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Zusatzstoffe von Pneus lagern sich auf Obst und Gemüse ab

Wer einen Apfel oder einen Salat isst, nimmt damit möglicherweise auch Rückstände von Fahrzeugpneus zu sich. Laut einer Studie ist fast ein Drittel des Gemüses und Obstes in der Schweiz mit solchen Stoffen verunreinigt. Die Folgen für die menschliche Gesundheit sind noch unbekannt.

Zusatzstoffe von Pneus gelangen durch Abrieb auf Früchte und Gemüse.

Quelle: Symbolbild Pixabay

Die Studie wurde von der Eidgenössischen Technischen Hochschule Lausanne (EPFL) und dem Bundesamt für Lebensmittelsicherheit und Veterinärwesen durchgeführt. Dabei fanden die Forschenden in allen in der Schweiz am häufigsten verzehrten Obst- und Gemüsesorten Zusatzstoffe von Pneus.
Diese Untersuchung erfolgte, nachdem bereits zwei österreichische Studien 2023 Zusatzstoffe von Pneus auf Blattgemüse nachgewiesen hatten.
Nach dieser aufsehenerregenden Veröffentlichung beauftragte das BVL Florian Breider, Leiter des Zentralen Umweltlabors (GR-CEL) an der ETH Lausanne, damit, die Situation in der Schweiz genauer zu untersuchen. In dieser Studie untersuchten Breider und sein Team rund 100 der in der Schweiz am häufigsten konsumierten Obst- und Gemüsesorten in neun repräsentativen Detailhandelsgeschäften, grossen Bio-Märkten und kleinen Tante-Emma-Läden.
Nachdem die Wissenschaftler das Obst und Gemüse abgespült und zu Proben verarbeitet hatten, prüften sie das Vorhandensein von elf Bestandteilen, die typischerweise in Zusatzstoffen von Reifen vorkommen. Das Ergebnis: 31 Prozent der Proben enthielten Spuren dieser Substanzen, darunter 6PPD und 6PPD-Quinon.
Dabei spielte es keine Rolle, woher das Obst und Gemüse stammte - oder ob es sich um Biogemüse handelte. Da die Ernährung in ganz Westeuropa im Grossen und Ganzen gleich sei, könne man sich vorstellen, dass die Lage in den Nachbarländern vergleichbar sei, so Breider.
Verminderte Fruchtbarkeit
Bislang wurde die Toxizität von Reifenadditiven nur in Studien an Nagetieren nachgewiesen. Die Forschung stellte eine verminderte Fruchtbarkeit bei männlichen Tieren und neurotoxische und neuroinflammatorische Auswirkungen fest.
Der kritische Schwellenwert für den Menschen ist noch nicht bekannt. «Wir wissen nicht, wie diese Moleküle im menschlichen Körper verarbeitet werden», wird Breider in der Studie zitiert.
Um mehr darüber zu erfahren, führen chinesische Labors derzeit Studien durch. Die EPFL will in den nächsten Monaten mit entsprechenden Forschungen beginnen.
Von der Strasse in die Natur
Die Stoffe gelangen durch die Abnutzung der Reifen auf der Fahrbahn in die Umwelt. Autoreifen bestehen aus einer komplexen Mischung von Materialien, die ihre Leistung und Haltbarkeit verbessern. Hierzu gehören 5 bis 15 Prozent chemische Additive, welche hunderte von Substanzen umfassen, zum Beispiel Antioxydanzien, Antiozonierungsmittel, Vulkanisierungmittel, Antialterungsmittel und viele mehr.
Diese Partikel verbreiten sich in der Atmosphäre, lagern sich auf dem Boden ab oder werden werden durch abfliessendes Wasser transportiert. Eine 2017 veröffentlichte Studie schätzt, dass weltweit etwa sechs Millionen Tonnen dieser Zusatzstoffe jährlich in die Umwelt gelangen.
Um die Übertragung von Schadstoffen von der Strasse in die Umwelt zu vermeiden, werden derzeit in der Schweiz Studien zur Dekontaminierung von Fahrbahnen durchgeführt.
Florian Breider, Thibault Masset, Kelyan Prud’homme, Beat J. Brüschweiler, «Assessment of tire-derived additives and their metabolites into fruit, root and leafy vegetables and evaluation of dietary intake in Swiss adults», Journal of Hazardous Materials, 15. August 2025.  https://doi.org/10.1016/j.jhazmat.2025.138432 

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