FASTER – Framework for accelerating food technology research
Anfang Februar eröffnete die HAFL die Erweiterung der Technologiehalle, in der für Lehre und Forschung nun rund 800 qm Versuchsfläche zur Verfügung stehen. Diese umfangreiche und kontinuierlich weiterentwickelte Infrastruktur bietet Innovationsprojekten eine einzigartige Entwicklungsumgebung. «Unsere Infrastruktur deckt den gesamten Downstream-Prozess ab, vom Rohstoff über Zwischenprodukte bis hin zum Endprodukt», sagt David Flury, Verantwortlicher für die Technologiehalle. «Dazu gehören beispielsweise Operationen wie Zerkleinern, Trennen/Filtrieren, Funktionalisieren, Konzentrieren und Trocknen. Zudem bieten wir Möglichkeiten zur Strukturierung von Lebensmitteln, etwa durch Emulgieren, Schäumen, Extrudieren und Kristallisieren sowie durch 3D-Strukturierung. Bei der Erweiterung der Infrastruktur verfolgen wir eine strategische und projektbezogene Herangehensweise. Dieses Jahr planen wir beispielsweise eine Erweiterung um eine Pilot-UHT-Anlage (direkt/indirekt), einen weiteren Extruder, eine weitere Membranfiltration sowie laborseitig um eine präparative Chromatographie.» Um die Potenziale bestmöglich nutzen zu können, hat die BFH-HAFL in Zusammenarbeit und mit substanzieller Unterstützung durch die Standortförderung des Kantons Bern FASTER gestartet. Das Programm dient dazu, einen verlässlichen Rahmen zur Bereitstellung von Ressourcen zu schaffen.
Ausgangspunkt für FASTER waren zwei Bedürfnisse: Zum einen ist es insbesondere für Start-ups in einer frühen Phase, aber auch für KMU, oft schwer, Zugang zu einer breiten Palette an Infrastruktur zu erhalten. Zum anderen fehlen nicht selten interne Ressourcen, um neue Ideen voranzutreiben und Machbarkeitsabklärungen durchführen zu können. Oft ist nicht mal bekannt, dass Hochschulen nicht nur ein hohes Mass an Fachkompetenz besitzen, sondern dieses auch der Wirtschaft zur Verfügung stellen sollen. «Ausschlaggebend waren unsere Erfahrungen während Covid», sagt Prof. Dr. Christoph Denkel, Leiter der Forschungsgruppe Lebensmittelprozesstechnologie und nachhaltige Innovation. «Aufgrund der fehlenden Präsenzlehre, insbesondere durch den Ausfall von Praktika, hatten wir für ein Zeitfenster von einigen Monaten Kapazitäten, um Anfragen von Start-ups sehr niederschwellig zu realisieren.» Der Erfolg war gross, das Feedback positiv. Im Anschluss wurden weiterhin Plausibilitäts- und Hypothesentests für Start-ups und KMU durchgeführt. «Die Ressourcensituation wurde aber immer anspruchsvoller, sodass wir uns entschieden haben, ordentliche Strukturen zu schaffen», so Denkel. Herausgekommen ist FASTER.
Ein «Enabler» für Start-ups und KMU in der Lebensmittelindustrie
«Das FASTER-Programm ist schweizweit einzigartig, um die Machbarkeit neuer, innovativer oder disruptiver Ideen zu prüfen und in eine gemeinsame Forschungs- und Entwicklungstätigkeit zu überführen», sagt Dr. Sebastian Fries, Leiter Standortförderung Kanton Bern. Mit FASTER rückt die BFH näher an innovativ denkende Unternehmen heran. Das FASTER-Programm ist für alle offen, entfaltet aber seine grösste Hebelwirkung bei Start-ups und KMU. «Unsere Mission ist es, als dezidierter Forschungs-Accelerator für alle impact-orientierten, technologie-basierten und skalierbaren Innovationsprojekte zu fungieren», führt Denkel aus.
Ein wichtiger Aspekt des FASTER-Programms ist der Umgang mit Intellectual Property (IP). Basierend auf dem Selbstverständnis eines «Enablers» zeichnet das FASTER-Programm eine Partner-freundliche IP-Politik aus. «In der Regel erhalten die Partner innerhalb von FASTER oder von daran angeschlossenen Forschungsprojekten die IP innerhalb ihres Geschäftsfeldes», so Prof. Ursula Kretzschmar, Abteilungsleiterin Food Science & Management. Die BFH möchte damit sicherstellen, dass die Partner das Innovationspotenzial voll ausschöpfen können und den dazu notwendigen technologischen Support erhalten. «Darüber hinaus ist uns auch die Unabhängigkeit unsere Partner wichtig.» So verzichtet die BFH vollständig darauf, Start-ups durch die Übernahme von Anteilen oder das Eingehen von «Convertible loans» oder Ähnlichem langfristig zu binden. Dazu Denkel: «Wir wollen durch unsere Leistungen und Kompetenzen überzeugen, und damit eine längerfristige Zusammenarbeit begründen».
Wie funktioniert FASTER?
Voraussetzung für die Nutzung von FASTER ist neben einer relevanten Fragestellung im lebensmitteltechnologischen Bereich ein Bedarf an Infrastrukturzugang oder an fachlicher und wissenschaftlicher Exzellenz. Der Infrastrukturzugang über FASTER ist sehr niederschwellig: Den Interessenten wird ein massgeschneidertes, kostenpflichtiges Dienstleistungsangebot unterbreitet. Im Vordergrund steht der unkomplizierte Zugang zur Infrastruktur. Der Nutzungsumfang und die Nutzungsdauer sind flexibel, die Vertraulichkeit wird bei allen Projekten sichergestellt. Dem Zugang zum FASTER- Forschungs-Accelerator geht eine Prüfung der Projektidee hinsichtlich Innovationspotenzial, Realisierungs- und Umsetzungspotentials sowie Skalierungseignung und potenziellem Impact voraus. Nach positiver Evaluation und grundsätzlicher Bereitschaft zu perspektivischer, gemeinsamer Forschung können die Projekte starten, wobei FASTER und die Partner gleichermassen eigene Ressourcen einbringen, der Partner erhält zudem Zugang zur Infrastruktur. Auch hier werden die Umfänge auf das jeweilige Projekt zugeschnitten. «FASTER erleichtert das Kennenlernen, schnelle Machbarkeits- und Plausibilitätstests und die Vorbereitung weiterer Zusammenarbeit», ergänzt Denkel. Gerade Start-ups, aber auch KMU profitieren besonders, da sie mit eigenem Personal die Infrastruktur mitbenutzen können. FASTER sei aber kein Start-up-Accelerator: «Wir sind auf impact-orientierte Forschung fokussiert, unabhängig davon, ob es sich um ein Start-up, ein KMU oder ein grösseres Unternehmen handelt.» Entscheidend sei die gemeinsame Perspektive.
Einbettung
FASTER ist ein eigenständiges, unabhängiges Programm und zugleich ein zentraler Baustein eines neuen Lebensmittelverbunds im Kanton Bern. «Wir sind stolz darauf, FASTER nach langer Planung und intensiven Vorbereitungen nun in belastbare Strukturen zu überführen», so Prof. Ursula Kretzschmar, Leiterin des Fachbereichs Food Science&Management der BFH-HAFL. «FASTER ist ein starkes, einzigartiges Programm mit hohem Mehrwert für die Entwicklung von Technologien und Alleinstellungsmerkmalen. Die volle Wirkung für Innovationsprojekte entfaltet FASTER im Verbund mit weiteren Angeboten im Kanton Bern – ich freue mich, eine Übersicht geben zu können im Rahmen des Kreislaufforums vom 3. April 2025 in Thun.» FASTER als Teil der hochschulischen Forschungsaktivitäten kommt auch Studierenden oder Mitarbeitenden mit innovativen Ideen zugute, die bei ersten Schritten unterstützt werden, im Hinblick auf die Gründung von Spin-offs. Mitarbeitende und Studierende profitieren aber auch durch Kontakte zu innovativen Unternehmen: Diese können interessante Fragestellungen für Abschlussarbeiten bereitstellen, ein spannendes Entwicklungsumfeld anbieten und nebenbei auch potenzielle neue Mitarbeitende kennenlernen. Eine Win-win-Situation für alle Beteiligten.