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Wo Bio drauf steht, ist nicht immer Bio drin

Mehr als 2600 Verstösse gegen die Biovorschriften ahnden die Behörden in der Schweiz jedes Jahr. Davon sind rund 150 schwerwiegende Fälle, etwa wenn Lebensmittel als Bio deklariert werden, obwohl sie gar nicht Bio sind.

von sda/mos

(Symbolbild Pixabay)
Bio ist in der Schweiz beliebter denn je, der Umsatz mit den nachhaltigen Produkten stieg 2021 erstmals auf über vier Milliarden Franken. Das Vertrauen der Kunden sei dabei hoch, heisst es in einem Artikel der «Sonntagszeitung». Doch nun zeigten Recherchen der Zeitung, dass nicht immer Bio drin ist, wo Bio drauf steht. Die meisten Anbieter arbeiteten zwar tadellos. Doch jährlich komme es bei Kontrollen von Landwirten, Lebensmittelproduzenten, Importeuren und Händlern im Schnitt zu gut 2600 Verstössen gegen die nationale Bioverordnung, die Mindeststandards für die Branche vorgibt.
Meistens handle es sich dabei um Bagatellen. Immer wieder komme es dabei auch zu Etikettenschwindel, dass also konventionelle Lebensmittel als Bio verkauft würden – vom Brie-Käse bis zum Falafel. Urs Brändli, Präsident von Bio Suisse, spricht von vielen leichten Fällen ohne böse Absicht. Aber: «Wenn jemand bewusst die Regeln bricht, um für sich einen Vorteil herauszuholen, habe ich kein Verständnis.» Im Durchschnitt würden bei zehn Kontrollen zwei Verstösse festgestellt. Damit verfehle die Branche den nationalen Zielwert deutlich. Sara Stalder von der Stiftung für Konsumentenschutz spricht denn auch von einer hohen Beanstandungsquote. «Gerade wenn es um heimische Produkte geht, gilt eigentlich Nulltoleranz.»