Wie der Schweizer Käse ins Ausland fand
Die Geschichte des Verkaufs von Schweizer Käse über die Landesgrenzen ist über sieben Jahrhunderte alt. Sie wird in Kurzform in der aktuellen Ausstellung im Milchwirtschaftlichen Museum Kiesen aufgezeigt, anhand von Exponaten aus der Käsetransportlogistik und von Werbemitteln. Besonders Gewicht erhalten der Emmentaler, der über den Rhein nach Norden und rasch in die ganze Welt gelangte, der Sbrinz, der mühsam über die Alpenpässe nach Süden transportiert wurde, und der Gruyère, der sich über die Rhone in Richtung Westen verbreitete.
Das Thema Käseexport und Zölle sei gerade brandaktuell, sagte René Ryser, Präsident des Museums, bei der Vernissage vom 8. April. Er freue sich, dass das Museum in dieser Saison dem wichtigen Thema widme.
Schmuggel über den Rhein
Peter Gerber, verantwortlich für die Ausstellung, erläuterte die Anfänge des Exportes. Die ersten Transportwege für Käse sind im Mitte 14. Jahrhundert erwähnt. Damals wurden vom Oberemmental bis hinunter nach Basel auf den Flossen in Bierfässern Käse geschmuggelt. Der Käse wurde mit der Zeit Flösserkäse genannt. Er wird heute noch nach traditionellem Rezept in der Käserei Rüegsegg bei Röthenbach produziert.
Auch der Sbrinz hat eine lange Geschichte und ist eines der ältesten Exportprodukte überhaupt. Der Käse aus den Innerschweizer Alpen und dem östlichen Berner Oberland wurde in Brienz gesammelt – daher der Name – und dann auf Säumerpfaden mit Maultieren und Pferden über den Grimselpass und Griespass nach Domodossola transportiert. Der Käse war als Reibkäse in Norditalien sehr beliebt. Daneben wurden auch Butter, Salz, Getreide, Tücher oder Sensen. Auf dem Rückweg importierten die Säumer Wein, Reis, Mais und verschiedene Stoffe, was auch einen gewissen Wohlstand in das Berner Oberland brachte.
Gruyère für französische Soldaten
Der Gruyère wurde im 17. Jahrhundert zu einem nachgefragten Exportprodukt, nicht zuletzt beim französischen Staat, der nach dem Dreissigjährigen Krieg seine Armen und Streitkräfte versorgen wollte. Die Käselaibe wurden in Vevey verschifft und dann auf dem See nach Genf transportiert. Nach einem Maultiertransport nach Seyssel ging es rhoneabwärts auf Booten in Richtung Lyon und Mittelmeer.
Der Emmentaler, in seiner Urform vom Gruyère nicht zu unterscheiden, hat seinen Ursprung in Kiesen, wo 1815 die erste Talkäserei gebaut wurde und einen Käsereiboom auslöste. Er wurde im Verlauf des 19. Jahrhunderts auch zum erfolgreichsten Käseexport und überholte den Gruyère. Die Käselaibe wurden in Langnau und Burgdorf gesammelt, die dort stationierten Käsehändler entwickelten sich zu eigentlichen Logistikzentren, wo nicht nur Käse affiniert und ausgeliefert wurde. Auch die Produktion der Fässer für den Versand fand inhouse statt, ebenso die Bedruckung der Laibe mit der Herkunftsmarke.
Konservenkäse
Ein Produkt, das aus dem Export entstand, ist der Schmelzkäse. Walter Gerber, ein Emmentaler Käsehändler, stellte bei einer Reise nach Marseille fest, dass der exportierte Käse bei höheren Temperaturen in schlechter Qualität bei den Kunden ankam. Gemeinsam mit einem befreundeten Chemieprofessor der Universität Bern entwickelte er eine Rezeptur mit Zitronensäure und Natriumkarbonat, die es ermöglichte, den Käse zu konservieren. Damit war der Schmelzkäse geboren, der an der Landesausstellung von 1914 ein grosser Erfolg war und der auch für die schweizerische und deutsche Armee ein wichtiges Lebensmittel wurde.