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Süsse Geschäfte in Köln

An der diesjährigen ISM in Köln überwog die Freude über den wieder normalisierten Messebetrieb, auch wenn die Märkte schwieriger geworden sind. Die Schweizer Aussteller zeigten sich insgesamt zufrieden.

Josef Meyer, CEO von Oro de Cacao und B2B-Verkäufer Philippe Zellweger. (Roland Wyss-Aerni)

Drei Monate später als sonst üblich, Ende April, trafen sich auf der Internationalen Süsswarenmesse ISM in Köln Aussteller und Fachbesucher der Süsswaren- und Snackbranche. Viele freuten sich, dass nach der Corona-Flaute und einer schwachen ISM 2022 der Messebetrieb – trotz etwas kleineren Dimensionen – wieder brummte. Und viele bestätigten, dass zwar die Zahl der Besucherinnen und Besucher geringer, die Qualität der Kontakte aber besser war als in Vor-Corona-Zeiten.
Prominente und grosse Standorte wurden wie gewohnt von Herstellern wie Katjes, Lambertz, Trolli, Fini oder Monners besetzt, wer fehlte, war der Schokoladengigant Barry Callebaut. Die Trends: Cannabis, zuckerreduziert, bio, vegan, glutenfrei, nachhaltig. 15 Minuten Ruhm gab es für Kuriositäten wie Zahnungskekse für Babys, Fruchtgummiblöcke als Legoersatz oder Kartoffelchips mit «P*ssy Flavour»- und «D*ck-Flavour».
Schokolade ohne Kakao
Für Aufsehen sorgte ein Aussteller an der gleichzeitig stattfindenden, aber stark reduzierten Zuliefermesse ProSweets: Das Münchner Start-up Planet A Foods, das Nocoa herstellt, einen Schokoladenersatz ohne Kakao. Stattdessen werden Hafer und Sonnenblumenkerne fermentiert und anschliessend geröstet, wie Co-Gründerin Sara Marquart erklärte. Das entstehende Konzentrat wird mit Pflanzenfett vermischt und kann als Schokoladenersatz für alle möglichen Anwendungen bei Backwaren, Süssigkeiten oder Glace verwendet werden. Die Produktion geschieht in Tschechien, ist IFS-zertifiziert, sie beträgt derzeit bloss 750 Kilogramm pro Stunde und soll ausgebaut werden. Sara und ihr Bruder und Mitgründer Maximilian suchen deshalb Kunden in der Industrie – und haben sie zum Teil schon gefunden. Ab September werde auch ein Produkt im Schweizer Detailhandel erhältlich sein, sagte Marquart.
Schweizer Schoggi für nachhaltige Eigenmarken
Die Zahl der Schweizer Aussteller war mit 14 kleiner als auch schon, neun davon stellten unter dem Dach von Switzerland Global Enterprise am Swiss Pavilion aus. Maestrani stellte die Munz Extra Linie, seit Herbst 2022 bei Coop erhältlich, neu für den deutschen Markt vor. Sie umfasst die drei Varianten Extra Nuss, Extra Kakao und Extra Milch mit cremigem Kern, wie Thomas Stettler, Verkaufsleiter Brands, erklärte. Das Verkaufsargument «all natural» bedeutet: 100 Prozent zertifizierter Fairtrade-Kakao, kein Palmöl und 100 Prozent «Klimaneutralität» dank Kompensation von CO2-Emissionen. Maestrani präsentierte auch die Praliné-Marke Avelines, die Anfang 2022 von Favergé gekauft wurde, in drei Varianten. Maestrani produziert für Eigenmarken in Exportmärkten, in erster Linie mit den erwähnten Nachhaltigkeitsattributen. Die Inflation in den Exportmärkten habe teilweise zu Umsatzeinbussen geführt, sagte Stettler, allerdings habe das wieder erstarkte und für Maestrani wichtige Flughafengeschäft diese Verluste mehr als kompensiert.
Auch Halba ist ein wichtiger Schweizer Hersteller für ausländische Eigenmarken mit Nachhaltigkeitsaspekten. Fairtrade sei das Minimum, bio, vegan, zuckerreduziert, glutenfrei und weitere Anforderungen könne man je nach Kundenwunsch erfüllen, sagte die Verkaufsleiterin Réka Szalay. Halba engagiert sich mit nachhaltigen Anbauprojekten in Honduras, Ecuador, Madagaskar oder Ghana, wo mit dynamischem Agroforst nicht nur die Produktivität der Kakaobäume, sondern auch die Palette der Einkünfte für Kakaobäuerinnen und -bauern vergrössert wird. Szalay zeigte sich zufrieden mit der Messe, «die Kontakte sind gezielter und konkreter als früher». Man müsse auch offen sein für kleinere Firmen, manchmal entstehe daraus in Zukunft etwas Grosses.
Schokoladenwaffelnhersteller Kägi macht die Hälfte des Umsatzes in 33 Ländern, die Nachbarländer seien derzeit am Schwächeln, USA und Kanada seien aber interessant, ebenso der Nahe Osten, sagte Christophe T. Spring, Business Development Manager International bei Kägi. Er präsentierte die Pralinés des Alpes, kleinere Stücke von schokoladeüberzogenen Waffeln, einzeln verpackt, neu auch mit dunkler Schokolade. «So hat man intensiven Schokoladengeschmack, aber auf leichte Art», sagte Spring.
Schweizer Riegelkompetenz
Haco war erstmals seit 2013 wieder an der ISM, die Kunden seien sehr erfreut darüber, sagte Marianne Meyer, Verkaufsleiterin für den Bereich Snacks. Haco bietet aus den drei Produktionsstandorten in Lanzenhäusern (CH), Gutschermühle (A) und Ravensbergen (NL) Lösungen und Konzepte für Riegel, Bällchen und Cluster. Dank Koextrusion-Technologie können auch zwei verschiedene Massen zusammenkombiniert oder gefüllte Riegel produziert werden. Mit den Anforderungen, welche die Kunden so stellen: Bio, mehr Protein, weniger Zucker, vegan, glutenfrei, mit Mineralstoffen. Man habe an der Messe gutes Feedback, sagte Meyer, viele Anfragen und qualitativ gute Besucher. Die wichtigsten Märkte für Haco sind Mitteleuropa von Frankreich bis Österreich, aber auch Grossbritannien.
La Conditoria aus Sedrun, vor Jahren mit der «kleinsten Bündner Nusstorte der Welt» gestartet, hat das Sortiment in Richtung Schokolade und dragierte Produkte erweitert. Neu präsentiert wurden die eigenen Tartufi in den Geschmacksrichtungen Mango, Himbeer, Cappuccino und Dunkle Schokolade, etwas kleiner als gängige Tartufi. La Conditoria sei regelmässig an der ISM, es gehe auch um den Aufbau der Marke, sagte Maja Capatt vom Qualitätsmanagement der Firma.
Schokolade mit Gin und bio-vegane Biscuits
Mit einem eigenen Stand vertreten war wie gewohnt Camille Bloch. Das Unternehmen stellte zwei neue Likörschokoladen vor, mit Himbeergeist und Gin. Die Likörtafeln hätten sich gut gehalten, man habe die Linie vor zwei Jahren neu positioniert und gestaltet, um vermehrt ein jüngeres und urbaneres Publikum anzusprechen, sagte Marketingleiterin Jessica Herschkowitz. Das Echo an der ISM auf die neuen Varianten sei sehr gut, man werde sehen, was sich daraus ergebe. «Die ISM ist ruhiger als vor Covid, aber besser als im letzten Jahr», sagte Herschkowitz.
Kambly setzt verstärkt auf bio und vegan. Präsentiert wurden die drei neuen Biscuits Zitronenblatt, ein dünnes knuspriges Biscuit mit Zitronenglasur, Nusscarré mit gehackten Haselnüssen und Kokostaler mit Kokossplittern. «Bio-vegan ist eine Nische, die so noch niemand bedient», sagte Dania Kambly, verantwortlich für die Unternehmensentwicklung bei Kambly. Auch hier ist das Ziel, eine jüngere Kundschaft zu gewinnen. Der Anspruch, bio-vegan zu bieten, aber trotzdem eine möglichst kurze Zutatenliste zu haben, bedeute entsprechenden Aufwand in der Produkteentwicklung. Die Resonanz an der ISM auf die neuen Produkte sei sehr gut.
Auf Abnehmersuche
Erstmals an der ISM mit einem kleinen Stand vertreten war die Schokoladenfirma Oro de Cacao von Yello-Sänger und Unternehmer Dieter Meier. Wobei der Stand nur ein Teil des Messeauftrittes war, wie B2B-Verkäufer Philippe Zellweger erklärte. Mindestens ebenso wichtig: Die Termine, die der neue CEO Josef Meyer mit deutschen Grosshändlern, aber auch mit Herstellern wahrnahm. Einerseits, um einen Vertrieb für die Consumerprodukte zu finden – die sechs Schokoladevarianten mit Single-Origin-Kakao aus Peru, der Dominikanischen Republik und Ghana. Andererseits, um Firmen zu finden, die sich für die vier Teilprodukte aus dem revolutionären Herstellungsprozess von Oro de Cacao interessieren: die geschmacksintensive Kakaobutter, die wasserlöslichen Kakaoaromen, das intensiv schmeckende Antioxidantienpulver mit gesunden Polyphenolen und das Kakaopulver.
An ungewohnter Stelle, nämlich beim Gemeinschaftsstand des deutschen «Club der Confiseure», war Hersteller Felchlin zu entdecken. Präsentiert wurde als neue Couverture die Kombination von bolivianischem Wildkakao mit Entlebucher Bergmilch. Die Wildkakaobohnen werden nicht gepflegt, es wird geerntet, was vorhanden ist, wie Verkaufsleiter Key Account Lucas Peier erklärte. Der Kakao ist etwa dreimal so teuer wie Standardkakao und muss, weil die Bohnen kleiner sind, auch schonender geröstet werden. Zuletzt wird die Masse auf der alten, linearen Conchiermaschine 60 Stunden conchiert. Das Ergebnis ist eine exklusive, hochstehende Schokolade, auch «um zu zeigen, was möglich ist.»
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Noch nicht auf Vor-Covid-Niveau
Gemäss KoelnMesse kamen über 25000 Besucherinnen und Besucher aus 135 Ländern an die ISM. 1274 Aussteller aus 71 Ländern waren vor Ort. Im Vorjahr begrüsste die Messe 15000 Besucher und über 1000 Aussteller, 2019 waren es über 38000 Besucher und 1661 Aussteller.
Die ProSweets fand in diesem Jahr im «Sonderformat» statt, in den Gängen zwischen den ISM-Messehallen. 119 Anbieter aus 23 Ländern stellten im kleineren Massstab aus. Die ProSweets wird im 2024 wieder eine eigeneHalle erhalten, wie die KoelnMesse mitteilte.
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Prämierte Innovationen
97 Produkte von 56 Ausstellern aus 17 Ländern wurden für den New Product Showcase an der ISM angemeldet. Eine Fachjury aus Experten der Industrie, des Handels und der Wissenschaft kürte die folgenden Produkte zu den Gewinnern:
1. «süsse Naschwatte» des deutschen Herstellers tri dAix GmbH. Die Zuckerwatte enthält 90 Prozent weniger Zucker und ist frei von Geschmackverstärkern, Farbstoffen und Gluten. Sie ist auch vegan, halal und koscher.
2. «Brown Sugar Boba Milk Tea Mochi» des australischen Herstellers CAL Marketing. Die japanische Mochi, eine süsse oder salzige Reisspezialität, sei in dieser Kombination ein «gekühltes Geschmackserlebnis der besonderen Art», befand die Jury.
3. «Purple Sweet Potato Chips BBQ» des spanischen Anbieters Worlds Coconut Trading sind rauchige und vegane Süsskartoffelchips, die farblich hervorstechen.
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Jagd auf Swissness-Fälschungen
Der Branchenverband Chocosuisse prüft an der ISM jeweils, ob es bei Ausstellern aus anderen Ländern missbräuchliche Verwendungen von Schweizer Herkunftsangaben gibt. Man besuche systematisch sämtliche Stände, um potenzielle Missbräuche aufzudecken, sagt Sibylle Burgener, Markenschutzverantwortliche bei Chocosuisse. Rund zehn entdeckte Fälle müssten nun genauer untersucht werden. Dabei gehe es vor allem um Private-Label-Schokoladenprodukte, die gemäss Verpackungsangaben in der Schweiz hergestellt wurden. Ob sie tatsächlich aus Schweizer Produktion stammten, werde nun geprüft. Es habe aber auch zwei Fälle aus Europa und aus der Türkei gegeben, in welchen klar sei, dass die Produkte nicht aus der Schweiz stammten, obwohl sie beispielsweise mit einem Matterhorn-Bild als solche angepriesen würden, sagt Burgener.
Urs Furrer, Geschäftsführer von Chocosuisse, sagt, die Türkei sei ein grosser Süsswarenmarkt und seit einiger Zeit eine Art Hot Spot für missbräuchliche Schweiz-Claims. Chocosuisse leitete in der Türkei schon mehrfach rechtliche Schritte ein. Als Folge dieser Interventionen konnten mit den lokalen Behörden bislang diverse Erfolge in der Bekämpfung von Missbräuchen erzielt werden. Weniger Fälle gebe es inzwischen in Asien und vor allem in China. Da habe man auch frühere «Sünder» geprüft und festgestellt, dass sie sich heute korrekt verhielten. «Das zeigt, dass unsere Arbeit nötig und wichtig ist», sagt Furrer.
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