Im Bereich Food Solutions stieg der Umsatz um 6 Prozent auf 219 Mio. Franken. Hintergrund ist die Erholung der Schweizer Schokoladenindustrie vor allem im zweiten Halbjahr 2021. Hier gab es laut Siegl eine Aufholjagd, die Nachfrage nach Milchpulver übersteige derzeit das Angebot.
Schliesslich hat Hochdorf mit Emmi eine Kooperartion vereinbart, Hochdorf wird für Emmi Spezialitätenpulver mit und ohne Milch produzieren.
Für das laufende Jahr gab Hochdorf keine Prognose ab, diese soll mit dem Halbjahresabschluss folgen. Im ersten Halbjahr soll unter der neuen Führung von CEO Ralph Siegel die erwähnte Sortimentsbereinigung und eine «Überprüfung der traditionellen Geschäftsbereiche» erfolgen.
Die Zahlen von Hochdorf
in Mio. Fr.                          2020       2021       +/-%
Umsatz                              306,2      303,5      -0,9
Umsatz Baby Care           100            84,7      -15
Umsatz Food Solutions   206,2       218,7      +6
EBITDA                                 13,9        24,7      +78
EBIT                                    -67,9          6,5
Reingewinn                        -70,2          2,6