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Fünf globale Konsumtrends für 2023

Die von der Dauerkrise erschöpften Menschen wollen sich wieder stärker auf sich konzentrieren und regionaler und bewusster konsumieren: Diese Trends prägen laut dem Marktforschungsinstitut Mintel die nächsten Jahre.

von pd/mos

Die Pandemiejahre empfanden junge Menschen als gestohlene Jahre. Jetzt wollen sie wieder stärker sich selbst feiern. (Pixabay)
Was wollen die Konsumentinnen und Konsumenten? In seinem soeben veröffentlichen Trendreport «Globale Verbrauchertrends 2023» prognostiziert das Marktforschungsunternehmen Mintel fünf Trends, die die globalen Konsummärkte nächstes Jahr und darüber hinaus prägen werden: Ich-Mentalität, alle Macht den Menschen, die grosse Erschöpfung, internationaler Regionalismus und bewusster Konsum, lauten die Schlagworte. Was ist damit gemeint?
Ich-Mentalität
Die Pandemiejahre waren vor allem für junge Menschen gestohlene Jahre. «Jetzt verspüren viele den starken Wunsch, sich wieder auf sich selbst zu konzentrieren», wird Mintel-Trend-Director Simon Moriarty in einer Mitteilung zitiert. Vor allem junge Konsumentinnen und Konsumenten wollten jetzt ihre Individualität stärker und bewusst feiern, sich neu erfinden und Neues ausprobieren. Entsprechend würden sie nach personalisierten Produkten und Dienstleistungen verlangen. Auch Produkte, die sich auf die mentale Gesundheit und Wellness konzentrieren, würden stärker nachgefragt, so Moriarty. Denn viele würden jetzt ihre Schwächen besser kennen und wollten aktiv an ihnen arbeiten.
Alle Macht den Menschen
«Unternehmen müssen auf Vorstandsebene Platz für ein neues Mitglied machen: den Verbraucher», kommentiert Moriarty den zweiten Trend. Mit ihrem Geld und ihrer Stimme hätten die Konsumentinnen und Konsumenten enormen Einfluss auf Unternehmen. Unternehmen müssten deshalb Modelle schaffen, mit denen Verbraucher in Unternehmen investieren und so den Wandel aktiv mitgestalten könnten. Denkbar wäre etwa, dass sich Verbraucher über NFTs (Non-Fungible Tokens) künftig die Teilnahme an Prämienprogrammen, exklusiven Clubs oder sogar Gewinnbeteiligungen erkaufen könnten.
Die grosse Erschöpfung
Pandemie, Krieg, Klimakrise, Energiekrise, steigende Lebenskosten: «Die Konsumentinnen und Konsumenten werden von einer Krise in die nächste gestürzt», so Mintel-Trendforscher Moriarty. Das führe zu einem Gefühl der Erschöpfung und Überforderung. Wenn sie wieder im Einklang mit ihrer Umgebung, ihrer Gemeinschaft und sich selbst seien, würden Verbraucher Trost und Sinnhaftigkeit finden. Unternehmen können laut Mintel den Menschen helfen, indem sie einerseits ihrem Wunsch nach Ablenkung und Erholung gerecht werden und ihnen andererseits auch die Möglichkeit bieten, zusammenzuarbeiten und neue Beziehungen aufzubauen – etwa in Form von gemeinnützigen Initiativen oder gemeinschaftsbasierten Projekten. Den ganz konkreten finanziellen Problemen der Menschen sollten die Unternehmen auch weiterhin mit Kosteneinsparlösungen begegnen, so Mintel.
Internationaler Regionalismus
In unsicheren Zeiten werden sich die Menschen laut Mintel «instinktiv den Innovatoren und Unternehmen aus der Region zuwenden, die ihre Produkte authentisch herstellen und verkaufen». Das könnten sich sowohl internationale als auch in der Region ansässige Unternehmen zunutze machen und mit regionalen Akteuren zusammenarbeiten oder Programme ins Leben rufen, die gezielt auf die Bedürfnisse der Community vor Ort eingehen. Es könnte sich auch eine Art globales Bewusstsein für einen «internationalen Regionalismus» entwickeln, so Mintel. Wobei Regionalismus dabei bedeuten würde, dass man die Community, in der das Produkt erzeugt wird, unterstützt – egal ob das nun der Gemüsebauer von nebenan oder eine Kaffeekooperative in Südamerika ist.
Bewusster Konsum
In Zeiten der Teuerung müssen die Menschen stärker aufs Geld achten – und konsumieren darum auch bewusster, so Mintel. In den nächsten 18 bis 24 Monaten würden die Menschen weniger Fleisch konsumieren, Produkte kaufen, die fast abgelaufen sind oder krummes Gemüse in den Einkaufskorb legen – schlichtweg, weil es günstiger sei. Das werde auf lange Sicht die Konsumgewohnheiten ändern. «Insgesamt werden Verbraucher nicht nur weniger Produkte kaufen, sie werden sich auch für langlebige, zeitlose Produkte entscheiden, die sie flexibel und in unterschiedlichen Kontexten nützen können», so Simon Moriarty von Mintel. Für die nächsten zwölf Monate prophezeit Mintel: «Der Preiskampf ist eröffnet.» Unternehmen würden versuchen durch ein besonders attraktives Preis-Leistungs-Verhältnis neue Kunden zu gewinnen und alte Kunden bei der Stange zu halten.
Die Kurzform des Trendreports 2023 kann gratis auf der Mintel-Website heruntergeladen werden. Die vollständige Fassung ist den zahlenden Kunden von Mintel vorbehalten.