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«Urlaub für den Gaumen» aus Gümligen

Mit seinen Gewürzmischungen will das Start-up «Taste the World» das Kochen von authentischen exotischen Gerichten kinderleicht machen. Dahinter steckt das Traditionsunternehmen Haco. Beim Sortiment darf die Kundschaft mitbestimmen.

von mos

Die Gründer (v.l.): Gianni Giger, Florian Iseli, Urs Wenger und Christian Schletti. (mos)
Die Gründer (v.l.): Gianni Giger, Florian Iseli, Urs Wenger und Christian Schletti. (mos)
Gewürzmischung und ein paar frische Zutaten - fertig ist das exotische Gericht. (zVg)
Bobotje, Lagman, Vada Pav: Drei Gewürzmischungen sind derzeit erhältlich, das Publikum darf mitbestimmen, welche hinzukommen sollen. (zVg)
Gewürzmischung und ein paar frische Zutaten - fertig ist das exotische Gericht. (zVg)
Wer gerne traditionelle Gerichte aus fernen Ländern kocht, kennt das Problem. Oft braucht es viele verschiedene Gewürze, die es nicht in jedem Laden gibt. Und am Schluss ist der Gewürzschrank voll mit Dutzenden angebrochenen Packungen, die man nie mehr braucht. Abhilfe verspricht das Start-up «Taste the World» aus Gümligen mit seinen Gewürzböxli. Jedes Kartonböxli enthält circa 35 Gramm Gewürzmischung. Zusammen mit wenigen frischen Zutaten kann damit ein Gericht für zwei Personen zubereitet werden. «Urlaub für den Gaumen», lautet das Versprechen.
«Wir machen kein 08/15-Curry», betont Co-Gründer Urs Wenger. Exotisch heisst bei «Taste the World» wirklich exotisch. Mit drei Gewürzmischungen ist das Unternehmen am Start; die Gerichte, die sich damit zubereiten lassen, kennen hierzulande wohl die wenigsten: Bobotie, ein würzig-süsslicher Hackfleischauflauf aus Südafrika, die indischen Kartoffelknödel Vada Pav und das kirgisischen Nationalgericht Lagman, ein Eintopf mit Gemüse und Fleisch, dem Sternanis die besondere Note verleiht.
«Der authentische Geschmack ist uns wichtig», sagt Co-Gründer Christian Schletti. Möglichst nah am Original wolle man sein. Bis zu 20 verschiedene getrocknete Gemüse und Gewürze sind in einer Mischung drin, verwendet werden nur natürliche Zutaten. Auf jedem Kartonböxli ist eine einfache Kochanleitung in Piktogrammen drauf, ein QR-Code führt zu einem kurzen Kochvideo. «Auch Ungeübten gelingen unsere Rezepte», sagt Wenger. Das Fleisch in den Rezepten lasse sich problemlos durch Fleischersatz ersetzen, Experimentierfreudige könnten die Gewürzmischungen auch mit anderen Zutaten verwenden.
«Für die Haco ein Novum»
«Taste the World» ist kein gewöhnliches Start-up, sondern ein interner Sprössling des Traditionsunternehmens Haco, das im bernischen Gümligen unter anderem Bouillon, Saucen und Instantkaffee herstellt. Die vier Gründer von «Taste the World» arbeiten alle bei Haco, in das Start-up investieren sie etwa 50 Prozent ihrer Arbeitszeit. Die gelernten Köche Urs Wenger und Christian Schletti sind Produktentwickler, Florian Iseli leitet das Haco-Produktmanagement und Gianni Giger ist für die strategische Geschäftsentwicklung verantwortlich. Die Haco arbeite schon seit längerem mit externen Start-ups zusammen, erklärt Giger. «Aber ein internes Start-up ist für die Haco ein Novum.»
Ein internes Start-up erlaube es, neue Ideen unabhängiger, schneller und flexibler zu entwickeln. «Taste the World» wurde 2022 gegründet, Ende November kamen die ersten Produkte auf den Markt. Während die Haco für Detailhändler, die Lebensmittelindustrie und die Gastronomie produziert, hat «Taste the World» ein anderes Zielpublikum: Privatkunden, die gerne reisen und in der Küche Neues ausprobieren. «Das ist etwas Neues, wir sind aber trotzdem nahe an der Wurzel der Haco», sagt Giger. Die Firma habe lange Erfahrung damit, getrocknete Lebensmittel herzustellen. Mit den exotischen Gewürzmischungen bringe man dieses Know-how in die frische Küche.
Publikum gestaltet Sortiment mit
Bei der Produktion der Gewürzmischungen konnten die Gründer auf das Wissen und die Infrastruktur der Haco aufbauen. «Die meisten Rohstoffe hatte die Haco schon an Lager, was uns fehlte, konnten wir über den Haco-Einkauf besorgen», sagt Christian Schletti. 30000 quaderförmige Böxli hat das Start-up fürs erste in Gümligen abgefüllt. Zu kaufen gibt es die Mischungen vorerst nur im eigenen Webshop, für 3.25 Franken pro Stück. Weitere Verkaufskanäle seien geplant, sagt Giger. Einen Platz im Gewürzregal der Detailhändler zu bekommen, sei aber schwierig. «Die Retailer wollen vor allem Schnelldreher.» Da hätten es «nischige» Innovationen schwer. Ein grosser Vorteil von «Taste the World» sei, dass man bei Bedarf die Produktion rasch hochfahren könne, sagt Giger. «Mit der Haco im Rücken können wir schnell auch grosse Volumen liefern.»
Wohin geht die Reise von «Taste the World»? Die Haco mache keinen Druck, was Wachstumszahlen angehe, betont Giger. Ziel des Start-ups ist, das Sortiment in den nächsten anderthalb bis zwei Jahren auf 20 bis 30 Gewürzmischungen auszubauen. Dazu verlassen sich die Gründer, die selber gerne reisen, nicht nur auf ihren eigenen Geschmack. Sondern auch auf die Kundschaft, die sich das Start-up aufbauen will. Reisefreudige Geniesserinnen und Geniesser sollen künftig mit ihren Vorschlägen und kulinarischen Entdeckungen mitbestimmen dürfen, mit welchen Gerichten aus fernen Ländern das Start-up weitere Kurztrips für den Gaumen anbieten soll.