«Ich kenne keinen Händler in Europa, der das kann»: Coop-Chef Philipp Wyss stellt den Bestellprozess für Früchte und Gemüse um.
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Die Coop-Kundschaft schaut vermehrt auf die Preise, Nachhaltigkeit bleibt ihr aber lieb und teuer: Dieser Schluss lässt sich aus den Zahlen zum Geschäftsjahr 2024 ziehen, die Coop-Chef Philipp Wyss am Dienstag an der Bilanzmedienkonferenz im Coop von Bachenbülach (ZH) präsentierte (
mehr dazu hier). Sowohl der Umsatz mit der Preiseinstiegslinie «Prix Garantie» (+7,7 %) als auch der Bio-Umsatz (+3,2 %) wuchsen stärker als das Supermarktgeschäft insgesamt (+2 %). «Wir wachsen oben und unten», sagte Wyss. Für Coop als Vollsortimenterin seien «sowohl Nachhaltigkeit wie Tiefpreise relevant», beide Sparten hätten ihre Berechtigung, betonte Andrea Kramer, Leiterin der Direktion Marketing und Beschaffung.
Das zeige sich auch im konkreten Einkaufsverhalten: Fast in jedem zweiten Einkaufskorb bei Coop befindet sich mindestens ein Naturaplan-Artikel, bei jedem dritten Warenkorb mindestens ein Artikel von Prix Garantie. Die drei meistverkauften Produkte sind laut Kramer in beiden Segmenten die gleichen: Bananen, Eier und Pouletfleisch.
100 Millionen Franken in Preissenkungen investiert
1500 Artikel umfasst das Sortiment von «Prix Garantie». Coop garantiert dabei Preis- und Qualitätsparität mit den Discountern. Zudem biete Coop 500 Markenprodukte zum Discountpreis an und mache wöchentlich 500 Aktionen, sagte Kramer. Zugunsten von Preissenkungen verzichte Coop jährlich auf Margen in Höhe von rund 100 Millionen Franken, sagte Kramer weiter. «Letztes Jahr haben wir 2400 Artikel im Preis gesenkt, dieses Jahr bereits 300», sagte Wyss. Nächste Woche werde Coop zudem den Preis von 100 Markenprodukten vergünstigen. Man beobachte dabei die Preise der Discounter genau: «Wenn der Discoutner runter geht, gehen wir am gleichen Tag auch runter.»
Gut angelaufen ist laut Coop-Chef Philipp Wyss das neue Aktionswochen-Regime bei Coop. Seit Anfang Jahr laufen die Aktionen von Donnerstag bis Mittwoch statt wie früher jeweils ab Dienstag. Der Grund für den Wechsel: Am umsatzstärksten Tag, dem Samstag, sei man bei der Aktionsware häufig schon am Mittag ausgeschossen gewesen. Mit dem neuen Regime sei die Verfügbarkeit bis Ladenschluss gewährleistet. Mit den neuen Wochenstartaktionen stärke man zudem den Montag, der sich zu einem verkaufsstarken Tag gemausert habe.
Um 18 Uhr bestellt, um sechs Uhr geliefert
Wyss zeigte an der Bilanzmedienkonferenz auf, wie Coop die Logistik und den Bestellprozess bei Früchten und Gemüsen effizienter und schneller machen will. Bereits Anfang Jahr eröffnete Coop in Novazzano im Tessin eine Logistikplattform, wo die Detailhändlerin alle importierten Früchte und Gemüse kontrolliert, kommissioniert und dann per Bahn oder E-LKW in die sechs Verteilzentralen liefert. Mit der Plattform in Novazzano liege neu der gesamte Prozess - von der Beschaffung bei den Lieferanten über Import und Qualitätskontrolle bis zum Transport in die Filialen - in den Händen von Coop; früher seien externe Partner involviert gewesen, erklärt die Coop-Medienstelle auf Anfrage.
Ab Ende März beginnt Coop zudem damit, den Bestellvorgang für Früchte und Gemüse in den Filialen komplett umzustellen. Statt wie bisher bereits am Morgen werden die Bestellungen künftig erst um 18 Uhr abends gemacht. Dabei kommt laut dem Coop-Chef künstliche Intelligenz zum Einsatz, die Bestellvorschläge macht. Die um 18 Uhr bestellte Ware ist spätestens um sechs Uhr morgens in den Filialen. «Ich kenne keinen Händler in Europa, der das kann», sagte Wyss. Der Start erfolgt in der Verkaufsregion Bern. Danach soll das System in den anderen Verkaufsregionen eingeführt werden.
Mit dem neuen Logistikzentrum, das der Fleischverarbeiter Bell in Oensingen baut, soll es ab Ende 2026 auch möglich sein, Fleischwaren für den nächsten Tag bis um 15 Uhr am Vortag zu bestellen.