Orior setzt den Rotstift an.
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Einschneidend ist die Neuausrichtung der Trockenfleisch-Tochter Albert Spiess. Orior will die Produktion sämtlicher Produkte ohne direkten Bündnerland-Bezug in den nächsten zwölf Monaten nach Stabio zur Schwestergesellschaft Rapelli verlagern, wie das Unternehmen am Donnerstag mitteilte. Der Standort Schiers soll auf ein Minimum reduziert, der Ganda-Shop in Landquart geschlossen werden.
Von den rund 130 Mitarbeitenden in Schiers sind etwa 90 von der Reorganisation direkt betroffen, wie es heisst. Für sie wird ein Sozialplan erarbeitet. Albert Spiess und Rapelli sollen rechtlich zu einer Gesellschaft zusammengeführt werden. Die Profitabilität von Albert Spiess war seit Jahren unter Druck, unter anderem wegen stark gestiegener Rohstoffpreise. Im Vorjahr kamen Lagerkorrekturen hinzu.
Orior-Chefin: schmerzhafter Schritt
Orior-Chefin Monika Friedli-Walser sprach von einem schmerzhaften Schritt. Sie sieht die Restrukturierung aber als Voraussetzung, um die Gruppe widerstandsfähiger und profitabler aufzustellen, wie sie an einer Videokonferenz mit Analysten am Donnerstag sagte.
Auch auf Gruppenebene setzt Orior den Rotstift an und verschlankt die Organisation. Zugleich hat die Unternehmensführung den Verkauf der belgischen Fertigmenü-Tochter Culinor auf den Tisch gelegt. Ein Käufer soll bis spätestens im ersten Quartal 2026 gefunden werden. Sollte sich kein Partner finden, will Orior das Geschäft stärker in die Gruppe integrieren, wie Friedli-Walser sagte.
Der zuständige Analyst der ZKB beziffert den möglichen Verkaufspreis auf 50 bis 100 Millionen Franken. Finanzchef Sacha Gerber wollte dazu keine Angabe machen.
Ikea als Grosskunden gewonnen
Culinor hatte seit der Übernahme 2016 die erhofften Synergien nicht geliefert und verlor jüngst den Grosskunden Albert Heijn. Zwar soll Ikea als neuer Abnehmer mittelfristig entgangene Volumen ersetzen, doch sieht die Konzernspitze den Fokus künftig auf dem Heimmarkt Schweiz. Dagegen sollen das Biotta-Schwesterunternehmen Gesa, die Flughafen-Gastronomie Casualfood sowie die italienische Pasta-Manufaktur Gaetarelli ausgebaut werden.
Die Sanierung ist auch durch die angespannte Finanzlage getrieben. Zwar konnte Orior im ersten Halbjahr 2025 die Nettoverschuldung leicht auf 173 Millionen Franken senken - getragen von einem verbesserten Free Cash Flow von 11 Millionen nach einem Minus im Vorjahr. Doch liegt der Verschuldungsgrad mit 5,2-fachen des operativen Gewinns auf Stufe EBITDA weiterhin weit über dem Zielwert von unter 2,5.
Orior musste daher mit einem Bankenkonsortium eine Verlängerung seines Kreditrahmens bis 2029 aushandeln. Von einer weiteren Kapitalerhöhung war vorerst keine Rede. Das Unternehmen setzt auch auf Immobilienverkäufe und Sale-and-Lease-back-Transaktionen, um die Bilanz zu entlasten.
Weniger Umsatz und weniger profitabel
Das Halbjahresergebnis fiel insgesamt schwächer aus als im Vorjahr. Der Umsatz sank um 2,9 Prozent auf 305 Millionen Franken. Die operative Marge auf Stufe EBITDA verringerte sich auf 5,4 nach 7,3 Prozent. Belastet wurde das Ergebnis durch Altlasten aus dem Vorjahr, Ausschreibungsverluste und hohe Rohstoffpreise. Positiv entwickelte sich der Free Cash Flow auf 10,7 Millionen Franken nach -13,2 Millionen im Vorjahr. Die Nettoverschuldung sank auf 173,3 Millionen Franken.
Für das Gesamtjahr präzisierte Orior die Umsatzprognose auf -2 bis -4 Prozent (zuvor -4 bis -6 Prozent). Die EBITDA-Marge wird neu zwischen 5,9 und 6,3 Prozent erwartet (zuvor 6,0-6,4%). Belastend wirken laut Mitteilung kurzfristig die Umzugskosten bei Albert Spiess sowie Verzögerungen bei der Eröffnung neuer Flughafen-Outlets. Langfristig sollen die beschlossenen Massnahmen jedoch Wachstum, Ertragskraft und Widerstandsfähigkeit der Gruppe stärken.