Blattmann Schweiz stellt Betrieb ein
Die Blattmann Schweiz AG, letzte Schweizer Stärkeherstellerin, macht dicht. Schuld ist auch eine umstrittene Zollregeländerung.
Das Traditionsunternehmen Blattmann Schweiz AG in Wädenswil stellt nach fast 170 Jahren Tätigkeit seinen Betrieb ein. Bei der Firma handelte es sich um die letzte Herstellerin von Stärke in der Schweiz. Am Mittwoch, 6.8.25 wurde die Produktion nun endgültig eingestellt, 28 Mitarbeitende verlieren ihre Arbeit. Für 12 von ihnen konnten interne Anschlusslösungen gefunden werden – die übrigen werden unterstützt, wie der Verwaltungsratspräsident Giulio De Lucia gegenüber dem «Tages-Anzeiger» sagte.
Zolländerung brachte Unternehmen zu Fall
Eine Änderung im Zollsystem war laut Bericht der Hauptgrund für das Aus. Seit 1959 durften Schweizer Mühlen Weizen fast zollfrei importieren, sofern sie einen Teil zu Stärke verarbeiteten. Anfang 2024 wurde diese Grenze von 55 auf 75 Prozent erhöht. Das Resultat: Einkaufspreise schnellten um bis zu 60 Prozent in die Höhe – dies war wirtschaftlich nicht tragbar.
Doch auch bereits zuvor war die Lage angespannt: Corona, hohe Energiepreise und ein starker Franken hatten das Unternehmen gebeutelt. Die Investoren versuchten mit frischem Kapital gegenzusteuern, was letztlich vergeblich war.
Branchenproteste ohne Wirkung
Branchenvertreter und Politiker wie SVP-Ständerat Hansjörg Knecht versuchten, die alte Zollregel per Motion zu retten – jedoch ohne Erfolg. Der Bundesrat hielt die Änderung für gerechtfertigt und gab an, «versteckte Subventionen» seien nicht der Sinn des Zollrechts. Für Blattmann kamen am Ende auch späte Notmassnahmen wie Mehlimportbewilligungen zu spät. De Lucia kritisiert die asymmetrische Handelspolitik: Während EU-Firmen billig in die Schweiz exportieren, musste Blattmann hohe Zölle für den Export zahlen. Auch fehlte staatliche Unterstützung im Vergleich zu vielen ausländischen Konkurrenten. Während Corona galt Blattmann noch als systemrelevant – jetzt schliesst das Traditionsunternehmen für immer die Tore. Was mit dem grossen Fabrikgebäude direkt am Zürichsee passieren wird, ist noch unklar.