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Die Zweinutzungskuh ist wirtschaftlich interessant

Simmentaler-Kühe geben weniger Milch als andere milchbetonte Rassen. Trotzdem mache eine solche Zweinutzungsrasse in Bergregionen auch wirtschaftlich Sinn, sagt eine neue Studie.

von pd/mos

Die Original-Simmentaler-Kuh ist gut an die Bergregionen angepasst - das macht sie auch wirtschaftlich interessant. (zVg)
Wie wirtschaftlich ist die alte Zweinutzungsrasse Original-Simmentaler (OS) im Vergleich mit milchbetonten Kühen? Das haben die HAFL und Agroscope in einer Studie im Auftrag des Vereins Simmentaler Original untersucht. Das Fazit der Forschenden: Die Simmentaler Kuh überzeugte in der Studie mit einem einfachen Management sowie tiefen Direktkosten, wie der Verein in einer Mitteilung schreibt.
Die Studie verglich 19 zufällig auswählte OS-Betriebe mit 56 Milchbetrieben ohne OS-Kühe. Eine Original-Simmentaler-Kuh gab laut der Studie mit 5’559 kg zwar deutlich weniger Milch als der eher milchbetonte Kuhtyp der anderen Betriebe (7’384 kg). Doch konnten die OS-Betriebe den entsprechenden Mindererlös in der Milch durch höhere Nebenerlöse aus dem Tierverkauf und den Direktzahlungen mehr als kompensieren. Die höheren Direktzahlungen waren insbesondere auf höhere Biodiversitätsbeiträge zurückzuführen. Sowohl die absoluten Direktkosten wie auch die Strukturkosten lagen bei den OS-Betrieben um 22 % bzw. 12 % tiefer als bei den Vergleichsbetrieben. Dabei wendeten die OS-Betriebe im Durchschnitt pro Kuh und Jahr 52 Stunden (-19 %) weniger Arbeit auf.
Original-Simmentaler gut an die Bergregion angepasst
Die OS-Betriebe erreichten bei einem ähnlichen Deckungsbeitrag absolut ein um 60 % höheres Jahreseinkommen aus der Milchviehhaltung, heisst es weiter. Bezogen auf die Fläche generierten sie ein um 34 % höheres Flächeneinkommen (Fr. 2954 vs. Fr. 2198) und je Arbeitsstunde eine um 76 % höhere Arbeitsverwertung (Fr. 18.70 vs. Fr. 10.60). Die besseren Ergebnisse stehen zumindest indirekt auch in Zusammenhang mit dem Kuhtyp, da geringere Einzeltierleistungen bei gleichzeitig guten Fruchtbarkeits- und Fitnesseigenschaften eine standortangepasste Produktion mit extensivem Futterbau, Weidehaltung und saisonaler Abkalbung ermöglichen. Damit wurden die vorhandenen lokalen Ressourcen wie Sömmerungsflächen oder Biodiversität offensichtlich wirtschaftlich erfolgreich in Wert gesetzt.
Die Zweinutzungsrasse «Original Simmentaler» scheint laut den Studienautoren eine wirtschaftlich interessante Option zu sein, weil ihre gute Anpassung an den Standort ein arbeitssparendes Management erlaubt, die Direktkosten tief hält und mehr extensive Flächen ermöglicht, welche Biodiversitätszahlungen auslösen.