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Ernährung: Sicherheit statt Selbstverwirklichung

Die Pandemie und der Ukraine-Krieg beeinflussen die Meinungen zu Ernährung und Bewegung. Grundlegende Bedürfnisse seien wieder wichtiger als Selbstverwirklichung, schliesst der neueste Monitor der IG Erfrischungsgetränke.

von pd

Bei Ernährungsfragen verschiebt sich der Fokus der Bevölkerung von Selbstverwirklichung und Selbstdarstellung zurück zu grundlegenden Bedürfnissen. Zu diesem Schluss kommt die neueste Ausgabe des Monitors Ernährung und Bewegung, den das Marktforschungsinstitut GfS Bern im Auftrag der IG Erfrischungsgetränke regelmässig erstellt.
Mit der Pandemie und dem Krieg in der Ukraine rückten Überlegungen zu Sicherheit und Kosten in den Vordergrund, heisst es weiter. Der Notvorrat gewinne neue Bedeutung. 54 Prozent der Stimmberechtigten in der Schweiz geben an, über einen solchen zu verfügen.
78 Prozent der Stimmberechtigten wünschen sich eine von Lebensmittelimporten unabhängige Schweiz, 70 Prozent sind bereit, Mehrkosten für in der Schweiz hergestellte Produkte zu tragen. Allerdings sind das Sicherheitsbedürfnis und geringe Preissensivität nur bei den älteren Generationen vorhanden. Die Generation Z (Jahrgänge 1995 – 2009) hingegen findet Notvorrat mehrheitlich unnötig und möchte für lokal produzierte Güter nicht mehr bezahlen.
Die Informiertheit der Schweizerinnen und Schweizer bezüglich Ernährung sinkt. So gaben 2014 noch 60%, täglich drei oder mehr Portionen Gemüse und Früchte zu essen, 2022 sind es noch 32%. Vor allem die jüngste Generation sei wenig interessiert an Ernährungskunde und empfinde auch Prävention und Aufklärung als unwichtig.
Das Wertebild sei konstant geblieben, heisst es weiter. Eigenverantwortung stehe vor staatlichen Interventionen, Information und Aufklärung vor Steuern und Gesetzen.
Die Einführung einer Zuckersteuer befürwortet weiterhin nur eine Minderheit von 25%. In der Deutschschweiz beträgt die Zustimmung nur 17%, in der Romandie und im Tessin ist sie mit 47 und 45% deutlich höher. Auch Preiserhöhungen oder Verbote für ungesunde Lebensmittel sind nicht mehrheitsfähig. Allerdings lasse sich eine Verschiebung hin zu einer grösseren Akzeptanz staatlicher Massnahmen beobachten. Hier habe sich wohl mit den Massnahmen während der Pandemie wohl eine gewisse Normalität eingeschlichen. Die Studienautoren rechnen damit, dass sich diese Verschiebung aufgrund der bestehenden Krisen fortsetzt.